Drei Fälle in Schwandorf
Skepsis gegenüber „Enkeln“

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
01.07.2016
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Der Anrufer ist jovial, schlägt einen freundlichen Ton an. Er gibt vor, ein Bekannter von der Tochter, ein Verwandter oder Enkel zu sein. Leider befindet er sich gerade in einer "finanziellen Notlage", was ihm natürlich peinlich ist. Mit dieser Masche haben Betrüger, wie berichtet, bei einer 73-Jährigen aus dem Schwandorfer Stadtteil Ettmannsdorf am 14. Juni um 20 000 Euro "abgezockt".

Die Gefahr erwischt zu werden, ist für die Kriminellen gering. Zu dem Fall der 73-Jährigen gingen laut Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums in Regensburg, keine Hinweise ein. Inzwischen ermittelt die Kripo Amberg in diesen und zwei weiteren Fällen in Schwandorf, um "einen möglichen Zusammenhang" herzustellen.

Bei einer 85-jährigen und einer 75-jährigen Schwandorferin scheiterten die Ganoven. Die 73-Jährige dagegen, so Brück, wurde am 14. Juni gegen 16 Uhr angerufen. Die ältere Dame war danach jeweils alleine in den Bankfilialen, um das Geld zusammen zu bekommen. So viel steht fest. Eine junge Frau kam, um die 20 000 Euro in Empfang zu nehmen. Es blieb nur ein flüchtiger Eindruck.

Erst als die Ettmannsdorferin Kontakt mit Angehörigen aufnahm, merkte sie, dass sie Betrügern aufgesessen war. "Das ist ganz gemein, weil die Hilfsbereitschaft auf üble Weise ausgenutzt wird", skizziert Brück das Perfide dieser Betrugsform. "Die Leute handeln in gutem Glauben." Manfred Platzer, Leiter des Kommissariats Erkennungsdienst bei der Polizeiinspektion Amberg, hält jede Anzeige für hilfreich. Es könnten sich viele Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen. Steige der Fahndungsdruck sei wieder eine Zeit lang Ruhe. Die Anrufe zurück zu verfolgen sei schwierig. Sie kämen oft aus dem Ausland und nur der Geldabholer sei vor Ort. Außerdem gäbe es viele Möglichkeiten, Nummer und Standort zu verschleiern. Doch auch bei diesem Kriminalfällen spielt den Ermittlern Kommissar Zufall oder Fahndungsglück in die Hände, wie vor kurzem in Regensburg. Eine 17-Jährige, die Geld abgriff, wurde erwischt, weil rechtzeitig die Polizei eingeschaltet wurde.

Das ist ganz gemein, weil die Hilfsbereitschaft auf üble Weise ausgenutzt wird.Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz


BetrugsmascheUnbekannte, die sich als Verwandte ausgeben, täuschen am Telefon Senioren eine Notlage vor. Fallen diese darauf herein, muss die Geldübergabe schnell gehen. Und hier sollten die Betroffenen laut Manfred Platzer, Leiter des Kommissariats Erkennungsdienst bei der Polizei in Amberg, misstrauisch werden. Sie sollten sich keinesfalls unter Zeitdruck setzen lassen. Bei reiflicher Überlegung durchschauten viele den Trick. Schon allein "Kann ich dich zurückrufen" reiche bisweilen aus, damit sich der Unbekannte nicht mehr melde.

Außerdem rät die Polizei, Angehörige oder Nachbarn ins Vertrauen zu ziehen, bevor Fremden Schmuck oder Geld übergeben werden, selbst wenn der Anrufer darauf dränge: "Das muss aber unter uns bleiben." Platzer ist noch etwas wichtig: Stets die Polizei einschalten. Er geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Eine weitere Form, hilfsbereiten Senioren das Geld aus der Tasche zu ziehen, sind Schockanrufe. Hier werden Unglücksfälle vorgetäuscht. Menschen "mit russischen Wurzeln" sind laut Albert Brück vom Polizeipräsidium häufig Opfer. In deren Heimat sei es oft nicht ungewöhnlich, dass beispielsweise Behörden oder Krankenhäuser Bargeld verlangen. (ihl)
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