Ein Warnschuss in Todesangst

Vermischtes
Schwandorf
20.07.2016
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Der Täter rastete aus. Er würgte völlig unvermittelt einen am Boden liegenden Polizisten und gab erst dann Ruhe, als der junge Beamte in Todesangst einen Warnschuss abfeuerte. Die Frage lautet nun: Muss man den Verantwortlichen für diese Gewalttat dauerhaft in die Psychiatrie einweisen?

Amberg/Schwandorf. Es ist ein Prozess, der völlig aus dem Rahmen fällt. Die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg muss bei einem sogenannten Sicherungsverfahren darüber befinden, ob ein 27-Jähriger strafrechtlich für eine Tat verantwortlich gemacht werden kann, die sich am 25. November letzten Jahres in der Nähe des Schwandorfer Bahnhofs ereignete. Angeblich soll der junge Mann, der sich am ersten Verhandlungstag auf Anraten seines Verteidigers Helmut Mörtl (Regensburg) zunächst nicht äußern wollte, an einer paranoiden Halluzinationsstörung leiden. Deswegen befand er sich schon vor der Tat in nervenärztlicher Behandlung.

Flucht und Verfolgung


Gegen 8 Uhr an jenem Novembermorgen kam der in Schwandorf wohnende Mann zu einem Supermarkt auf dem Gelände der ehemaligen Tonwarenfabrik, steckte Kleingegenstände ein und wollte durch die Kasse. Das gelang ihm. Doch ein Bediensteter verfolgte den 27-Jährigen. Auf der Pesserlstraße wurde der Ladendieb eingeholt und bereits dort gab es ein erstes Gerangel. Unterdessen war eine Funkstreifenbesatzung alarmiert.

Als die beiden Beamten auf der Pesserlstraße eintrafen, erfuhren sie vom Verfolger des Ladendiebs: "Da drüben steht er. Der mit der schwarzen Kappe." Einer der Uniformierten stieg aus und wollte den Mann festnehmen. Was dann geschah, war abenteuerlich. Der Täter spurtete in Richtung Bahnhof, rannte dort in den Eingang der ihm von einem Kurs her vertrauten Eckert-Schulen und hastete hinauf in den ersten Stock. Der ihm gleichaltrige Polizist blieb ihm auf den Fersen, gab auch eine Ladung Pfefferspray ab.

Die Verfolgung führte durch mehrere Räume. Dann hatte der Beamte den Ladendieb gestellt. Doch er stieß auf massiven Widerstand. Der 27-Jährige wehrte sich, wollte nicht gefesselt werden, brachte den Polizisten zu Boden und griff ihn massiv an. "Ich hatte Todesangst", sagte der Uniformierte nun vor der Strafkammer. Der völlig außer sich geratene Täter packte ihn mit beiden Händen am Hals, drückte zu, hinterließ Würgemale. "Da habe ich zur Dienstwaffe gegriffen", schilderte das Opfer und ergänzte "Der abgefeuerte Warnschuss traf einen Heizkörper." Wasser lief aus und ergoss sich über den ganzen Raum.

Gutachter gefragt


Ein heilloses Durcheinander, das abrupt endete, als sich der 27-Jährige auf einen Stuhl setzte. In diesen Augenblicken trafen Kollegen des Polizisten ein. Sie schritten zur endgültigen Festnahme und beendeten damit einen hoch dramatischen Zwischenfall. Danach entschied ein Richter, dass der ansatzlos ausrastende Schwandorfer im Bezirkskrankenhaus unterzubringen sei. Ob er dort dauerhaft bleiben muss, soll nun die Kammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber entscheiden.

Im Gerichtssaal entschuldigte sich der Täter bei dem Polizeibeamten. Der allerdings nahm die Worte des Bedauerns nicht an. Im weiteren Verlauf des Sicherungsverfahrens wird es nun maßgeblich auf ein Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Thomas Lippert ankommen.
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