Gutachten beschäftigt sich mit schwarzen Pfützen im Loiblweiher-Gebiet
Brühe auf den Grund gehen

Bauzäune sollen auch in Zukunft verhindern, dass Badegäste zu den seit 2013 auftretenden Pfützen mit schwarzem Wasser gelangen. Bild: Götz
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Schwandorf
22.04.2016
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Rotschlamm kann nicht bergauf fließen. Das ist unmöglich.

Als es 2013 vier Tage lang durchregnete, tauchten im Loiblweiher-Gebiet plötzlich Pfützen mit schwarzem Wasser auf. Genau dort, wo einst Rotschlamm versenkt worden ist. Drei Jahre gingen Experten diesem - wie sie es selbst nennen - Phänomen sprichwörtlich auf den Grund. Nun präsentierten sie das Gutachten der Öffentlichkeit.

Steinberg am See/Schwandorf. Peter Krach, Geschäftsführer von Base Technologies in München, sprach bei seiner halbstündigen Präsentation am Freitag im Landratsamt von einer "sehr komplexen Situation". Wichtigste Nachricht: Er sieht weder für die Badegäste des nahe gelegenen Steinberger Sees, noch für das unweit entfernte Baugebiet "Retzer Schübl" eine Gefahr.

Was ist die Ausgangssituation?

2013 regnete es vier Tage ohne Unterbrechung. Deggendorf hatte mit einem verheerenden Hochwasser zu kämpfen. Zu der Zeit tauchten im Loiblweiher-Gebiet fünf schwarze Pfützen auf, die für Verunsicherung sorgen. Vor allem deshalb, weil dort in den 1960er Jahren giftiger Rotschlamm abgekippt wurde. Experten analysieren seit drei Jahren das Gebiet. Der Fokus liegt auf den fünf Pfützen, die wöchentlich untersucht werden. Bürger und Verantwortliche hatten auch Befürchtungen, weil der Steinberger See direkt an das Loiblweiher-Gebiet mit den Rotschlammablagerungen grenzt. Ein mächtiger Pfeiler aus Mutterboden liegt jedoch dazwischen.

Warum ist das Wasser schwarz und wie gefährlich ist es?

Krach betonte, dass es sich bei dem Wasser nicht um Rotschlamm handele, sondern um Wasser, das mit Rotschlamm in Kontakt gekommen sei. Die schwarze Farbe stammt von restlicher Braunkohle, die noch unter der Erde lagert. Das schwarze Wasser enthält Schwermetalle - unter anderem Arsen - und überschreitet Grenzwerte. Deshalb ist der Bereich rund um die Pfützen seit rund drei Jahren mit Bauzäunen abgesperrt. Das bleibt auch so, nur dass sich das Sperrgebiet etwas verkleinert. Auch ein Teil des Seeufers und des Sees sind gesperrt, damit Kinder dort nicht im Schlamm buddeln. Base-Geschäftsführer Krach schloss bei der Pressekonferenz aus, dass weitere schwarze Pfützen auftreten.

Verschwinden die Pfützen?

Krach erklärte: "Das Phänomen ist im Grunde konstant." Heißt: Die schwarzen Pfützen verschwinden auch zukünftig nicht, obgleich sie nicht immer zu sehen sind - vor allem nicht in trockenen Zeiten. Oder etwas fachspezifischer ausgedrückt: "Die Intensität des Phänomens verändert sich zwar, die Existenz ist jedoch durch die Gegebenheiten vor Ort dauerhaft." Die Untersuchungen hätten aber ergeben, dass das Phänomen ortsfest sei und sich nicht verlagert oder erweitert.

Wie geht es weiter?

In einem Schreiben des Landratsamtes heißt es, dass Sofortmaßnahmen nicht möglich seien. Aktuell behelfen sich die Verantwortlichen dadurch, dass das betroffene Gebiet gesperrt bleibt. Mitte des Jahres soll ein abschließendes Gutachten folgen, das ebenfalls bei Base Technologies in Auftrag gegeben wurde. Im Anschluss daran werden laut dem Schreiben bis Ende des Jahres mögliche Sicherungs- oder Sanierungsmaßnahmen vorgelegt.

Was heißt das konkret für Badegäste am Steinberger See?

Von Peter Krach gibt es eine klare Ansage: "Schwimmen ist kein Problem und ungefährlich." Die Wasserqualität des Steinberger Sees sei regelmäßig überprüft worden. Mit dem Ergebnis: "Eine qualitative Beeinträchtigung konnte weder ufernah noch insgesamt festgestellt werden." Auch für das Freizeitgelände "Movin'G'round" gäbe es keine Beeinträchtigungen.

Inwiefern ist das Baugebiet "Retzer Schübl" betroffen?

Gar nicht, sagt Krach. Zum einen fließe das Grundwasser Richtung Steinberger See, also in eine ganz andere Richtung. Zum anderen liege das Baugebiet rund 20 Meter höher als das Gebiet, in dem die schwarzen Pfützen auftreten. Krach untermauerte: "Rotschlamm kann nicht bergauf fließen. Das ist unmöglich." Auch für Bewohner bereits in der Nähe gebauter Häuser bestehe keine Gefahr.
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