Gericht von Schuld überzeugt
Vier Jahre Haft für Vergewaltiger

In einer kleinen Grünanlage im Bereich der Naabuferstraße kam es nach Überzeugung des Gerichts zu einer Vergewaltigung. Der Täter muss für vier Jahre hinter Gitter. Bild: rhi
Vermischtes
Schwandorf
23.06.2016
389
0

Erst muss er vier Jahre in Haft, dann wird der Mann höchstwahrscheinlich ausgewiesen. Die Erste Strafkammer beim Landgericht Amberg war überzeugt davon, dass der 39-Jährige im Juni letzten Jahres eine junge Schwandorferin in ein Gebüsch zog und sich dort sexuell an ihr verging.

Amberg/Schwandorf. Der Angeklagte schwieg bis zum Schluss. Nach dem Urteil schüttelte er ungläubig mit dem Kopf. Über seinen Verteidiger Dominic Kriegel (Weiden) hatte der Ausländer zu Beginn des zweitägigen Prozesses erklären lassen, er sei sich keiner strafbaren Handlung bewusst. Doch die Richter sahen das ganz anders.

"Wir bekamen es hier mit einem außergewöhnlichen Fall zu tun", sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber und ergänzte, das Vergewaltigungsverbrechen an einer 21-jährigen Schwandorferin sei unzweifelhaft so geschehen, "wie es uns vom Opfer geschildert wurde." Die junge Frau war von dem 39-Jährigen am Busbahnhof der Großen Kreisstadt angesprochen und nach dem Weg zum Marktplatz gefragt worden. "Sie begleitete ihn, weil sie freundlich sein wollte", ließ die Richterin anklingen.

Unstrittig für die Kammer


Auch das, was wenige Minuten später an der Naabuferstraße geschah, war für die Kammer unstrittig. "Er zog die Frau in ein Gebüsch, öffnete ihren Gürtel und griff ihr in die Hose", schilderte Roswitha Stöber die von der Strafkammer gewonnenen Eindrücke. Danach sei es zu Manipulationen im Intimbereich des Opfers gekommen, fuhr sie fort und gab erneut zu verstehen: "Auch das ist nach dem Gesetz eine Vergewaltigung."

Im Vorfeld der Verhandlung hatte der Beschuldigte wiederholt in Befragungen und in einer von seinem damaligen Anwalt verfassten Erklärung betont, die Frau sei mit den sexuellen Annäherungen einverstanden gewesen, habe Geld von ihm verlangt. Das verwiesen die Richter in den Bereich der Fabel. Sie schlossen ebenso aus, dass die erwiesene Drogensucht des Opfers eine Rolle bei den Vorgängen spielte. "Sie hat hier die Wahrheit gesagt und dies auch bei ihren Vernehmungen getan", unterstrich Roswitha Stöber. Dabei stützte sie sich auch auf ein Glaubwürdigkeitsgutachten der Nürnberger Psychiaterin Dr. Anna Wunder-Lippert. Der 39-Jährige muss vier Jahre hinter Gitter, er hat danach - wie die Gerichtsvorsitzende andeutete - zwingend mit seiner Ausweisung zu rechnen.

Sechs Jahre beantragt


Staatsanwältin Michaela Frauendorfer hatte in ihrem Plädoyer sechs Jahre Haft beantragt. "Das Opfer ist immer bei seinen Angaben geblieben", ließ sie erkennen und führte weiter ins Feld: "Die junge Frau ist ein gutmütiger Mensch und wollte dem ihr fremden Mann den Weg zeigen." Eine falsche Verdächtigung schloss die Anklagevertreterin aus. Sie trat ferner entschieden der Vermutung entgegen, die 21-Jährige habe den Übergriff gebilligt und sei womöglich auch selbst sexuell tätig geworden. "Sie leidet bis heute, wurde erniedrigt. Solche Erlebnisse müssen oft über viele Jahre hinweg verarbeitet werden."

Verteidiger Dominic Kriegel hatte verlangt, seinen Mandanten freizusprechen. Die 21-Jährige, so Kriegel, habe im Verlauf der Ermittlungen sehr wohl mehrfach unterschiedliche Geschehensabläufe geschildert. Solch divergierende Angaben seien nicht brauchbar, monierte der Anwalt und verlangte ferner, dass die von dem 39-Jährigen im Vorfeld getroffenen Feststellungen nicht verwertet werden könnten. (Seite 6)

Sie leidet bis heute, wurde erniedrigt. Solche Erlebnisse müssen oft über viele Jahre hinweg verarbeitet werden.Staatsanwältin Michaela Frauendorfer
Weitere Beiträge zu den Themen: Landgericht Amberg (83)Justiz (109)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.