Dr. Albert Schmid spricht zum Auftakt der Reihe „Zeit für Barmherzigkeit“
Integration als „urbiblische und urchristliche Aufgabe“

Dr. Albert Schmid sprach zum Auftakt der Reihe "Zeit für Barmherzigkeit" in St. Jakob. Bild: hfz
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Schwandorf
27.06.2016
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Zehn Jahre war Dr. Albert Schmid Präsident des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration (BAMF) in Nürnberg. Am Donnerstag sprach er beim der Auftakt zur Reihe "Zeit für Barmherzigkeit - sieben Abende zu Werken der Barmherzigkeit" in der Schwandorfer Jakobskirche. Pfarrer Hans Amann bezeichnete das Heilige Jahr der Barmherzigkeit "als besondere Gelegenheit, der Barmherzigkeit Gottes zu begegnen und selber Barmherzigkeit zu üben". Amann begrüßte Dr. Albert Schmid, den Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, als kompetenten Interpreten zum Werk "Fremde beherbergen".

Das Nachdenken über die Werke der Barmherzigkeit an sieben Abenden solle helfen, "das eigene Gewissen aufzuwecken und aufmerksam zu werden für die Nöte und Bedürfnisse der Menschen in unserer unmittelbaren Nähe und weltweit", sagte Amann. Am ersten Abend ging es um das Werk "Fremde beherbergen". Es sei eine, so Amann, "aktuelle und vordringliche Aufgabe, in und vor der wir stehen, und eine urbiblische und urchristliche dazu".

"Auch heute zu schaffen"


Dr. Schmid sagte, es sei eine christliche Maxime, Fremde aufzunehmen und ihnen zu helfen, heimisch zu werden. Er erinnerte daran, dass Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts jährlich bis zu 400 000 Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Kriegsflüchtlinge aus den Balkanstaaten bei uns eine neue Heimat gefunden hätten - also nahezu so viele Menschen, wie aktuell zu uns gekommen seien. "Christen sind Global Player", sagte Schmid. Als solche seien sie geradezu prädestiniert und verpflichtet, sich der Integration von Flüchtlingen anzunehmen. Was damals möglich gewesen sei, sei auch heute zu schaffen. Auch Handlungsimpulse für Katholiken und alle Christen nannte Dr. Schmid, begonnen mit der "mutigen Katechese" (Glaubensverkündigung) der Einen Welt, die das stark auf materielles fixierte Denken in unserer Gesellschaft überwinde und soziale Werte stärken solle. Der Widerstand gegen zentrale Lager für Flüchtlinge und Asylsuchende, "die dazu führen, dass sie weit weg von unserem Leben sind" und der gleichzeitige Einsatz für eine dezentrale Aufnahme aller gehöre ebenfalls zu den Aufgaben.

Praktische Hilfen


Schmid forderte ein dem Evangelium gemäßes Verhalten in Form praktizierter Caritas nach dem Wort "Seht, wie gut sie miteinander umgehen". Zum Zeugnis des Wortes müsse das Zeugnis des Lebens kommen. Wichtig sei auch eine Ästhetik der Gesten als sichtbarer Ausdruck einer herzlichen Willkommenskultur.

Nach Schmids Überzeugung sprechen Christen zu wenig davon, was sie trägt. Gerade das sei für den Umgang mit Menschen anderer Religionen sehr bedeutsam. Gerade auch viele hier angekommene Muslime wollen wissen, was den christlichen Glauben ausmacht. Sich an praktischen Hilfen für Flüchtlinge zu beteiligen, ist für Schmid ebenfalls eine Pflichtaufgabe. Sprachpaten, Begleitung von Behördengängen und Arztbesuchen, Hausaufgabenhilfe oder Sachspenden gehören dazu. Pfarrgemeinderäte sollten Integrationsteams bilden, die die neuen Mitbürger im Gebiet ihrer Pfarrei aufsuchen und ihnen Hilfe zur Integration anbieten.

Fortsetzung am 14. Juli


Mit einigen Momenten der Ruhe, dem Anzünden einer Kerze vor der Monstranz, Gebet und Gesang und dem Segen erste Abend der Reihe zu Ende. Jeder Teilnehmer erhielt am Ausgang noch eine Postkarte, auf der er an die Pfarrei zurückmelden kann, in welchem Engagement er sein Gesicht der Barmherzigkeit zeigt.

Der zweite Abend folgt am Donnerstag, 14. Juli, um 19.30 Uhr, zum Thema "Durstenden zu trinken geben". Zu Gast wird Maria Baumer aus Muschenried sein.
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