Equal Pay Day
Lohnschere noch weit geöffnet

Dorothea Seitz-Dobler, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schwandorf (links), und Helga Forster, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schwandorf, verweisen auf den beachtlichen Lohnunterschied von Frauen und Männern. Die roten Taschen stehen symbolisch für die "roten Zahlen" in den Geldbörsen der Frauen. Bild: hfz
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Schwandorf
18.03.2016
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Am 19. März ist nicht nur der Josefi-Tag. Der Samstag dient auch dem Hinweis auf eine Ungerechtigkeit - nämlich die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für die gleiche Arbeit. Das muss anders werden, fordert ein Bündnis im Landkreis Schwandorf. Das Stichwort lautet: Equal Pay Day.

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen, der in Deutschland derzeit bei 21,6 Prozent liegt. Das bedeutet, dass Frauen nach Ablauf des Jahres zusätzlich bis zum 19. März arbeiten müssen, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu verdienen. Damit bildet Deutschland eines der Schlusslichter in der EU, wo der durchschnittliche Entgeltunterschied "nur" 17 Prozent beträgt.

Diesen beachtlichen Lohnunterschied nehmen die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schwandorf, Dorothea Seitz-Dobler und die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Helga Forster, zum Anlass, auf den Equal Pay Day hinzuweisen.

Bei dem diesjährigen Equal-Pay-Day-Schwerpunktthema "Berufe mit Zukunft! Was ist meine Arbeit wert?", geht es um die Aufwertung zukunftsorientierter Berufe wie Erziehung und Pflege, die im Vergleich schlecht bezahlt sind. Daher müsse eine steigende Wertschätzung gegenüber diesen Berufen monetär, gesellschaftlich und qualitativ erreicht werden.

In Sachen Entgeltungleichheit sind es im Wesentlichen folgende Punkte, die sich in vielen Studien als besonders prägend herausstellen. Dorothea Seitz-Dobler verweist darauf, dass Frauen häufiger in Branchen arbeiten, in denen das Entgeltniveau niedriger ist und dass Frauen in bestimmten Berufen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter fehlen. Außerdem unterbrechen oder reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger familienbedingt als Männer. Helga Forster benennt als wesentlichen Grund der Entgeltungleichheit, dass bestehende Rollenbilder die Aufgabenverteilung und das Berufswahlverhalten beeinflussen. Die Überwindung der traditionell schlechteren Bewertung und der prekären Ausgestaltung von Tätigkeiten und Berufen, die als Frauenberufe gelten oder die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, konnte bislang nicht nachhaltig gelingen. "Auch dass viele Frauen in sog. Minijobs arbeiten, verschärft die Problematik", betont die Gleichstellungsbeauftragte. Minijobbeschäftigte erwerben keine oder nur sehr geringe eigenständige Ansprüche in der Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung und haben somit keine ausreichend eigenständige Altersversorgung. "Altersarmut ist weiblich", fasst Forster zusammen.

Schieder: für LohngerechtigkeitsgesetzAuch Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder äußerte sich zum Equal Pay Day: "Leider müssen wir auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen auch dieses Jahr wieder mit dem Equal Pay Day hinweisen. In Zukunft möchte ich diesen Tag aber gerne aus meinem Kalender streichen. Das Schließen der Lohnlücke ist eine Frage der Gerechtigkeit."

Seit über 50 Jahren gilt das Gebot der Entgeltgleichheit für Frauen und Männer. Doch die Praxis sieht immer noch anders aus: Zwar ist die Lohnlücke nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2014 auf 2015 leicht von 22 auf 21 Prozent gesunken.

Einer der Gründe dafür könnte in der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns liegen, von dem überwiegend Frauen im Niedriglohnbereich profitieren, vermutet die Abgeordnete.

Dennoch müssen Frauen nach wie vor zweieinhalb Monate mehr arbeiten, um auf das durchschnittliche Jahresentgelt von Männern zu kommen.

"Ohne gesetzliche Maßnahmen wird sich daran leider nichts ändern", ist sich Marianne Schieder sicher. "Ich unterstütze deshalb die Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig in ihrem Vorhaben für das Lohngerechtigkeitsgesetz."

Darin geht es um transparente und nachvollziehbare Entgeltstrukturen, betriebliche Verfahren zur Überprüfung von Entgeltgleichheit und eine Berichtspflicht für große Unternehmen über Frauenförderung und Entgeltgleichheit.
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