Erster Fall von Hirnhautentzündung
Zeckengefahr im hohen Gras

Nach einem Spaziergang sollten Hund und Herrchen gründlich "untersucht" werden, denn Zecken sind ein gefährliches Mitbringsel. Bilder: dpa (2)
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Schwandorf
21.04.2017
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Eine Zecke krabbelt auf einem Blatt, die kleinen Blutsauger übertragen Hirnhautentzündungen und Borreliose.

Die Fieslinge tauchen mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Frühjahr auf, bleiben bis zum Herbst und lauern im Gras auf ihre Opfer. Der Landkreis gilt schon seit Jahren als Zecken-Hochrisikogebiet. Ein neuer Fall von Hirnhautentzündung untermauert diese Einschätzung. Dagegen hilft vor allem eines: impfen.

, Das Schwandorfer Gesundheitsamt meldete nach eigenen Angaben in den Jahren 2015 und 2016 jeweils sechs FSME-Fälle an das Robert-Koch-Institut in Berlin. Auch heuer wurde schon ein Fall registriert, teilte die Behörde auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Die Blutsauger übertragen die gefährliche Hirnhautentzündung (FSME). Erst vor wenigen Tagen wurden weitere Landkreise in Bayern als Hochrisikogebiet eingestuft, Schwandorf zählt schon lange dazu.

Vor FSME schützt eine Impfung. Diese hilft aber leider nicht gegen die zweite gefährliche Krankheit, die das - auch Holzbock genannte - Insekt überträgt: die Borreliose. Die Bakterieninfektion lässt sich mit Antibiotikum behandeln. 66 Fälle sind im Landkreis 2015 aufgetreten, 2016 waren es 95 und heuer sind es bereits sechs. Wo sich die an FSME- oder Borreliose-Erkrankten einen Zecken eingefangen haben, lässt sich nach Angaben von Mario Pichlmeier vom Gesundheitsamt nur schwer nachvollziehen. "Viele Erkrankte wissen gar nicht, dass sie einen Zecken gehabt haben." Für Meldungen gilt das Wohnortprinzip.

Auch über Alter und Geschlecht macht das Gesundheitsamt keine Angaben, mit der Begründung, dass die Fallzahlen zu gering seien, um verwertbare Aussagen zu treffen. Eines haben die Bediensteten aber festgestellt, ist das Thema "Zecken" wieder in der Öffentlichkeit, wird die Bevölkerung sensibler. Die Leute achteten genauer darauf, dass sie bei einem Aufenthalt im Freien nicht mit Zecken heimkommen oder gehen bei grippeähnlichen Symptomen schneller zum Arzt. Dieser entfernt die hinterhältigen Blutsauger auch fachgerecht. Bildet sich danach an der Stelle eine Rötung ist ebenfalls ein Arzt einzuschalten. "Es muss nicht immer gleich FSME oder Borreliose sein", beruhigt das Gesundheitsamt. "Es gibt auch andere Hautirritationen."

Dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, ist eine Mär. Vielmehr lauern die kleinen Tiere im hohen Gras oder auf feuchtem Laub. Zeckengefahr besteht demnach auch im Garten, im Park oder auf dem Spielplatz. Sie klettern auf Menschen oder Tiere, suchen nach dünnen Hautstellen - wie etwa Kniekehlen oder Achselregionen - und stechen dann zu. Bleiben sie unbemerkt, fallen sie von selbst wieder ab, nachdem sie sich gehörig mit Blut vollgesaugt haben. Zu entfernen sind die Insekten am besten mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange. Die Stichstelle sollte auf jeden Fall desinfiziert werden.

FSME-ImpfungEmpfohlene Maßnahmen wie das Tragen langer Kleidung und Benutzen von Insektenabwehrmitteln mindern zwar das Risiko einer FSME-Infektion, den einzig zuverlässigen Schutz bietet jedoch eine Impfung. Es werden laut Bayerischem Gesundheitsministerium abgeschwächte Krankheitserreger in den Muskel gespritzt, die dann im Organismus Antikörper bilden.

Ein vollständiger und für die Dauer von drei bis fünf Jahren anhaltender Schutz ist erst nach drei Impfungen gegeben. Nach einer Erstimpfung erfolgt zwei bis zwölf Wochen später eine Zweitimpfung. Die dritte Impfung sollte neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung verabreicht werden. Um den Impfschutz aufrecht zu erhalten, muss alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischung erfolgen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Personen, die in Risikogebieten leben. Nach Angaben des Schwandorfer Gesundheitsamtes sind etwa zwei Drittel der Schulanfänger im Landkreis geimpft. Von dieser Rate könne aber keinesfalls auf den Impfschutz der Landkreisbevölkerung geschlossen werden. Weitere Zahlen lägen nicht vor. (ihl)
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