Gut ausgebildete Informatikerin findet keinen Job
Fachkraft mangelt es am Angebot

Birgit Symader verbringt viel Zeit am Laptop. Das lassen zumindest die vielen E-Mails und Ordner vermuten, die Bewerbungsschreiben und -antworten (oft Absagen) beinhalten. Bild: doz
Vermischtes
Schwandorf
24.11.2015
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Birgit Symader (49) müsste auf dem Arbeitsmarkt gefragt sein. Sie ist Fachinformatikerin für Systemintegration, hat jahrelange Berufserfahrung und sucht dringend einen Job. Stattdessen hagelt es Absagen. Außerdem ärgert sie sich über die Agentur für Arbeit.

Dass Symader ihre Geschichte öffentlich macht, hat einen ganz bestimmten Grund: Sie will zeigen, was passiert, wenn man in ihrem Alter in die Arbeitslosigkeit rutscht. Über ihre Biografie spricht sie deshalb ganz offen. Rund 30 Jahre war die Schwandorferin berufstätig. Zuerst hat sie in einer Firma im Elektrotechnik-Bereich gearbeitet. Anschließend folgte eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration, als solche hatte sie seit 1999 gearbeitet. Vor vier Jahren folgte ein Burnout. Die Firma, in der sie arbeitete, wollte sie kündigen, also zogen beide Parteien vor das Arbeitsgericht. Ergebnis: Symader bekam eine Abfindung und verließ das Unternehmen.

"IT eine junge Branche"

Die Informatikerin fasste kurzzeitig wieder Fuß in einer Rodinger Firma, die allerdings Insolvenz habe anmelden müssen. Symader nahm an Schulungen teil, die ihr die Arbeitsagentur empfahl. Seit zwei Jahren ist sie allerdings ganz offiziell arbeitslos. Und das, obwohl sie nach eigener Aussage schon über 50 Bewerbungen geschrieben hat und in der IT arbeiten, aber genauso Schulungen geben kann. Trotzdem erhält die Schwandorferin nur Absagen. Sie bekommt viele standard-formulierte Antworten. "Meine Vermutung ist aber, dass es stark wegen des Alters ist. Die IT ist eine junge Branche."

Am Gehalt könne es nicht liegen. "Da bin ich gar nicht so teuer. Ich bin es eh schon gewohnt, dass ich als Frau in der IT extrem wenig verdiene." Darüber rege sie sich schon seit zehn Jahren nicht mehr auf. Vor einem Jahr wurde Symader noch zu den Unternehmen eingeladen. Allerdings sagt sie: "Mittlerweile bekomme ich keine Einladungen mehr zu Vorstellungsgesprächen. Seitdem ich die 49 überschritten habe, geht rein gar nichts mehr." Und das, obwohl laut der Schwandorferin "Stellen ohne Ende" ausgeschrieben seien. Nach ihrer Erfahrung wird aber nur die Hälfte besetzt. Für Symader eine ärgerliche Situation: "Ich bin jetzt 49 und bestimmt noch nicht alt und gebrechlich. Ich habe lange Jahre Erfahrung. Ich bin wirklich bereit, Randthemen zu machen - ich gehe auch in den technischen Einkauf." Oft heißt es dann, sie sei überqualifiziert.

Es gibt einen Punkt, über den sich Symader ärgert. Weil ihr Arbeitslosengeld auslief, muss sie laut eigener Aussage ihre zwei Rentenversicherungen auflösen, in die sie rund 30 Jahre eingezahlt hat. Sie müsse ihr Vermögen, wenn es mehr als 8100 Euro betrage, aufbrauchen - erst danach bekomme sie wieder Bezüge vom Staat. Hartz-IV um genau zu sein. Bei der 49-Jährigen sorgt das für Kopfschütteln: "Ich verstehe das System nicht. Ich werde immer wieder aufgefordert, etwas für meine Rente zu tun. Wenn ich wirklich keinen Job mehr kriege, muss ich aber an meine Rentenversicherungen ran." Außerdem müsse sie die Krankenversicherung selbst zahlen.

Die Arbeitsagentur habe ihr aber dennoch nahegelegt, sich weiterhin arbeitslos zu melden - auch wenn sie keine Bezüge erhält. Sie wägte ab und kam zu dem Schluss: Die Nachteile überwiegen. "Ich muss mich dem Arbeitsmarkt genauso zur Verfügung stellen wie ein Langzeitarbeitsloser." Heißt zum Beispiel, dass sie eine Fahrzeit von zweieinhalb Stunden auf sich nehmen muss, wenn die tägliche Arbeitszeit mehr als sechs Stunden beträgt.

Nicht in der Statistik

Symader sagt: "Ich bin bereit, bis nach Nürnberg zu fahren. Das muss reichen." Die 49-Jährige wohnt schon seit etwa 14 Jahren in Schwandorf, hat hier eine Eigentumswohnung (die übrigens nicht dem Vermögen zum Aufbrauchen zugerechnet ist). Symaders Fazit: "Ich kette mich ans Arbeitsamt, obwohl ich kein Geld bekomme."

Deswegen habe sie sich entschieden, auf die Arbeitsvermittlung zu verzichten. "Ich bin jetzt nicht mehr in der Statistik für Arbeitslose", sagt sie und versichert zudem, kein Einzelfall zu sein. Über ihre Zukunft macht sich Symader Gedanken: "Ich bin alleine (keine Kinder, nicht verheiratet; Anm. d. Red.). Ich habe niemanden, der für mich sorgt. Da muss ich schauen, was ich in der Rente mache." Dabei hat Symader nur einen Wunsch: Einen Job für die nächsten 18 Jahre. Trotz des so häufig zitierten Fachkräftemangels sieht es momentan aber nicht gut aus.
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