Drogendeals mit Folgewirkung

Vermischtes
Schwandorf
28.06.2016
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Sie verhökerten innerhalb weniger Monate drei Kilo Crystal Speed und 30 Pfund Marihuana. Während die beiden Haupttäter nun lange Haftstrafen verbüßen, kommt es vor den Gerichten zu zahlreichen weiteren Prozessen gegen die Abnehmer.

Wenn der Lieferant aus Tschechien seine Fracht in Schwandorf abgeliefert hatte, brachen zwei Männer mit einem Leihwagen auf, um Kunden zu beliefern. Das geschah zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2015. Durch reinen Zufall kam ihnen die bis dahin von dem schwunghaften Handel in alle Teile der Oberpfalz nichtsahnende Polizei auf die Spur. Sie hielt in der Großen Kreisstadt einen Wagen an, fand 50 Gramm Crystal Speed im Kofferraum und nahm einen der Insassen fest. Der zweite flüchtete im Eilschritt. Wochen später ging auch er den Behörden ins Netz.

Bei den heuer im Januar vom Landgericht Amberg zu langen Haftstrafen verurteilten Männern, 32 und 29 Jahre alt, fanden Kriminalbeamte eine Schuldnerliste mit den Namen der von ihnen belieferten Kunden. Das führte bei der Staatsanwaltschaft zu einer Vielzahl weiterer Verfahren. Etliche von ihnen sind noch anhängig. In anderen Fällen gab es auch schon Urteile. So wie jetzt gegen eine junge Frau aus dem Kreis Schwandorf.

Für den Lebensgefährten


Die 27-Jährige saß vor der Amtsrichterin Petra Froschauer, weil sie in dem Verdacht stand, bei sieben Lieferungen jeweils fünf Gramm Crystal Speed gekauft zu haben. "Das stimmt so nicht", ließ die Angeklagte erkennen und schilderte, dass sie in ihrer Wohnung immer nur jeweils ein Gramm der gefährlichen Droge erhalten habe. "Nicht für mich, sondern für meinen damaligen Lebensgefährten." 50 Euro kostete das Gramm, für 15 Euro hatten es die Dealer von ihrem tschechischen Lieferanten erhalten.

Die beiden zu langen Haftstrafen verurteilten Männer aus dem Raum Schwandorf sind zwischenzeitlich zu Stammgästen bei den Verhandlungen gegen ihre Abnehmer geworden. Sie wurden auch zum Prozess gegen die 27-Jährige vorgeführt. Mit einem eher wachsweichen Ergebnis: Der damals bei den Kundenfahrten am Steuer sitzende 32-Jährige ließ erkennen, dass er selbst die Wohnungen der Kunden nie betreten habe. Sein Komplize konnte sich an wenig bis nichts erinnern. "Ihr Gedächtnis hat arg gelitten", schrieb ihm die Richterin ins Stammbuch.

Was sich letztlich beweisen ließ, waren drei abgewickelte Rauschgiftgeschäfte. Ob dabei jeweils ein Gramm Crystal Speed den Besitzer wechselte oder ob es die bei den Dealern üblichen Fünf-Gramm-Tütchen waren, blieb offen. "Für jeweils fünf Gramm hätten wir kein Geld gehabt", hatte die 27-Jährige während des Prozesses gesagt.

Weg von Drogen


Wie sich vor Gericht herausstellte, war die Angeklagte im Hinblick auf Drogen kein unbeschriebenes Blatt. "Ich bin aber schon seit langer Zeit von dem Zeug weg", unterstrich sie. Das bestätigte der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel, der keinen Anlass für eine Therapie der Frau sah. "Sie hat Crystal Speed in mehreren Fällen angekauft", sagte Staatsanwältin Daniela Spies in ihrem Plädoyer und verlangte deshalb eine Geldstrafe von 2400 Euro. Diesem Antrag schloss sich die Richterin an. "Ich hoffe, dass nun endlich Ruhe ist", kommentierte die 27-Jährige das Urteil. Weitere Prozesse in gleicher Sache gegen andere Beschuldigte stehen bevor.
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