Ein "Wischer" mit Folgen
Geldstrafe nach Attacke auf den Schiedsrichter

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
18.03.2016
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Ist ein "Wischer" mit der flachen Hand über den Kopf eine Körperverletzung? "Ja", sagt Richterin Petra Froschauer. Die strafrechtliche Quittung dafür bewegt sich aber im unteren Bereich: 20 Tagessätze zu 50 Euro muss ein 42-Jähriger zahlen. Er hatte nach einem Fußballspiel den Schiedsrichter derart attackiert.

Nach zwei Verhandlungstagen und etlichen Zeugenaussagen stand für die Richterin am Ende fest, dass der 42 Jahre alte Angeklagte Christian F. (Name geändert) eben mit besagtem "Wischer" über den Kopf seinem Unmut über eine Schiedsrichterentscheidung auch körperlich Luft verschafft hat. Eine zweite derartige Attacke, die der Geschädigte geschildert hatte, sah die Richterin als nicht erwiesen an - ebenso wenig, wie einen Schlag gegen den schiedsrichterlichen Arm, der einen heftigen blauen Fleck nach sich gezogen hatte. Dieser blaue Fleck war allerdings auch nicht Gegenstand des Strafbefehls, gegen den Christian F. Einspruch eingelegt hatte - wohl aber zwei "Wischer".

Eine "Riesendummheit"


Richterin Froschauer sah in dieser Attacke eine üble und unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden des Schiedsrichters mehr als nur unerheblich beeinträchtigt hat. Das wäre qua Definition dann als Körperverletzung zu werten. Einen derartigen "Wischer" gegen den Schiedsrichter hatte der Angeklagte in seiner Vernehmung auch eingeräumt und in seinem letzten Wort von einer "Riesendummheit" gesprochen. Vor einer Verurteilung bewahrte ihn das nicht: 1000 Euro - 20 Tagessätze zu je 50 Euro - muss der 42-Jährige für seine Unbeherrschtheit zahlen. "Ich weiß nicht, welcher Teufel Sie damals geritten hat", fragte sich Richterin Froschauer und fuhr an den Angeklagten gewandt fort: "Das hätte nicht passieren dürfen - und wenn einer Polizeibeamter ist und eine Vorbildfunktion hat, dann erst recht nicht".

Mit ihrem Urteil blieb die Richterin unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Deren Vertreter Stefan Schneider hatte eine Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen á 50 Euro gefordert. "Fußball ist kein rechtsfreier Raum", unterstrich der Anklagevertreter. Gleichwohl räumte er ein, dass dieser Vorfall "eigentlich keine große Geschichte war". Ein Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, sei vom Angeklagten aber zu Beginn der Verhandlung abgelehnt worden. Als Richterin Froschauer diese Variante bei der Verhandlung gestern nun abermals ins Spiel brachte, stieß sie damit beim Staatsanwalt auf taube Ohren: Dieses Angebot sei von ihm anfangs im Raum gestanden und nicht angenommen worden. "Jetzt gibt es kein Rumgeeiere mehr", unterstrich Schneider, dass dieses Verfahren nun mit einem Urteil zu Ende gehen muss.

Tatbestand nicht erfüllt


Verteidiger Peter Grau hatte in seinem Plädoyer den Tatbestand der Körperverletzung durch den "Wischer" keineswegs erfüllt gesehen. "Eine Backpfeife oder Ohrfeigen sind eine Körperverletzung, ein ,Wischer' über den Hinterkopf ist das nicht, weil die Schwelle zur Körperverletzung dadurch nicht überschritten wird", argumentierte er. Deshalb seine Forderung: Freispruch.
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