Ein Komplize erhält Bewährung, einer bleibt unerkannt - Neun Fälle im Landkreis Schwandorf
Zwei Fahrzeugdiebe müssen hinter Gitter

Die Justitia - in diesem Fall in der ostsächsischen Stadt Görlitz ohne Augenbinde - ist die römische Göttin der Gerechtigkeit. Zumeist trägt sie eine Augenbinde, in einer Hand hält sie eine Wage, in der andern ein Schwert - diese Symbole stehen für Unvoreingenommenheit, sorgfältige Abwägung der Fakten sowie eine strenge Durchsetzung des Urteils (Archivfoto vom 05.01.2005). Auf Grund von Polizeipannen und falschen Geständnissen, aber auch durch Nachlässigkeit oder mutwillige Unterschlagung von Fakten, kommt
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Schwandorf
22.09.2016
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Amberg/Schwandorf. Zwei aus der Diebesbande müssen für längere Zeit hinter Gitter. Der Dritte kam mit Bewährung davon und durfte heim nach Tschechien. Die Männer aus Böhmen hatten im Raum Schwandorf fünf Autos, drei Motorräder und - etwas aus der Reihe fallend - eine hochwertige Estrichmaschine gestohlen (wir berichteten).

Sie gaben sich redselig, waren in ihren Geständnissen auskunftsbereit und fügten den Erzählungen auch Anekdoten hinzu. Zum Beispiel: Während der Beutezüge, die vom tschechischen Vlasim aus in den Raum Schwandorf führten, wurden an einem der Tatorte Selfies mit dem Handy gemacht.

Die Männer - zwei von ihnen 29 Jahre alt, der dritte 30-jährig - litten unter Geldmangel. "Sie hatten auch Schulden", sagte Staatsanwalt Holger Vogl in seinem Plädoyer. In Deutschland waren sie zuvor nie strafrechtlich aufgefallen, wohl aber in ihrer Heimat. Einen aus dem Trio hatte man erst kurz vor Beginn der Diebstahlsserie aus einem tschechischen Gefängnis entlassen.

Software mit Haken


Fünf Personenwagen der Marke VW kamen im Dezember 2015 und heuer im Januar in Schwandorf, Krondorf, Wackersdorf und Schwarzenfeld abhanden. Sie waren teilweise schon viele Jahre alt. Warum stahlen die Leute aus Böhmen keine neuen Modelle? Auch darauf gab es in dem durch die abgelegten Geständnisse auf zwei Tage verkürzten Prozess eine Antwort. Sie lautete: Ein 29-jähriger Kfz-Mechaniker, der die führende Rolle spielte, besaß zwar die Diagnose-Software für Automobile der Firma VW. Doch diese auf einem Laptop gespeicherte und zum Starten der Pkw verwendete Software war nicht auf aktuellem Stand. Bei neueren Modellen hätte sie nicht reagiert. Sein Laptop hatte der 29-Jährige kurz vor der Festnahme an der Autobahn A 6 weggeworfen. Polizeibeamte fanden es später.

In seinem Schlussvortrag ging Staatsanwalt Vogl vom Verbrechenstatbestand des schweren und gewerbsmäßigen Bandendiebstahls aus. "Sie wollten sich Einnahmen verschaffen, um Schulden zu tilgen. Das schafften die Angeklagten auch", führte er der Ersten Strafkammer vor Augen. Für den 29-jährigen Kfz-Mechaniker beantragte Vogl viereinhalb Jahre Haft, für einen seiner Komplizen vier Jahre. Für den dritten Beschuldigten, der sich nur an einer der drei in den Raum Schwandorf führenden Diebestouren beteiligte, verlangte der Anklagevertreter zwei Jahre Gefängnis mit Bewährung.

Rechtsgespräch als Basis


Die Verteidiger Franz Schlama (Weiden), Andreas Lösche (Amberg) und Kristina Arnold (Hersbruck) signalisierten weitgehend Einvernehmen mit den Ausführungen des Staatsanwalts. Sie baten allerdings um mildere Ahndungen für ihre geständigen Mandanten. Dabei rückte ins Blickfeld: Zu Beginn der Verhandlung hatte es ein sogenanntes Rechtsgespräch gegeben. Dabei waren von seiten der Kammer bindende Strafrahmenzusicherungen für Geständnisse gemacht worden. Sie pendelten sich in etwa bei dem ein, was der Staatsanwalt beantragt hatte.

Die Strafkammer verurteilte den auf der Anklagebank sitzenden Kfz-Mechaniker zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug. Einer seiner Komplizen bekam drei Jahre und neun Monate, der dritte Autodieb erhielt zwei Jahre zur Bewährung. Er wurde danach aus der acht Monate dauernden U-Haft entlassen und konnte in die Tschechische Republik zurückkehren. Von einem vierten Bandenmitglied war zwar im Prozess die Rede. Seine Identität aber ließ sich nicht feststellen.
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