Doch wem gehören sie und wie sollte das den gefiederten Tieren untersagt werden? - Rentner ...
Ärger, wenn die Tauben auf dem Pflaster landen

Tauben picken gerne den Sand aus steinernen Bodenbelägen, sei es auf öffentlichen Pflasterflächen (Bild) oder auf Privatgrundstücken. Archivbild: hfz
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Schwandorf
23.01.2016
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Tauben gelten als durchaus intelligent. Wie allerdings, so lautete jetzt die Frage vor einer Schwandorfer Zivilrichterin, kann man ihnen untersagen, auf einem Grundstück zu landen, dessen Besitzer ihre Besuche auf keinen Fall wünscht? Oder anders noch: Müsste der Taubeninhaber sein gefiedertes Geschwader künftig gar einsperren?

Die gurrenden Flieger gereichen einem Pensionisten aus dem Landkreis Schwandorf zur Freude des Ruhestands. Er hält sie auf seinem Grundstück, sorgt für die Tiere. Es soll sich dabei, wie man nun vor der Zivilrichterin Jennifer Jäger erfuhr, sowohl um Haus- als auch um Brieftauben handeln. Irgendwie aber sehen alle gleich aus. Das spielte im Prozess eine Rolle.

Tauben picken Sand heraus


Ein paar Häuser vom Taubenfreund entfernt wohnt ein Rentner. Sehr zu seinem Befremden muss der Mann konstatieren, dass immer wieder einmal Tauben nahen und zielsicher auf seiner Hofeinfahrt landen. Dort, so fiel dem Mann auf, beginnen die ungebetenen Gäste damit, Sand aus den Fugen des steinernen Bodenbelags zu picken. Das mögen die Vögel offenbar. Womöglich - doch das klang so deutlich nicht an - weil die klitzekleinen Körnchen ihrer Verdauung förderlich sind. Die unerwünschten Landungen verbat sich der Rentner zuerst mündlich, auch schriftlich will er seine Entrüstung geäußert haben. Doch die Tauben schwebten abermals ein und tun es wohl bis heute. Da schwoll ihm endgültig die Zornesader. Er nahm einen Anwalt und ließ Klage gegen den Nachbarn erheben. Sie lautete auf "Unterlassung" und zog zwei Verfahrenstermine nach sich. Die erste Verhandlung brachte keine Einigung. Wohl aber die mutmaßende Erkenntnis, dass es sich bei den pickenden Eindringlingen womöglich nicht um die Tauben des vor die Richterin Jäger geholten Pensionisten handeln könnte. Weil, so wurde ins Feld geführt, Vögel aus der lateinischen Gattung der "Columbidae" einander recht ähnlich sehen. Also lud man Zeugen aus der Nachbarschaft. Die beiden Männer (ein dritter war erkrankt) hatten nur kurze Auftritte. "Haben Sie jemals Tauben gesehen, die in der Hofeinfahrt des Klägers landeten?", lautete die Frage. Antwort: "Nein." Dann waren die Leute auch schon wieder draußen. Allerdings fügte einer seiner Aussage noch hinzu: "Ich habe von meinem Haus aus keinen Blick auf diese Hofeinfahrt." Erkundigendes Nachhaken brachte ferner die Erkenntnis: Bei den Zeugen gab es bisher keine Tauben-Landungen.

Wem gehören sie?


Womit noch einmal kurz zu erörtern war, ob es sich bei den geschnäbelten Unruhestiftern tatsächlich um die Vögel des Pensionärs handelt. Das sei sehr wohl der Fall, vernahm die Richterin vom Kläger. Denn nach mündlichen Interventionen habe der Mann sein Geschwader zweimal weggesperrt. "Und immer dann war Ruhe." Das mochte der Taubenbesitzer so nicht stehen lassen. "Falsch", ließ er über seinen Anwalt erklären, "weggesperrt wird nur dann, wenn draußen der Habicht kreist." "Dem Gericht sind doch auch Fotos vorgelegt worden", insistierte der Rentner. "Weiß ich", konterte die Richterin. Nur sei damit keineswegs belegt, dass die Taubenschar dem Nachbarn gehöre. Das, so stellte Jennifer Jäger als weiteren prozessualen Schritt in den Raum, könne womöglich nur ein Sachverständiger aufklären. Vor dem geistigen Auge des Beobachters eröffneten sich dabei bereits Bilder, wie sich ein solcher Experte auf die Lauer legt, um Identitäten und vielleicht auch Beringungen zu ermitteln.

So weit kommt es nun doch nicht. Die Richterin empfahl, das Unterlassungsbegehren zurück zu nehmen. Ansonsten, so stellte sie in Aussicht, werde sie wohl eine Zurückweisung im Urteil aussprechen müssen. Klare Worte, die ein Ende der Causa "Columbidae" zur Folge hatten. Aktendeckel zu, die Kosten trägt der Kläger. Sie dürften freilich nicht allzu massiv ausfallen, da die Vorsitzende den Streitwert der Angelegenheit auf vergleichsweise niedrige 1000 Euro festsetzte.
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