Handwerk setzt auf Berufsabitur

"Abend des Handwerks". Oberbürgermeister Andreas Feller, Kreishandwerksmeister Christian Glaab, Ehrenkreishandwerksmeisterin Ria Achhammer, ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, HWK-Präsident Dr. Georg Haber und stellvertretender Kreishandwerksmeister Arnold Pöppl (von links) beschäftigten sich mit dem "Handwerk der Zukunft" . Bild: Hirsch
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Schwandorf
28.10.2016
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"Dem Handwerk geht es gut". Hans Peter Wollseifer spricht von "über sechs Prozent Zuwächsen im letzten Quartal". Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks denkt aber weiter.

Beim "Abend des Handwerks" am Donnerstag in Schwandorf-Charlottenhof sprach der Kölner Unternehmer über seine "Visionen zum Handwerk der Zukunft". Hans Peter Wollseifer vertritt eine Millionen Betriebe mit 5,3 Millionen Beschäftigten und 600 Milliarden Euro Jahresumsatz. "Wie stabil das Haus sein wird, hängt von den Balken ab, die wir heute einziehen", sagt der Inhaber eines Maler- und Lackiererbetriebes. Ihm geht es vor allem um die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte. Allein in diesem Jahr habe das bundesdeutsche Handwerk 12 000 Mitarbeiter neu eingestellt. "Während Industrie und Banken massenweise entlassen."

Pilotschulen geplant


Der 61-jährige kennt aber die demografische Entwicklung und "den Wunsch der Eltern nach hohen Bildungsabschlüssen für ihre Kinder". Deshalb wirbt Hans Peter Wollseifer für seine Idee des "Berufsabiturs". Die Schüler sollen nach der zehnten Jahrgangsstufe die Möglichkeit haben, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden und sich nach dem Abitur für eine akademische oder handwerkliche Laufbahn zu entscheiden. "Dazu werden wir in den nächsten Jahren Pilotschulen einrichten", kündigt der ZDH-Präsident an, "auch in Bayern".

Junge Arbeitnehmer für das Handwerk gewinnen und ältere möglichst lange halten: Mit dieser Strategie will das Handwerk dem Facharbeitermangel entgegenwirken. Neben dem "Berufsabitur" nennt Hans Peter Wollseifer als weiteres Stichwort die "Flexi-Rente". Wer im Ruhestand weiterarbeiten will, soll das "flexibel" können. Ohne Arbeitslosengeld und Rentenbeiträge zahlen zu müssen.

Der oberste Repräsentant des deutschen Handwerks sieht die Politik in der Pflicht: "Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die uns atmen lassen". Mit der neuen Regelung zur Erbschaftssteuer ist Wollseifer zufrieden. 95 Prozent der Handwerksbetriebe würden von der Novellierung profitieren.

Bis zur Haustür


Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, sieht im Breitband-Dialog eine erfolgreiche Initiative seines Verbandes, der die Verlegung von Glasfaserkabeln bis zur Haustüre fordert, denn: "Die Betriebe brauchen eine parallele Datenübertragung, der Upload muss genauso schnell gehen wie der Download". Ostbayern sei im Landesvergleich mit dem Ausbau des schnellen Internets" ganz hinten gestartet und wird 2018 vorne mitmischen", ist Dr. Georg Haber überzeugt. Zum Nutzen der 1146 mittelständischen Handwerksbetriebe mit 9940 Beschäftigten und 1,1 Milliarden Umsatz im Kammerbezirk. 2018 ist auch für Oberbürgermeister Andreas Feller der Zeitpunkt, an dem alle Schwandorfer Haushalte mit Breitbandanschlüssen versorgt sind.

Kreishandwerksmeister Christian Glaab hieß über 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Behörden willkommen und bedankte sich bei Ehrenkreishandwerksmeisterin Ria Achhammer, die den Kontakt zu Präsident Hans Peter Wollseifer hergestellt hatte.

Wie stabil das Haus sein wird, hängt von den Balken ab, die wir heute einziehen.ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer
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