Dr. Heribert Fleischmann vom Bezirksklinikum Wöllershof spricht über Depressionen
Unmotiviert und Suizidgedanken

Dr. Heribert Fleischmann (rechts) sprach bei der PSAG zum Thema "Depression und Sucht". Vorsitzender Klaus Meierhöfer (links) will sich zurückziehen.
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Schwandorf
18.06.2016
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"Depressionen sind vielfältig", erklärte Dr. Heribert Fleischmann bei der Vollversammlung der "Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft" (PSAG) am Mittwoch im Sitzungssaal des Landratsamtes. Sie äußerten sich in "unerklärlichen Verstimmungen", unmotiviertem Weinen, Gefühlen der Wertlosigkeit und konkreten Suizidgedanken, so der Ärztliche Direktor am Bezirksklinikum Wöllershof.

Tabak zur Beruhigung


Ergänzt werde das Krankheitsbild durch Körperstörungen, Schmerzen, Herzdruck, Bauchweh, Kopfdruck und innere Unruhe. Warum sind psychisch kranke Menschen anfälliger für Sucht als gesunde? Der Mediziner weiß aus der Praxis: "Schlafstörungen werden nicht selten durch Alkohol bekämpft, Tabak dient der Beruhigung, Stimulanzien fördern den Antrieb, dämpfende Medikamente erleichtern die innere Unruhe." Das bedeute aber nicht, "dass es sich bereits um Sucht handeln muss". Andererseits führe ein chronischer Konsum von Alkohol zu depressionsähnlicher Symptomatik mit Unzufriedenheit mit sich selbst, zu Schlafstörungen, Unruhezuständen, Missstimmung und Antriebseinbußen. Wichtige Post bleibe liegen, Bankgeschäfte werden nicht erledigt.

Dr. Heribert Fleischmann spricht von "Doppeldiagnosen", wenn ein chronischer Gebrauch von Suchtmitteln in eine Abhängigkeit führe und eine Abhängigkeit in eine Depression münde. Die Folgen: Psychische Kranke werden häufig abgelehnt. Sie ziehen sich aus Scham zurück. Die gesellschaftliche Ablehnung trifft am härtesten Alkoholkranke und insbesondere Drogenabhängige.

Bundesweit haben nach den Erhebungen im Mikrozensus 17,2 Millionen Erwachsene (27,7 Prozent der 18- bis 74-Jährigen) eine psychische Erkrankung. Umgerechnet auf die Oberpfalz sind das 231 000, darunter 64 000 mit depressiven Störungen und 47 000 mit krankhaftem Alkohol- und Medikamentenkonsum.

Gute Prognose


Was ist zu tun? Dr. Heribert Fleischmann rät zur präventiven Arbeit, zur Verbesserung der Lebensbedingungen, Aufklärung über riskante Lebensstile und frühzeitigem Therapiebeginn. "Denn beide Krankheitsgruppen haben eine gute Prognose", so der Facharzt für Psychiatrie. Der "Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft" gehören Einzelpersonen und Verbände an, die im Landkreis ein Netzwerk zur Betreuung psychischer kranker Menschen bilden. Vorsitzender Klaus Meierhöfer ( Wernberg-Köblitz) kündigte seinen Rückzug bei den nächsten Neuwahlen an. Ebenso wie seine Stellvertretern Sibylle Ries.
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