Gruppe erkundet Innenstadt
VdK forciert Barrierefreiheit

Eine VdK-Gruppe machte einen Rundgang durch Schwandorf, um die Barrieren in der Stadt unter die Lupe zu nehmen. Archivbild: Götz
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Schwandorf
22.06.2016
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Wer Barrieren sucht, der findet. Das ist in der Stadt Schwandorf nicht anders als in allen anderen Städten und Gemeinden Bayerns. "Weg mit den Barrieren", heißt es deshalb in der aktuellen Kampagne des Sozialverbands VdK.

Mit Rollstuhl, Rollator, Wasserwaage und Zollstock erkundet eine VdK-Gruppe Schwandorfs Innenstadt - mit Augenmaß, denn "Barrierefreiheit ist nie fertig", ist Eberhard Grünzinger, Abteilungsleiter beim Sozialverband VdK Bayern und Ausbilder ehrenamtlicher VdK-Barriereprüfer überzeugt. Aber damit anfangen, Barrieren aufzuspüren, damit es eine Stadt für alle wird, kann man sofort.

Herbert Suttner, im Seniorenbeirat im Landkreis Schwandorf sowie im VdK-Ortsverband Schwandorf aktiv, erklärte: "Wir wissen gar nicht mehr, wo wir unsere VdK-Versammlungen abhalten sollen.". Eine solche Veranstaltung sei leider nie ganz barrierefrei zu erreichen. Stufen am Eingang, Toiletten im ersten Stock die Treppe hoch - es scheine, dass sich die Gastronomen sich kaum Gedanken darum gemacht haben, dass auch Schwandorfs Bürger älter werden und nicht mehr so mobil sind.

"Barrierefreiheit ist uns ein großes Anliegen", versichert die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Roidl, die zusammen mit Stadtbaumeister Roland Stehr, der Sachgebietsleiterin Hochbau Barbara Hellerbrand sowie dem Pressereferenten Lothar Mulzer die Gruppe im Rathaus empfing. Das Rathaus selbst sei das beste Beispiel, erklärt sie. Behindertentoiletten, klare Wegweiser, niedrige Beratungstheken, großzügige Aufzüge bis hin zu einem Rollstuhl-Treppenlift hinauf in den Sitzungssaal - kein Schwandorfer Bürger soll es hier beschwerlich haben.

Bahnhof ein Ärgernis


Auch der Umbau der Gerhardingerschule und der Lindenschule stehe auf dem Plan, damit die Inklusion für die Kleinsten nicht an baulichen Hürden scheitert. Die Quadratur des Kreises sei allerdings bei den aktuell geplanten Baumaßnahmen in der Innenstadt nötig, sagt Stadtbaumeister Stehr. Zu viele Interessen müssten berücksichtigt werden. Die Friedrich-Ebert-Straße ist die wichtigste Durchgangs- und Geschäftsstraße und stellt eine Achse Richtung Bahnhof dar.

Rollstuhlfahrer und VdK-Mitglied Lukas Zilch ist hier oft unterwegs. Die Gehsteige - an vielen Stellen ohnehin sehr schmal - sind vollgestellt mit Kundenstoppern, Postkartenständern und Auslagetischen vor den Geschäften, abgesenkte Bürgersteige gibt es nicht überall, und holpriger Straßenbelag macht das Fortkommen schwer. Auch der kleine VdK-Erkundungstrupp kommt hier an diesem Montagvormittag nur langsam im Gänsemarsch voran.

Wer besser zu Fuß ist, weicht öfter auf die gefährliche Fahrbahn aus. Der Schwandorfer Stadtspitze ist das Problem bewusst. Doch ein Gesamtkonzept für die ehemalige Bundesstraße zu erstellen, sei schwierig. Geschäftsleute befürchten Umsatzeinbrüche oder gar Pleiten durch eine Verkehrsberuhigung, die allen Nicht-Autofahrern - ob mit Handicap oder ohne - mehr Freiraum geben würde.

Ein großes Ärgernis sei laut den VdK-Leuten der Bahnhof der 28 000-Einwohner-Stadt. "Bitte macht euch als VdK stark für einen Umbau", hat Bürgermeisterin Roidl der Gruppe mit auf den Weg gegeben. Immerhin 6000 Passagiere nutzen den Oberpfälzer Eisenbahnverkehrsknotenpunkt täglich zum Ein- und Umsteigen. Dennoch wurde Schwandorf bisher nicht in die Liste der Bahnhöfe aufgenommen, die barrierefrei umgebaut werden sollen.

Wie einladend Barrierefreiheit sein kann, zeigen dagegen zwei Gebäude in der Bahnhofstraße: Die evangelische Erlöserkirche wird mit ihrer Zugänglichkeit für alle ihrem Anspruch einer "offenen Kirche" gerecht, und in die Hubertusapotheke gelangt man bequem über eine eigens angebrachte Rampe, die zu einer automatischen Eingangstür führt. Die Apothekerin ist über das VdK-Lob für das barrierefreie Geschäft erfreut, aber auch erstaunt: "Das müsste heute doch selbstverständlich sein."

Veranstaltung im Juli


Der VdK-Bezirk hält am 8. Juli eine Veranstaltung in Neunburg vorm Wald ab, um die Kampagne "Weg mit den Barrieren!" zu präsentieren. Rednerinnen sind VdK-Präsidentin Ulrike Mascher sowie die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele. Informationen gibt es beim VdK-Kreisverband unter Telefon 09431/8551.
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