Haft nach harten Hieben
38-Jähriger muss für 21 Monate ins Gefängnis

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
01.03.2016
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Der Mann führte sich auf wie ein Berserker. Er schlug mit Fäusten zu, traktierte eines seiner Opfer mit einer Eisenstange. Jetzt wurden die brutalen Vorfälle beim Schwandorfer Schöffengericht verhandelt. "Eigentlich ist er ein guter Mensch", sagte ein 19-Jähriger. Der junge Mann war im April letzten Jahres von seiner Mutter zu Hilfe gerufen worden. Die 48 Jahre alte Frau tat dies in höchster Not. Sie hatte Besuch von einem Bekannten bekommen und wurde plötzlich massiv bedroht. Er werde ihr das Gesicht zerschneiden und sie umbringen, schrie der jetzt auf der Anklagebank sitzende und zu allen Vorgängen schweigende Angeklagte seinerzeit. Die Gründe für dieses jähe Ausrasten waren eher fadenscheinig.

Die völlig ansatzlos erfolgende Attacke setzte sich fort, als der von seiner Mutter über Telefon alarmierte Sohn an der Wohnung eintraf. Dort kam ihm der 38-jährige Täter entgegen. Er stieg von seinem Fahrrad, drosch mit Fäusten auf den jungen Mann ein und verletzte ihn schwer. Dem Opfer musste später ein gebrochener Backenzahn entfernt werden, außerdem waren zunächst Sehstörungen eingetreten. Sie gaben sich später wieder. Auch Prellungen und Blutergüsse wurden im Krankenhaus attestiert. "Und dabei waren wir wie Brüder", erzählte der 19-Jährige jetzt dem Schöffengerichtsvorsitzenden Ewald Ebensperger.

Das Schöffengericht hatte zuvor schon etliche Zeugen in einer ganz anderen Sache vernommen. Sie spielte sich ebenfalls im südlichen Landkreis ab und zog Ermittlungen nach sich, die von der Polizei - wie ein Beamter jetzt sagte - "wegen eines Überfalls" eingeleitet worden waren.

Attacke im Treppenhaus


Es ging offenbar um Geld. Der 38-Jährige wollte wohl Schulden bei einem weitaus jüngeren Freund eintreiben und wartete nachts im Hausgang zu dessen Wohnung. Als der 25 Jahre alte Mann heim kam, wurde er im dunklen Treppenhaus angegriffen und mit einer Eisenstange geschlagen. Das Opfer bekam massive Hiebe, es lief hinaus auf die Straße und suchte Zuflucht in einem benachbarten Lokal. Dessen Bedienung erinnerte sich jetzt: "Sie kamen beide kurz nacheinander. Dann sind dem Angeklagten 30 Euro gegeben worden."

Damit hatte das Intermezzo, geschehen in einer Mainacht vorvergangenen Jahres, noch lange kein Ende. Beide Männer gingen, weil wohl vom Angeklagten Druck ausgeübt worden war, zurück in die Wohnung des 25-Jährigen. Dort kam der eiserne Knüppel erneut zum Einsatz. Mit seiner Metallstange zertrümmerte der 38-Jährige wahllos Einrichtungsgegenstände und bediente sich dann allem Anschein nach. Er nahm, wie beim Prozess diskutiert wurde, einen Laptop mit und sackte offenbar auch 75 Euro ein, die auf dem Wohnzimmertisch lagen. Das Opfer sah nach eigenen Angaben tatenlos zu. Es mochte nicht noch weitere Hiebe kassieren.

Seltsam: Die beiden vom Täter übel zugerichteten Männer machten nun vor den Richtern Gedächtnislücken geltend. Sie legten auch keinen Wert darauf, dass ihr Peiniger bestraft werden sollte. Kam hinzu: Die Lebensgefährtin des 38-Jährigen unternahm den Versuch, ihrem Partner zumindest für eine der Gewaltattacken ein Alibi zu verschaffen. Als sie das machte, war die Anwesenheit ihres Freundes an dem Tatort längst geklärt.

Zahlreiche Vorstrafen


Das Schöffengericht verhandelte einen ganzen Tag lang. Dann schickte es den 38-Jährigen für 21 Monate hinter Gitter. Bewährung gab es allein schon wegen seines umfangreichen Vorstrafenregisters nicht. In seiner Begründung verwies Amtsgerichtsdirektor Ebensperger auf die an den Tag gelegte außergewöhnliche Brutalität des Mannes. Er schränkte aber nach umfangreicher Beweisaufnahme ein, dass letztlich nicht stichhaltig habe geklärt werden können, was aus der Wohnung des mit der knapp einen Meter langen Eisenstange malträtierten Mannes abhanden kam. Staatsanwalt Daniel Gold hatte in seinem Plädoyer zweieinhalb Jahre Haft beantragt.
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