Geschmackvolle Früchtchen
Holler und Ghannesbierln

Vermischtes
Schwandorf
28.05.2016
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Der Geschmack von Kir Royal und HugoDer Holler ist Wellness pur

Schwandorf. (eld) Der Juni steht vor der Tür und damit hoffentlich wärmeres Wetter, das die Gerüche vieler Blüten intensiver verströmen lässt, die des Hollers zum Beispiel. An sonnigen Standorten haben die ersten Drängler schon aufgemacht, bis die Holunderbüsche aber in voller Blüte stehen, dauert es noch ein paar sonnige Tage. Es gab Zeiten, da wurde vom Holler despektierlich als Rangastauern oder Bahndammgwächs gesprochen.

Früher war das anders, da gehörte der Hollerbusch zu jedem Bauernhof wie der Misthaufen. Wer nicht gotteslästerlich fluchen, aber dennoch seinem Ärger deutlich Luft machen wollte, nahm den Holunder zu Hilfe. "Kreizbirnbam und Hollerstauern!" Was für eine wunderbare Umschreibung dafür, dass etwas nicht nach Wunsch oder ganz nach Plan verläuft. Doch nicht deswegen ist der Holler wieder in, sondern wegen seiner Heilkräfte. Ein Tee aus getrockneten Holunderblüten wehrt die Erkältungsviren ab. Der Holundersirup wertet jedes Getränk auf, sei es Wasser oder Sekt. Ganz zu schweigen von den Hollerköichln. Die weißen Blütendolden werden in eine Art Pfannkuchenteig getaucht und dann im heißen Fett schwimmend goldgelb gebacken. Mit Puderzucker bestaubt und vielleicht Preisbierln dazu - ein Gedicht. Aus den fast schwarzen Hollerbierln lässt sich im Herbst Marmelade, Gelee oder ein ebenfalls Erkältungsviren abwehrender Saft zubereiten.

An heißen Sommertagen sorgt der prickelnde Hollersekt für die notwendige Erfrischung. Auch der Siegeszug des Hugo wäre ohne Holler schlicht und ergreifend undenkbar. Aber aufgepasst: Sekt mit Cassis , bekannt als Kir Royal , ist auch nicht zu verachten. Für Crème de Cassis braucht's wieder a Frucht, die im Juni reift - die schwarze Johannisbeere. Der botanische Name "Ribes" für Johannisbeere hat im äußersten Süden Bayerns und in Österreich mit Ribisel seine dialektale Entsprechung. Der hiesige Dialektsprecher nennt sie Ghannesbierln. Laut kleinem bayerischen Sprachatlas rührt dies aus der Vorsilbe "Ge" statt "Jo" her. Da das "e" der Vorsilbe im Sprachgebrauch ausfällt, verschmilzt das G mit dem H. Ihre Bezeichnung hat die Johannisbeere, egal ob rot oder schwarz, vom Zeitpunkt der Reife, um Johanni, dem Festtag der Geburt von Johannes den Täufer am 24. Juni. Allerdings: Sowohl bei Johanni als auch beim abzubrennenden Johannifeia hat sich das Jo wieder erhalten.

Wer sich mit der Aussprache des Dialekts befassen will, ist beim sprechenden bayerischen Sprachatlas genau richtig. Die Ausdrücke für Niedermurach sagt der Kreisheimatpfleger für Volkmusik Alois Gillitzer vor.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/dialekt und www.sprachatlas.bayerische-landesbibliothek-online.de
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