Gräber trösten die Seele

Laubbäume gehören zu einem Friedhof. Sie sind Zeichen für das Wachsen und Vergehen, den Kreislauf des Lebens. Bild: Götz
Vermischtes
Schwandorf
31.10.2016
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Ein Beispiel, wie aufgelassene Erdgräber in Memoriam-Flächen mit Urnengräbern umgewandelt werden können. Bilder: hfz(3)

"Ich brauche für meine Trauer und Erinnerung keinen festen Ort." Der Satz "ist oft ein Trugschluss", meint Heidi Schmid, die sich seit 20 Jahren mit der Friedhofsgestaltung befasst. Menschen suchen "einen festen Anlaufpunkt für ihre Trauer", das Gedenken und Nachdenken über ihre Angehörigen und die Grenzen des Lebens.

Heidi Schmid weiß, wovon sie spricht. Die langjährige Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt gibt ihr Wissen gerne in Vorträgen weiter. Das Grab ist für sie "ein wichtiger Teil der Trauerarbeit". Das zeigt ganz banal gesagt auch der Pkw-Verkehr an Allerheiligen. Auch in der sich verändernden Arbeitswelt und bei rasant zunehmender Mobilität, die Familien zerstreuen, "brauchen Trauer und Gedenken ihren Platz. Das Grab ist ein Fixpunkt dafür".

Die Formen sind verschieden. Auf dem Land liegt Schmids Einschätzung nach der Anteil der Erdbestattungen etwa bei 50 Prozent. Je städtischer, umso mehr Feuerbestattungen gibt es. Doch der Aspekt, dass mit einer Beisetzung in einer Urnenwand "dann niemand mehr Arbeit mit dem Grab hat", ist für Schmid zu kurz gedacht. Bei Urnenwänden, die keine Möglichkeit bieten, direkt an der entsprechenden Kammer etwas abzulegen, sehe sie oft, "dass den Menschen, die trauern, etwas fehlt". Sie haben nichts zu pflegen. Hilflos wird eine Rose in die Mauernische geklemmt, werden am Boden Blumen und Kerzen abgelegt.

Gefühle und Gesten


Im Schwandorfer Stadtfriedhof weiß sie von Hinterbliebenen, die Urnen in Urnen-Erdgräber umbetten ließen. Man möchte seine Gefühle in Gesten ausdrücken. Schmid hat ganze Mappen an Beispielen, wie diese Gräber mit Stein und einem kleinen Pflanzbereich auch pflegeleicht zu gestalten sind. Was übrigens viele nicht wissen: Wenn die Urne nicht verrottbar ist, kommt sie mit Ablauf der Liegezeit aus der Wand oder dem Grab. Der Friedhofsverwalter gibt sie dann in ein Sammelgrab.

Schmid hat sich eine Fülle von Möglichkeiten für Urnen-Erdbestattungen angesehen. So könnten sogenannte Memoriamflächen zur Friedhofsumgestaltung beitragen. Mit dem Rückgang der Erdbestattungen und der Auflösung von Gräbern entstehen in Friedhöfen kahle, freie Flächen. Hier könnten kleine Pflanzanlagen mit Urnengräbern entstehen, zeigt sie ein Beispiel aus dem Allgäu.

"Sehr persönlich"


Gibt es Trends in der Grabgestaltung und -bepflanzung? "Das ist etwas sehr Persönliches, da gibt es eigentlich keine Mode", meint Heidi Schmid. Viele suchen ein Grabmal aus, das dem Verstorbenen "gefallen hätte". Eine schöne Holzarbeit für einen Schreiner, einen Grabstein aus der Region für einen heimatverbundenen Menschen. Und bei der Bepflanzung "hat für mich persönlich die Symbolik der Pflanzen einen großen Stellenwert", betont die Kreisfachberaterin. Bis zur Hälfte des Grabes empfiehlt sie Dauerbepflanzung, für den Rest Wechselbepflanzung.

Doch es setzt ein zunehmender Wandel bei den Bestattungsformen ein. Der Landesverband für Gartenbau und Landespflege hat darauf reagiert und die Friedhofsgestaltung vor zwei Jahren zum Thema gemacht. Das ganze mündete in einen Wettbewerb, den Gaisthal gewann.

Unter Bäumen


Hier steht eine 30 Jahre alte Linde neben der Aussegnungshalle als Möglichkeit für Baumbestattungen. Und im Naturfriedhof Schlosswald in Stefling kommt die Urne in den Waldboden. Am Baum erinnert eine Plakette an den Verstorbenen. Wie viel Platz braucht Erinnerung? Eine sehr persönliche Entscheidung. (Hintergrund)
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