Für Krankenkassen-Zahlungen hohe Monatslöhne vorgegeben
Betrugsmasche mit schwangeren Frauen

(Foto: dpa)
Vermischtes
Schwandorf
19.09.2016
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Amberg/Schwandorf. Sie wollten größere Geldbeträge haben und bekamen sie teilweise auch: Über 180 000 Euro sprangen bei einem Betrug heraus, für den zwei der drei nun vor dem Landgericht Amberg sitzenden Angeklagten ihre Ehefrauen einspannten.

Vorgänge solcher Art kannten bisher weder Polizei noch Richter. Von daher mussten die Begebenheiten ausführlich erörtert werden, um klar zu sehen, was in einer Unternehmensberatungsfirma im Kreis Schwandorf ausgeheckt wurde. Dabei stellte die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg fest: Irgendwie handelte es sich um eine ebenso plumpe wie dreiste Masche, mit der zwei Krankenkassen hinters Licht geführt werden sollten. Drei Männer im Alter von 42, 51 und 34 Jahren sitzen auf der Anklagebank. Zwei von ihnen sind Vorstände einer Unternehmensberatung, der andere Aufsichtsratsmitglied. "Um in den Genuss von Leistungen nach dem Aufwendungs-Ausgleichsgesetz zu kommen, schloss die Firma zum Schein Arbeitsverträge ab", wirft ihnen Staatsanwalt Holger Vogl vor. Diese Kontrakte lauteten auf die Ehefrauen von zwei der Beschuldigten.

Zum Plan gehörte es, dass die jungen Damen schwanger wurden. Als sie guter Hoffnung waren und zu diesen Zeitpunkten, wie von den Urhebern vorgesehen, jeweils nur wenige Tage in den Diensten des Unternehmens standen, gab es Atteste eines Gynäkologen, der den werdenden Müttern bescheinigte, dass sie nicht länger zum Dienst kommen könnten. Ein sogenanntes Arbeitsverbot. Das meldete der Betrieb den beiden Krankenkassen der Schein-Bediensten und verlangte Zahlungen nach dem Aufwendungs-Ausgleichsgesetz.

Hohes Monatsgehalt


Der Hammer dabei: Im Vertrag einer der beiden Frauen, damals 22 Jahre alt, stand ein Monatsgehalt von sagenhaften 20 000 Euro. Das mutete unglaublich an, wurde deshalb von der Kasse geprüft. Die Dame sei hoch qualifiziert, hieß es, sie müsse so entlohnt werden und dürfe Dienstreisen natürlich in der Business-Class von Flugzeugen absolvieren. "Wir haben schließlich bezahlt", erzählte eine von weit her angereiste Sachbearbeiterin der Assekuranz vor Gericht. Insgesamt über 180 000 Euro.

Als auch die zweite Frau schwanger wurde, kam es noch heftiger: Die heute 33-Jährige, die schon vor dem Betrugsversuch in dem Unternehmen tätig war und dafür alle vier Wochen 800 Euro bekam, stand plötzlich mit astronomischen 100 000 Euro Monatsgehalt auf der Personalliste. Der Grund nach Rückfrage: In führender Position, bestens geeignet, für Kontakte nach Asien zuständig. Von daher auch nur in der Business-Class unterwegs. Bei dieser Krankenversicherung aber bissen die Urheber auf Granit: Es gab keinen Cent. Bevor der Prozess richtig begann, gab es ein Rechtsgespräch. Danach sicherte Gerichtsvorsitzende Roswitha Stöber den Angeklagten Bewährungsstrafen zwischen 11 und 24 Monaten für Geständnisse zu. Wieder im Sitzungssaal, gaben die Anwälte Erklärungen für ihre Mandanten ab. "Sie räumen alle Vorwürfe vollumfänglich ein", hieß es. Die Männer sagten nichts.

Heute Urteile


Erstaunlich, was sich im gleichen Zusammenhang vollzog: Die bei dem erfolgreich verlaufenen Krankenkassenbetrug vereinnahmten 180 000 Euro sind noch vorhanden. Sie wurden am Morgen des Prozessauftakts durch einen der Anwälte an die geschädigte Versicherung überwiesen. Die Urteile werden heute erwartet.
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