Falscher Polizist im Zug rabiat
Tritte bei der Kontrolle

Vermischtes
Schwandorf
27.12.2015
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Amberg/Schwandorf. Die Reise der beiden führte quer durch die Oberpfalz. Sie verlief mit einiger Aufregung für die Behörden und endete jetzt für einen davon vor dem Amberger Jugendrichter. Danach stand fest: Der 18-Jährige durfte noch vor Weihnachten heim in seine ungarische Heimat.

Sie kamen am 14. November. In einem Zug, der wohl in Ungarn gestartet war und über Prag die Bundesrepublik erreichte, hatten es sich ein 18-Jähriger und sein vier Jahre jüngerer Freund bequem gemacht. Fahrkarten besaßen sie nicht. Doch dann wurde kontrolliert. Mit der Folge, dass die beiden Burschen in Schwandorf aussteigen und mit zur Bundespolizeiunterkunft mussten. Dort wurden beide erkennungsdienstlich behandelt, durften danach ihrer Wege ziehen.

Beim Abgang griff der 14-Jährige unbemerkt zu: Er klaute eine Warnweste mit der Aufschrift "Polizei" und nahm sie mit. Das Intermezzo war damit keineswegs beendet. Von Schwandorf aus machten sich die jungen Männer wenige Stunden später auf den Weg in Richtung Franken. Wieder per Zug, erneut ohne Ticket. In Sulzbach-Rosenberg stiegen sie - bis dahin unkontrolliert - aus dem Waggon. Nicht lange danach sahen sie sich auf dem Bahnhofsgelände nach Brauchbarem um, gelangten in einen Aufenthaltstraum der Deutschen Bahn. Von dort fehlte später ein TV-Gerät nebst Receiver. Auch Gardinen kamen auf die Beuteliste.

Böse Überraschung


Die Story ging weiter. Abermals stiegen die Ungarn in einen Zug, der sie Richtung Weiden brachte. In Altenstadt (Kreis Neustadt/WN) fielen beide einem Kontrolleur auf. Der Mann fragte nach den Fahrkarten und erlebte eine böse Überraschung: Der 14-Jährige hatte sich, weil frierend, mit der in Sulzbach-Rosenberg erbeuteten Gardine zugedeckt, sprang plötzlich auf und präsentierte sich dem DB-Mann in der Polizeiweste.

Danach kam es zu turbulenten Szenen im Abteil. Der falsche Polizist und sein Freund wurden aggressiv, sie traten nach dem Kontrolleur, mochten sich nicht beruhigen, rasteten aus. Doch eine Fluchtmöglichkeit hatten sie nicht. So kam es dann, dass in Weiden bereits Bundespolizisten warteten und die Diebe mit zur Wache nahmen. Dort fand die Reise ihr vorläufiges Ende. Der 18-Jährige kam in U-Haft, sein Freund wurde in ein Jugendheim gebracht. Prompt türmte er, tauchte später noch einmal in Hamburg auf und nutzte in der Hansestadt die nächstbeste Gelegenheit abermals zur Flucht. Seither gilt der 14-Jährige als verschollen.

Rasch reagiert


Die Justiz in Amberg reagierte rasch. Fünf Wochen nach den turbulenten Ereignissen wurde der 18-Jährige vor Jugendrichter Peter Jung geholt. Auf Anraten seines Verteidigers Jörg Jendricke legte er ein umfassendes Geständnis ab und bekam vier Wochen Arrest. Diese Zeit war mit der U-Haft abgegolten, er konnte gehen. Geladene Zeugen blieben unvernommen. Auch der attackierte Kontrolleur brauchte seine Erlebnisse nicht mehr zu schildern. Draußen auf dem Gang sagte er: "Die haben uns ganz schön zu schaffen gemacht."
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