Fischotter macht Teichwirten zu schaffen
Putzig und bald eine Katastrophe

Der Fischotter lässt Teichwirte verzweifeln: Er hat keine natürlichen Feinde und breitet sich ungehindert aus. Bejagen darf man den Räuber nicht. Archiv-Bild: hfz
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Schwandorf
19.02.2016
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Die Oberpfälzer Teichwirte sind am Verzweifeln. Zu Biber und Kormoran gesellt sich jetzt auch noch der Fischotter. "Das wird in den nächsten Jahren eine Katastrophe werden", befürchtet Dr. Thomas Ring, Fachberater für Fischerei im Bezirk Oberpfalz. Denn der Fischotter habe keine natürlichen Feinde, stehe unter Schutz und könne sich ungehindert ausbreiten.

Max Wild aus Vilseck machte beim Treffen der Oberpfälzer Teichwirte am Mittwoch im Tierzuchtzentrum seinem Ärger Luft: "Wenn es so weiter geht, wird es bei uns bald keine Fischerei mehr geben." Franz List, Fachberater der Erzeugerringe am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hat Verständnis für den Unmut der Züchter und weiß: "Hilflosigkeit macht aggressiv." Der Fischotter fresse sich nicht nur satt, sondern töte auch noch die Tiere wahllos.

Bejagung ein "No-Go"


Dr. Thomas Ring zitierte den Bezirkstagspräsidenten und Chamer Landrat Franz Löffler, der sagt: "Das Fangen oder Töten der Fischotter muss öffentlich diskutiert werden." Doch mit dieser Auffassung steht er ziemlich allein. In Bayern sei die Bejagung des Marders ein "absolutes No-Go", betonte Dr. Thomas Ring. Das Jagdrecht werde erst erteilt, "wenn sich die Population stabilisiert hat und in einem guten Erhaltungszustand befindet". So wie beim Biber und dem Kormoran. Beim Fischotter werde dies noch einige Jahre dauern, befürchtet der Fachberater. Bis dahin könne sich der Fischotter ungehindert verbreiten und die Teichwirte schädigen.

Am 1. April will die Regierung der Oberpfalz einen Fischotterberater anstellen. Dr. Thomas Ring empfiehlt den Züchtern, sich mit diesem Berater in Verbindung zu setzen. "Damit aus einem Schadensfall ein amtlicher Vorgang wird", so der Bezirksvertreter. Wenn ein Politiker nachfrage, dann gebe es zumindest eine Akte, auch wenn für Dr. Ring die Beratungsstelle nur "ein Tropfen auf den heißen Stein ist".

Immer weniger Fischteiche


Ringberater Alexander Schiener beobachtet die ersten Auswirkungen: "Die Zahl der bewirtschafteten Teiche geht zurück". Es werde immer schwerer, Fischweiher zu verpachten. Denn: "Biber, Kormoran und Mink machen es schwer, die Fischzucht wirtschaftlich zu betreiben". Zu den finanziellen Schäden komme ein hoher Zeit- und Arbeitsaufwand. Dr. Martin Oberle vom Institut für Fischerei stellte fest: "Wir haben immer noch eine Teichlandschaft wie im Mittelalter." Er würde sich zur "Belüftung und Umwälzung der Gewässer" mehr Technik an den Weihern wünschen.

Fördergelder in Aussicht


Stephanie Wischert von der im Juli 2015 gegründeten "Fischereilichen Lokalen Aktionsgruppe" (FLAG) ermunterte die Teichwirte, Projekte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu erarbeiten, die bis zu 80 Prozent aus dem "Europäischen Meeres- und Fischereifonds" gefördert würden. Für die Region stehen insgesamt 650 000 Euro zur Verfügung.
Der Fischotter frisst sich nicht nur satt, sondern tötet die Tiere auch noch wahllos.Fachberater Franz List
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