Geschlagen oder alles erfunden?
50-Jähriger wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor Amtsgericht

Symbolbild (Foto: dpa)
Vermischtes
Schwandorf
14.12.2015
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Hat er seinen Sohn schlimm misshandelt? Ein 50-jähriger Schwandorfer verneint das vor dem Amtsgericht. Das Opfer äußerte sich zwar umfangreich bei einer Ermittlungsrichterin, jetzt allerdings macht der junge Mann von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Der Prozess könnte länger dauern. Etliche Zeugen sind noch angekündigt, außerdem muss wohl eine Amberger Ermittlungsrichterin kommen. Was die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer einem 50-Jährigen vorwirft ist die Misshandlung eines Schutzbefohlenen. Genauer: Der Mann, der zusammen mit seinen drei Kindern in Schwandorf lebt, soll einen seiner Söhne heftig geschlagen und auch noch anderen schmerzhaften Torturen ausgesetzt haben.

Der Junge, zur Tatzeit 18 Jahre alt, wurde angeblich, als er im Bett lag, von seinem Vater mit Fäusten traktiert. Einige Zeit später soll er mit seinem Kopf unter eine Wasserleitung gehalten worden sein und danach Fußtritte erhalten haben. So jedenfalls erzählte er es ausführlich bei der Polizei und dann bei einer Ermittlungsrichterin. Seltsam allerdings: Beim Prozess, den Amtsrichterin Petra Froschauer führt, machte er nun von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das konnte der heute 19-Jährige, weil ja sein Vater auf der Anklagebank sitzt. Zuvor waren ihm von der Anklagevertreterin die rechtlichen Folgen einer falschen Anschuldigung vor Augen geführt worden. Doch er blieb bei seinem Schweigen. Um ihn juristisch zu beraten, hatte die Richterin den Anwalt Willi Frank als Rechtsbeistand für den Zeugen herbei geholt.

Der Beschuldigte ließ über seinen Anwalt Peter Grau eine Erklärung abgeben. Ihr ließ sich sinngemäß entnehmen, dass er die gewaltsamen Übergriffe bestreitet. "Sie haben sich nie zugetragen", sagte Verteidiger Grau. Gleichwohl ist Staatsanwältin Frauendorfer davon überzeugt, dass der Vater seinen Sohn in übler Weise züchtigte.

Der junge Mann ist unterdessen daheim ausgezogen und hat bei einer nahen Verwandten ein Quartier gefunden. "Der war schon fort, als sich das alles ereignet haben soll", hörte Richterin Froschauer jetzt von einem Bruder des angeblichen Opfers. Ein Racheakt also? Die Vorsitzende erfuhr von dem Zeugen: "Er hat mal geäußert, dass er es dem Vater heimzahlen will." Was aber war mit "es" gemeint? Streitereien womöglich, an deren Ende Strafen wie Hausarrest standen. Keineswegs aber Hiebe und Schläge.

Eineinhalb Stunden lang wurde der Bruder des mutmaßlichen Opfers vernommen. Er bezeichnete seinen Vater als "niemals gewalttätig", zeichnete das Bild eines fürsorglichen Menschen, der nur gelegentlich Alkohol getrunken habe. Stattdessen aber sei sein Bruder völlig ausgerastet, "als ich ihn, nachdem er ausgezogen war, bei einer zufälligen Begegnung zur Rede gestellt habe." Und dann? "Anschließend bin ich eine Woche lang im Krankenhaus gelegen."

Verteidiger Peter Grau will in dem Verfahren alles sehr genau wissen. Er stellt Dutzende von Fragen und beabsichtigt, im weiteren Fortgang des Prozesses zahlreiche Beweisanträge einzureichen, um die Unschuld seines Mandanten zu belegen. Das mutmaßliche Opfer ist gegenwärtig, wie sich herausstellte, in psychiatrischer Behandlung. Wegen "Halluzinationen". Die Verhandlung wird fortgesetzt.
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