Erinnerungen an die Dortmunder Fußball-Legende Alfred „Aki“ Schmidt
Als der Aki lautstark wurde

So war Aki Schmidt, wenn es um Fußball ging: Impulsiv, lautstark, unnachgiebig. Bild: Hasse/Repro: ch
Vermischtes
Schwandorf
14.11.2016
43
0

Von Wolfgang Houschka

Schwandorf/Dortmund. Der Mann war die Freundlichkeit selbst. Doch das änderte sich sehr schnell, wenn es um Fußball ging. Dann duldete Alfred Schmidt, den sie Aki nannten, keinerlei Diskussionen. So verbinden sich im Landkreis Schwandorf viele Erinnerungen an ihn, der vor wenigen Tagen im Alter von 81 Jahren in Dortmund starb.

Aki Schmidt war bereits eine Sportlegende, als er damals in den 1970-er Jahren zum Interview vor uns saß. Das Leben und die Liebe hatten ihn, den 25-fachen Nationalspieler und Ex-Spielführer von Borussia Dortmund, nach Burglengenfeld gebracht. In einem Wirtshaus am Marktplatz trafen wir ihn und stellten rasch fest: Da war einer, der die Herausforderung, vom Ruhrpott in die Oberpfalz zu wechseln, annahm.

Der ehemalige Fußballstar, von dem in ganz Europa mit hohem Respekt gesprochen wurde, bekam eine Sportlehrerstelle in Regenstauf. Bald schon bemühten sich Vereine um ihn. Aki Schmidt nahm Trainerposten an: Beim SSV Jahn Regensburg, beim ASV Burglengenfeld, beim FC Amberg und bei der SpVgg Weiden. Als Coach arbeitete er auch beim 1. FC Schwandorf, der damals noch ein paar Ligen weiter oben als heute angesiedelt war.

Als Kicker aktiv


Der Mann aus Dortmund wurde aber auch - und das wissen heute nur noch wenige - spielerisch im Landkreis Schwandorf aktiv. Der damalige Landkreissportbeauftragte Fritz Haag, vor wenigen Jahren verstorben, überredete ihn dazu, gelegentlich mit einer Prominentenmannschaft aufs Spielfeld zu laufen. Der damalige Landrat Hans Schuierer und der Nabburger Abgeordnete Otto Zeitler streiften sich in diesem Team ebenso das Trikot über wie die Kreisräte Franz Sichler und Jakob Scharf. In der Altherren-Elf standen aber auch der namhafte Schwandorfer Fußballer Willi Meier sowie die Journalisten Karl Beer, Josef Stephan, Rudi Hirsch und Wolfgang Houschka.

Ehrgeiz auf dem Platz


Die Gedanken gehen zurück an einen Auftritt in Pfreimd. Die Prominentenelf dachte an einen eher gemütlichen Kick gegen ein ebenso bunt zusammengewürfeltes Team wie sie. Doch die Männer hatten nicht mit Aki Schmidt gerechnet. Der Ex-Nationalspieler eilte mit ungebrochener Kraft übers Feld und begann damit, seine Mannschaftskameraden zu dirigieren. Impulsiv, lautstark, unnachgiebig. Bis ihm der Steinberger Bürgermeister Jakob Scharf irgendwann die Meinung geigte und Aki Schmidt aufforderte, sich zu mäßigen. In Pfreimd stand damals ein Festzelt. Nach der Partie setzte man sich dort zusammen und auch Schmidt bekam seine Maß Bier. Als er den Krug hob, kam es zu einer Entschuldigung. Sie lautete sinngemäß: "Ich bin nun mal so und kann auf dem Platz nicht anders." Womit die Eintracht wieder hergestellt war. Ein Kumpeltyp, dem man wegen seiner konvulsivischen Ausbrüche nicht allzu lange zürnen konnte. Ähnliche Einlagen erlebten alle, die Aki Schmidt als Trainer beobachteten. Er trug sein Herz auf der Zunge, gab lautstark Anweisungen, legte sich bisweilen auch mit Schiedsrichtern oder Vereinsbossen an. Er wollte Erfolg auf Biegen und Brechen - ganz egal, ob in der Rolle des Coachs oder als mit seinerzeit über 50 Lebensjahren auflaufender Spieler.

Später, als Aki Schmidt längst nach Dortmund zurückgekehrt war, besuchten ihn bisweilen alte Freunde und Mitstreiter aus der Oberpfalz. Er empfing sie in der VIP-Lounge des BVB, trank mit ihnen ein Pils, erzählte von seiner Arbeit als Fanclubbetreuer der Borussia. Dabei unterbrach er einmal das Gespräch sehr abrupt. Die Dortmunder spielten gegen Real Madrid, kassierten kurz vor Schluss den Ausgleich zum 1:1. Aki erhob sich vom Tresen, strebte zum Eingangsportal und wies die Security-Leute angesichts zweier Buben, die neugierig durchs Türglas blickten, an: "Lasst die Jungs rein." Auf der Heimfahrt nach Schwandorf fiel der Satz: "Das wäre beim FC Bayern München wohl nicht passiert."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.