Flüchtlinge sprengen Planung

"Das ist ein kompliziertes System für Erstattungen, mit riesigem Aufwand." Zitat: Regina Hildwein, Leiterin des Kreisjugendamtes
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Schwandorf
27.06.2016
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Von wegen 600 000 Euro: Die Ausgaben, die für junge, unbegleitete Flüchtlinge nötig werden, waren viel zu niedrig angesetzt. Die Summe wird mehr als doppelt so groß, zeigte sich zwischenzeitlich. Natürlich soll das meiste davon rückerstattet werden. Doch es gibt ein großes "Aber".

Und das formulierte Regina Hildwein, die Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Schwandorf. Sie informierte gestern die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses, dass der Haushaltsansatz 2016 von 600 000 Euro für die Betreuung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge von der Realität überholt wird.

Hildwein sprach in diesem Zusammenhang von einer voraussehbaren Überschreitung der Planungen um 1,4 Millionen Euro in diesem Jahr, wobei der Löwenanteil von 1,3 Millionen auf die jungen Flüchtlinge entfällt. Dieses Geld sollte der Landkreis eigentlich von anderer Seite wieder erstattet bekommen. Aber das System der Erstattungen ist kompliziert und erfordert riesigen bürokratischen Aufwand, bedauerte Hildwein. Die Konsequenz formulierte Landrat Thomas Ebeling: "Wir werden wohl nicht die ganze Summe erhalten." Laut Ebeling werden voraussichtlich 100 000 Euro am Landkreis hängen bleiben.

Tendenz steigend


Den Jahresbericht und den Geschäftsbericht des Kreisjugendamtes hatten vorab Claudia Hösamer und Stefan Kuhn vorgestellt. Sie fassten fast 200 Seiten an schriftlichen Darlegungen zusammen, die den Räten vorgelegt wurden. Dabei war unter dem Stichwort "Amtsvormundschaften" von einer Zunahme der Fälle wegen der Zuweisung der unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge im Landkreis die Rede. Die Zahl der Vormundschaften ist zwischenzeitlich auf 72 angestiegen.

Natürlich hat das Amt nicht nur mit jungen Ausländern zu tun. Auch das deutsche Klientel wird intensiv betreut. Dass das nicht billig ist, zeigt sich Jahr für Jahr, Tendenz steigend. Gut fünf Millionen Euro sind in den letzten fünf Monaten in die Jugendhilfe geflossen, fast 13 Millionen Euro sollen es bis zum Ende des Jahres werden.

"Wir stecken auch viel Geld in Vorsorge, rentiert sich das überhaupt?", wollte Kreisrätin Ulrike Roidl (SPD) wissen. "Über viele Jahre haben wir den Bedarf an Heimunterbringungen konstant halten können", zeigte sich Claudia Hösamer von der Sinnhaftigkeit der Präventionsmaßnahmen überzeugt. "Auf Null werden wir sie aber nicht bringen können."

"Geht es wieder los?"


Roidl wollte auch eine Prognose hören, wie sich die Flüchtlinge auf die Zahlen des Jugendamtes auswirken werden. "Hier ist es schwer, eine Einschätzung abzugeben", versicherte Hösamer, "aber grundsätzlich ist es so, dass auch Flüchtlinge Anspruch auf einen Platz in Krippe oder Kindergarten haben." Allerdings wisse man nicht, wie viele der anerkannten Flüchtlinge überhaupt im Landkreis bleiben werden und wie viele weg ziehen, Richtung Metropolen. Auch Landrat Ebeling konnte keine Prognose liefern. "Haben wir momentan nur eine Verschnaufpause", fragte er mit Blick auf die zurück gehenden Flüchtlingszahlen, "oder geht es auf neuen Routen wieder los?"

Das ist ein kompliziertes System für Erstattungen, mit riesigem Aufwand.Regina Hildwein, Leiterin des Kreisjugendamtes
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