Geldstrafe für 22-jährigen Fußballer
„Kung Fu“ beim Fußballturnier

Vermischtes
Schwandorf
10.08.2016
621
0

Plötzlich wurde das Fußballfeld zur Kampfsportarena. Bei den Hallenstadtmeisterschaften in Schwandorf nahm ein 22-Jähriger im Dezember vergangenen Jahres Anlauf, sprang auf einen Spieler der gegnerischen Mannschaft zu und trat ihm in Kung-Fu-Manier mit dem Fuß an die Halswirbelsäule. "Der Mann hätte danach im Rollstuhl sitzen können", erfuhr die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer von einem Zeugen.

Im Spiel zwischen der FT Eintracht Schwandorf und dem TuS Dachelhofen waren bereits mehrere Tore gefallen. Dann stürmte das TuS-Team aufs gegnerische Tor zu, wobei einer seiner Akteure zu Fall gebracht wurde. Das Foul war offenbar heftig. Gleich danach entspann sich eine Diskussion. Dabei schubste ein empörter Mannschaftskamerad (25) des angegangenen TuS-Akteurs den "Täter" mit seinen Händen weg. Der Schiedsrichter hatte zwar das Foulspiel gesehen. Doch was danach geschah, entzog sich angeblich der Beobachtung des 69-Jährigen. Obwohl der Referee in unmittelbarer Nähe stand, will er nicht mitgekriegt haben, dass ein bis dahin völlig unbeteiligter Spieler aus dem Eintracht-Team plötzlich aus zehn Metern Entfernung Anlauf nahm und Sekunden später dem mit dem Rücken zu ihm stehenden 25-Jährigen in Kampfsportart einen seiner Turnschuhe in den Halsbereich rammte.

Außerdem, so war die Staatsanwaltschaft überzeugt, habe der attackierte Sportler mehrere Fausthiebe an den Kopf erhalten. Er selbst sprach von drei Schlägen. Der Mann kam ins Krankenhaus, er war drei Wochen arbeitsunfähig.

Nichts gesehen


Zum Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung waren nun 19 Zeugen geladen. Viele davon wollten wenig bis gar nichts gesehen haben, andere spielten die Geschehnisse herunter. Der Angeklagte sagte: "Einen Fausthieb gebe ich zu. Aber ich bin nur dazwischengesprungen." Von einer Attacke per Fuß also aus seiner Sicht keine Rede. Das Opfer sagte: "Er kam von hinten. Ich habe ihn nicht gesehen." Die Richterin musste sich auf ein während des Turniers angefertigtes Video und auf Zeugen verlassen. Sie schilderten die Attacke, nutzten dabei Begriffe wie "Kung Fu"und "Taekwondo". Nicht "mannschaftsmäßig auszusagen", hatte die Vorsitzende bei ihren Belehrungen die am Hallen-Wettbewerb beteiligten Fußballer gebeten. Doch das war wohl bei etlichen in den Wind gesprochen.

Den Tritt nach fernöstlicher Machart hielt die Richterin nach fünfstündiger Verhandlung für erwiesen. Außerdem ging sie von zumindest einem Faustschlag gegen den Kopf des Opfers aus. Dafür muss der 22-Jährige eine Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro zahlen. Die Wettkampfleitung hatte seine Mannschaft nach der rüden Attacke vom Turnier ausgeschlossen. In der Oberpfalzhalle war es nach dem Übergriff nach Angaben von Beobachtern zu "chaotischen Zuständen" gekommen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.