"E-Mails" der Vergangenheit
Botengänge kein Zuckerschlecken

So treten Postboten nur noch im Theater auf, an die Tür klopfen sie kaum mehr. Archivbild: NT
Vermischtes
Schwandorf
21.04.2017
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Ende November 1675 wird der "Nordgauische Ordinari-Bote" Georg Türck bei Sandersdorf im Landkreis Kelheim in der Nähe eines Wirtshauses überfallen. Dabei werden ihm insgesamt 1200 Gulden an "landschaftlichen Geldern" geraubt. Ein hübsches Sümmchen. Der Dieb sei, so in einem Schreiben an den Landrichter in Burglengenfeld, mit dem Geld "durchgegangen".

Der Kerl habe sich als Krämer ausgegeben und gutes Deutsch gesprochen. Der bartlose Räuber wird auf 35 Jahre geschätzt und habe einen grauen Rock mit zinnernen Knöpfen getragen ("kleine Rösle darauf"), ein Paar lederne neue Hosen, silberfarbige Strümpfe, braune, gewichste Schuhe und einen schwarzen Hut mit großer Stulp. Ein entsprechender Steckbrief ging an rund 20 Städte der näheren und weiteren Umgebung, von Nürnberg bis Straubing und von Amberg bis Augsburg.

Bedeutung unverändert


Bis heute ist der Begriff "Postbote" für einen Briefträger oder Briefzusteller üblich. Der Begriff "Bote" hat mit "bieten" und "gebieten" zu tun, aber auch mit den Wörtern "bitten" und "beten". Bis heute kommt der Wortteil zudem in Substantiven wie etwa "Gebot", "Verbot", "Angebot" oder "Aufgebot" vor. Der Bote war ursprünglich jene Person, die im öffentlichen Auftrag unterwegs war und Befehle sowie Forderungen der Obrigkeit überbrachte. Hoheitsabzeichen wiesen auf seine offizielle Funktion hin. Sein Wirken stand unter besonderem Schutz. Für seine Tätigkeit war ein "Boteneid" zu leisten, der neben der unverzüglichen Übermittlung einer Nachricht auch ein Maß an Verschwiegenheit verlangte.

Boten waren bei Wind und Wetter unterwegs und lebten auch gefährlich. Sie waren nicht nur mit für einen außenstehenden wertlose Briefpost unterwegs, sondern oft auch mit beträchtlichen Geldsummen. Nicht umsonst wurde von ihnen neben einer gewissen Ausdauer zusätzlich eine kräftige Statur und Wehrhaftigkeit erwartet. Der erwähnte "Nordgauische Ordinari-Bote" hatte den Auftrag, die Kommunikation zwischen den oberpfälzischen Ämtern des Herzogtums Pfalz-Neuburg mit der Landeshauptstadt Neuburg an der Donau aufrecht zu erhalten. Seit 1654 war dorthin ein regelmäßiger Botendienst eingerichtet worden.

Umstrittene Botengänge


Die Pfalz-Neuburgischen Ämter Velburg, Hemau, Laaber, Burglengenfeld, Regenstauf, Schwandorf, Sulzbach, Floß hatten ihre Briefe mit Boten nach Laaber zu befördern, wo sie gesammelt wurden. Von dort brachte ein Bote die gemeinsame Post regelmäßig an einem bestimmten Tag in der Woche - nichts anderes bedeutet "Ordinari" (regelmäßig) - nach Neuburg. Dieser Botendienst in die relativ weit entfernte Landeshauptstadt war bei den Untertanen nicht unumstritten, mussten sie doch für den Transport aufkommen und einen entsprechenden "Botenlohn" entrichten. Burglengenfeld hatte dafür jährliche 10 Gulden zu entrichten, Schwandorf 12 ½.

Die Serie im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
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