Ehemalige Chefin Georgine Meier feiert in Amberg 90. Geburtstag
Ein Stück Lokal-Geschichte

Georgine Meier (sitzend), die ehemalige Chefin im Café Colibri in der Löllstraße, feierte ihren 90. Geburtstag im Wallmenich-Haus in Amberg. Zu den Gratulanten gehörten natürlich Sohn Dr. Josef Meier (hinten links) und Ambvergs zweiter Bürgermeister Martin Preuß. Bild: usc
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Schwandorf
09.08.2016
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Schwandorf/Amberg. Sie war in Schwandorf eine Institution, die Wirtin vom Colibri: Am Samstag feierte die Geschäftsfrau und Gastronomin Georgine Meier im Wallmenich-Haus in Amberg ihren 90. Geburtstag. Zweiter Bürgermeister Martin Preuß überreichte ihr im Beisein ihres Sohnes Dr. Josef Meier einen Krug mit dem Wappen der Stadt Amberg, über den sie sich sehr freute.

Zur Welt kam sie als Georgine Rester in Steinberg am See, wo sie auch ihre Jugendzeit verbrachte. In den ersten Nachkriegsjahren arbeitete sie in Schwandorf. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Josef Meier kennen. Am 2. Mai 1952 gaben sie sich das Ja-Wort. 1953 kam Josef zur Welt, der einzige Sohn des Ehepaars. Dr. Josef Meier lehrt an der Universität Augsburg und ist Inhaber des Instituts IBS-Mentaltraining in München. Zusammen mit Angela Miller konzipierte er die Methode StressReduziertes Lernen, SRL, das mittlerweile nicht nur in Schulen in mehreren Bundesländern, sondern auch in weiteren 16 Ländern Europas und in Südafrika vermittelt wird.

Schwere Nachkriegsjahre


Die ersten Ehejahre waren, wie häufig in dieser Nachkriegszeit, sehr beschwerlich. Josef Meier war bei Kriegsende, als 17-jähriger, aus der Gefangenschaft entlassen worden. In Schwandorf fand er nach dem Bombenangriff vom 17. April 1945 sein Elternhaus nur noch als Trümmerhaufen vor. Seine fünf Geschwister und seine Eltern waren in dem Haus in der Löllstraße 11 bei dem Bombenangriff ums Leben gekommen.

Eigener Handwerksbetrieb


Bereits 1953 gründeten die Eheleute ihren eigenen Betrieb, nachdem der Ehemann die Meisterprüfung als Spengler, Gas- und Wasser- Installateur abgelegt hatte. In den ersten Jahren arbeiteten die Eheleute nicht selten bis zwei Uhr nachts in der Werkstatt, um bereits um fünf Uhr wieder aufzustehen und weiterzumachen. Der Fleiß zahlte sich aus. Das Installationsgeschäft wurde in kurzer Zeit in Schwandorf bekannt. Die Eheleute bauten in der Löllstraße 13 einen Laden an, in dem sie Herde und Öfen sowie verschiedene Haushaltsartikel verkauften. Dieser Laden wurde bald zu klein, so dass 1960 der Neubau für einen zu damaliger Zeit großen Geschäftsraum im Haus Löllstraße 11 entstand. Dort befindet sich jetzt ein Restaurant. Als sich Ende der 60er Jahre abzeichnete, dass Sohn Josef das Geschäft nicht übernehmen und lieber studieren würde, baute der Geschäftsinhaber den Betrieb langsam ab.

1968 eröffnet


1968 entstand durch Umbau aus dem ehemaligen Verkaufsraum ein Cafe. 1969 übernahm Georgine Meier dieses Cafe und gab ihm den Namen Colibri. Es sollte für die kommende Generation der Jugendlichen zu einem Begriff in Schwandorf werden. Das Colibri entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Jugendlichen schlechthin. Georgine Meier hatte immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Probleme der jungen Leute und nahm sich immer Zeit für "ihre" Buben und Mädchen.

Legendärer Hausfasching


Höhepunkt war jedes Jahr der Hausfasching, bei dem das Lokal viel zu klein für die vielen Gäste war. Unvergessen auch die Hochzeiten, bei denen oftmals die ganze Meiserstraße bis zu dem damaligen Tonwarenfabrik-Gelände, dem heutigen Rewe-Center, mit schweren Motorrädern vollgeparkt war. Das Colibri hat in den 1970er und 1980er Jahren Schwandorfer Lokal-Geschichte geschrieben - in doppelter Hinsicht.

Seit 2013 in Amberg


Im September 2013 zog Georgine Meier mit ihrem Mann in das Amberger Seniorenheim Wallmenich-Haus. Ihr Ehemann verstarb im Dezember 2013. Zunächst war es für Meier natürlich nicht einfach, nun alleine in einer noch fast fremden Umgebung zu leben. Sie habe sich aber immer mehr an ihre jetzige Situation gewöhnt und neue Freunde gefunden. Jetzt fühlt sich dort nach eigenen Worten richtig wohl und daheim. Sie ist voll des Lobes, wenn sie von "ihrem" Heim erzählt. Die Schwestern und Pfleger kümmern sich aufopferungsvoll um sie. Sie könne sich keinen angenehmeren Aufenthaltsort für Senioren vorstellen. Ihren 90. Geburtstag feierte sie am Nachmittag zusammen mit ihren neuen Freunden im Cafe des Wallmenich-Hauses.
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