Eltern der Freundin bestohlen

Vermischtes
Schwandorf
02.02.2016
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Plötzlich waren 1800 Euro aus einem Sparschwein weg. Das ließ den Hausbesitzer nicht ruhen. Er installierte eine Überwachungskamera und kam dem Dieb auf die Spur, als er abermals erschien und Bares holte. Es handelte sich um einen Freund der Familie.

Schwandorf/Nabburg. Der Mann war wohlgelitten und offenbar auch gern gesehen bei den Eltern seiner Partnerin. Also bekam er eines Tages, was eigentlich nur ein ganz kleiner familiärer Kreis erhält. Im Regelfall sind es die Hausschlüssel. Die gab es zwar nicht. Wohl aber einen sogenannten Zugangscode zum Anwesen. Die Kombination konnte Türen öffnen, gleich dem berühmten "Sesam öffne dich".

Danach vollzog sich Merkwürdiges in dem Anwesen, das in einem Ort bei Nabburg steht. Plötzlich fehlten 1800 Euro aus einem Sparschwein. Es könnte aber auch durchaus noch mehr gewesen sein, schilderte nun der Hauseigentümer vor dem Schwandorfer Amtsgericht. Der Verlust ließ ihn nicht ruhen. Also kam es zur versteckt installierten Kamera. Und siehe da: Nicht lange darauf kam der Dieb wieder, ging zielstrebig auf eine offenbar immer am gleichen Ort abgelegte Börse zu, nahm 150 Euro aus dem Portemonnaie und trat den Rückzug an. Die Kamera hatte diesen Beutezug aufgezeichnet.

Ein Bewährungsversager


Ab dann wusste man genau, was vorher schon zu vermuten stand: Es handelte sich um den Freund der Tochter. Er kannte den Zugangscode und "nutzte dieses Vertrauen", wie Staatsanwalt Oliver Wagner nun im Prozess brandmarkte, "wirklich schamlos los." Vor der Richterin Petra Froschauer ergab sich jetzt auch, dass der 32-Jährige vor diesen Diebstählen von der Justiz schon sieben Vorstrafen kassiert hatte und zum Zeitpunkt seiner unerwünschten Besuche in dem Haus unter Bewährung stand.

Seine Freundin habe davon gewusst, führte der Mann ins Feld und ließ sinngemäß wissen, sie habe ihn quasi dazu animiert, das Bargeld zu holen. Doch dagegen sprach einiges. Zum Beispiel, dass die Frau von ihren Eltern auf großzügige Weise unterstützt und mit nicht unerheblichen Beträgen beschenkt wurde. Kam hinzu, dass sie nach den offenkundig gewordenen Diebstählen bei einem Bekannten vorsprach und ihn bat, ihr dabei zu helfen, den 32-Jährigen aus der gemeinsamen Wohnung zu entfernen. Als er mitging, packte der gebürtige Amberger sofort seine Sachen und zog kommentarlos seiner Wege.

Diesmal kam es dick für den Angeklagten. 15 Monate ohne Bewährung forderte Staatsanwalt Wagner und kündigte gleich noch an, er werde nunmehr ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung zum Nachteil seiner Ex-Freundin gegen den seiner Meinung nach überführten Dieb einleiten. "Sie hat ihn dazu nicht angestiftet", zeigte sich Wagner überzeugt. Verteidiger Michael Schüll (Amberg) hatte nach diesen Ausführungen einen schweren Stand. Unter den sieben Vorahndungen gebe es keine einschlägige wegen Diebstahls, unterstrich er und leitete daraus ab, die Richterin könne es durchaus bei einer Geldstrafe bewenden lassen.

"Nein", befand Petra Froschauer, "damit kann es für einen Bewährungsversager nicht abgehen". Sie verhängte die vom Anklagevertreter beantragten 15 Monate und schickte damit den 32-Jährigen für längere Zeit hinter Gitter. "Sie stellen sich ganz bewusst gegen die Rechtsordnung", wurde der überführte Dieb gerüffelt. Er hörte außerdem: "Hier wurde Vertrauen auf üble Weise missbraucht."
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