Gewaltsame Abrechnung nach Information an die Polizei
Rachefeldzug endet mit Arrest

Vermischtes
Schwandorf
12.07.2016
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Der Jugendrichter schickte sie in den Arrest. Dabei konnten die Angeklagten noch von einem Glücksfall reden. Denn was ihnen angekreidet wurde, hätte bei Erwachsenen für einen längeren Aufenthalt hinter Gittern gereicht.

Es war ein Rachefeldzug. Die beiden jungen Männer aus dem westlichen Landkreis, 17 und 20 Jahre alt, hatten wohl erfahren, dass sie ein Kumpel im Hinblick auf ihren Drogengenuss bei der Polizei "angeschwärzt" hatte. Also wurde ein Plan zur Maßregelung geschmiedet. Einer von beiden passte den 16-Jährigen ab, als der auf seinem Rad des Weges kam, fuhr mit dem Auto an ihn heran und offerierte sinngemäß: "Wir laden das Bike in den Kofferraum und ich fahre dich heim." Dieses Angebot wurde arglos angenommen.

In Hinterhalt gelockt


Minuten später und nur einen Kilometer weiter sollte eine "Raucherpause" eingelegt werden. Der 20-Jährige stoppte seinen Wagen auf dem Gelände eines Tennisplatzes. Die Burschen stiegen aus. Dann trat plötzlich der 17-Jährige auf den Plan und startete zur gewaltsamen Abrechnung in der Art eines Rollkommandos: Der Polizei-Informant flog auf den Boden, er bekam heftige Fußtritte gegen den Oberkörper. Wenige Tage später wurde sein Bruder in der Schule auf dem Pausenhof mit dem Bemerken angegangen: "Richte ihm aus: In 14 Tagen hängt er!"

Die rüden Attacken beschäftigten nun den Schwandorfer Jugendrichter Hans-Peter Weiß. In seiner Urteilsbegründung sagte er später: "Da wurde jemand in den Hinterhalt gelockt." In dieser Bewertung war sich der Vorsitzende einig mit Staatsanwältin Franziska Bücherl. Sie beschrieb ihre Eindrücke so: "Hier muss eingegriffen werden."

Drogenkultur im Haus


Es gab noch eine zweite Anklageschrift. Sie bestand, wenn man so will, aus einem Zufallsprodukt. Nabburger Polizeibeamte hatten dem 20-Jährigen in dessen Wohnung ein behördliches Schriftstück überbringen wollen. Sie betraten die Räume und bekamen Marihuana-Geruch in die Nase. Also starteten sie zur Durchsuchung, öffneten den Schlafzimmerschrank und fanden dort eine Hanfpflanzen-Kultur, die zum Zweck gedeihlichen Wachstums mit einer Neonröhre beleuchtet war. Zudem gab es Sicherstellungen, die in den Bereich des Drogenzubehörs gingen.

Nur zu diesem Vorwurf machten die Beschuldigten Angaben. Der 17-jährige Freund des Wohnungsmieters ließ anklingen, dass ausschließlich ihm allein die Cannabispflanzen gehörten und sein Kumpel lediglich den Anbau in seiner Behausung gestattet habe. Die Beweisaufnahme konnte diese Angaben nicht widerlegen. "Allerdings schwer vorstellbar", wie der Vorsitzende unterstrich.

Jugendrichter Weiß schickte den 17-Jährigen zwei Wochen in den Dauerarrest und verhängte gegen den 20-Jährigen eine Woche Aufenthalt in der Anstalt. An beide gewandt, sagte er: "Mein lieber Mann: Das ist schon eine Gesinnung, bei der man nicht weiß, was man sagen soll."
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