Fünfeinhalb Jahre Haft für 44-jährigen Heroindealer aus dem Landkreis - Geständnis abgelegt - ...
Fünfeinhalb Jahre Haft für 44-jährigen Heroindealer

Vermischtes
Schwandorf
21.01.2016
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Amberg/Schwandorf. Wenn Viktor aus Osnabrück zu "Max" in die Oberpfalz fuhr, brachte er Heroin mit. Den Empfänger, schwer rauschgiftabhängig, forderte man per SMS auf, "die Kopeken herzurichten". Der 44-Jährige löhnte allerdings nicht in russischer Währung, sondern zahlte seine Schulden in Euroscheinen.

Der Hauptkommissar (56), führender Ermittler bei einer aus Kripo- und Zollbeamten bestehenden Fahndungseinheit, war frühmorgens in seiner niedersächsischen Heimat zu einer 535 Kilometer langen Zugfahrt aufgebrochen, um nachmittags vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts auszusagen. Dort berichtete er dann von einer international operierenden Drogenhändlervereinigung, die von Osnabrück aus Geschäfte machte und Rauschgifttransporte organisierte. Dabei ging es vornehmlich um Heroin in größeren Mengen. Die Behörden bekamen Wind davon und erhielten eine richterliche Genehmigung zur Telefonüberwachung.

Zwei Kurierfahrten


Dabei stellte sich heraus: Es gab unter etlichen anderen Touren von Osnabrück aus zwei Kurierfahrten in einen kleinen Ort an der Nahtstelle der Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf. Am 16. Januar letzten Jahres brach ein Mann namens Viktor zur langen Fahrt auf, wobei man ihm unterwegs noch die genaue Schreibweise des Dorfes per SMS buchstabierte. Viktor erreichte sein Ziel, übergab an einen 44-Jährigen rund 400 Gramm verpacktes Heroin und kassierte die mit dem Empfänger vorher vereinbarten "Kopeken". Der Kurier erhielt 8000 Euro.

Am 14. Februar kam Viktor ein zweites Mal. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Osnabrücker Fahnder sein Auto mit einem Peilsender präpariert. Von daher wussten sie: Der Überbringer war abermals zu dem kleinen Ort in der Oberpfalz unterwegs. Diesmal mit 300 Gramm "bombig Braunem". 60 Gramm blieben bei dem 44-Jährigen. Den weitaus größeren Teil des Heroins sollen - doch das weiß man nicht so genau - zwei aus München angereiste Männer abgeholt haben.

Das Fahnderteam aus Osnabrück schaltete die Amberger Kripo ein. Sie nahm am 16. Februar 2015 eine Frau in Amberg fest, die von dem 44-Jährigen, den die Drogenhändlerbande intern als "Max" bezeichnete, die ihm beim zweiten Transport übergebenen 60 Gramm Heroin erhalten hatte. Sie wurde zwischenzeitlich zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Jetzt saß "Max", in Handschellen aus der U-Haft gebracht, vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg. Der 44-Jährige, bis zu seiner Verhaftung in guter Stellung bei einem Unternehmen im Kreis Schwandorf, legte vor Richterin Roswitha Stöber ein Geständnis ab und gab die Lieferungen zu.

Minderwertige Ware


Deutlich wurde auch, dass er von seiner Wohnung aus Kunden in der Region belieferte. Deren Namen nannte er nicht. Wohl aber, dass das Gramm Heroin für Einzelabnehmer 35 Euro kostete. Zusammen mit seinem Anwalt Helmut Mörtl (Regensburg) machte der 44-Jährige ergänzend deutlich, dass er einen guten Teil des Heroins für sich selbst verbrauchte. Seine Sucht wurde dem Angeklagten von einer psychiatrischen Sachverständigen bestätigt. Sie riet zur längerfristigen Entzugstherapie. Interessant war: In einem Fall hatten die Osnabrücker Drogenhändler - wie es im Fachjargon heißt - beste Qualität geliefert. Beim zweiten Mal kam minderwertige und gepanschte Ware. Ein anderer Abnehmer hatte das aus Rotterdam beschaffte Heroin als unbrauchbar abgelehnt. "Dann bekommt es eben Max", soll der Bandenchef daraufhin befunden haben.

Die Erste Strafkammer verurteilte den 44-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Haft und zog 8000 Euro ein, die man bei dem Mann gefunden hatte. Die Richter ordneten ferner eine Entzugstherapie an. Staatsanwalt Tobias Kinzler hatte zuvor sechs Jahre gefordert, Verteidiger Helmut Mörtl hielt viereinhalb Jahre für ausreichend. Auch sie plädierten für eine längerfristige Therapie. Allerdings stemmte sich Mörtl gegen den Verfall der vierstelligen Bargeldsumme. "Wenn er herauskommt", sagte er, "steht mein Mandant vor dem Nichts".
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