Dialekt
"Oberpfälzisch" gibt es nicht

Die Oberviechtacher sagen zum Frosch "Froosch", einige Kilometer weiter nördlich sprechen die Leute vom "Fruusch" und von da bis ganz in den Norden der Oberpfalz heißt er "Fruasch". Bild: NT-Archiv
Vermischtes
Schwandorf
07.05.2016
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Laut einer von FriendScout24 erhobenen Umfrage zu den beliebtesten Dialekten Deutschlands nimmt "Bayerisch" mit Abstand den ersten Platz ein. Durch die dabei verwendete Bezeichnung entsteht der Eindruck, als existiere im Freistaat ein gemeinsamer einheitlicher Dialekt, der noch dazu mit -y- geschrieben werde.

Dies ist keineswegs der Fall, denn in Bayern gibt es nämlich - neben einigen kleineren - drei große Dialektlandschaften, von denen eine das Bairische darstellt (mit -i- wohlgemerkt), das wiederum in Nord-, Mittel- und Südbairisch unterteilt ist. Südbairisch ist auch der offizielle Name für den in Österreich zum größten Teil gesprochenen Dialekt und nicht etwa "Österreichisch", das in der besagten Umfrage auf Platz zwei auftaucht. Ein derart unpräziser Umgang im Zusammenhang mit Dialekten und Dialektarealen findet sich sehr häufig.

Ein weiteres prägnantes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Mundart unseres Regierungsbezirks gerne als "Oberpfälzisch" ausgewiesen wird. Der Sachverhalt, dass im Norden der Oberpfalz das Nordbairische zu Hause ist, an das sich südlich davon das Nordmittelbairische anschließt, und dass danach das Mittelbairische folgt, beweist, dass es keinen alleinigen Dialekt mit dem Namen des Regierungsbezirks geben kann.

Große Vielfalt im Kleinen


Darüber hinaus ist die hier herrschende Situation von einer großen Vielfalt im Kleinen geprägt. Wer sich schon einmal mit einem Einwohner von Muschenried, Eslarn und Neualbenreuth unterhalten hat, wird dies alsbald erkennen. Während in Oberviechtach zum Beispiel der Frosch als "Froosch" ausgesprochen wird, lautet dasselbe Wort einige Kilometer weiter nördlich "Fruusch" und von da bis ganz in den Norden der Oberpfalz schließlich "Fruasch". Ein "Haus" wird in Muschenried und südlich davon zu "Hàs", ein "drei" zu "drä", ein "Schnee" zu "Schnai" und ein "rot" zu "raud", um nur einige wenige Merkmale zu nennen. Eines jedoch haben alle Lokalmundarten des Nordbairischen als hauptsächliche Charakteristika gemeinsam, nämlich die beiden so genannten gestürzten Diphthonge "ej" und "ou", wie etwa in "Brejf" (= Brief) und "Brouder" (= Bruder). Womit wir wieder bei dem anfangs geschilderten Sachverhalt wären, nämlich der Popularität von Dialekten. Aufgrund der Zwielaute "ou" und "aou" (Beispiel: Daoud - Tod) karikiert man die Oberpfälzer sprachlich nicht selten in der Form, dass man ihnen "Bellen" unterstellt.

Der Grund dafür ist wohl darin zu suchen, dass derjenige, der das tut, sich von dem vermeintlichen Fehlen von Wohlklang als dem einzigen Bewertungskriterium dazu verleiten lässt. Dass sich dieser Aspekt jedoch als äußerst subjektiv erweist, wird allein schon dadurch belegt, dass der Diphthong "ou" im Englischen laut Prof. Dr. Anthony Rowley von der Kommission für Mundartforschung bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften völlig anders wahrgenommen wird. Und der muss es ja schließlich wissen, denn Rowley ist Brite und zugleich einer der profundesten Kenner des Bairischen.

Pfälzisch weit unten


Übrigens - auf dem zwölften und letzten Platz der Umfrage von FriendScout24 rangiert Pfälzisch, wobei auch hier relativierend gesagt werden muss, dass es sich dabei um einen Sammelbegriff für die Dialekte der beiden rheinfränkischen Dialektgruppen Westpfälzisch und Vorderpfälzisch handelt, die wiederum aus Einzeldialekten bestehen.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz/themen/dialekt
1 Kommentar
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Ralph Schoeller aus Weiden in der Oberpfalz | 08.05.2016 | 15:19  
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