Helfen im Dauerbetrieb
Keine Ruhe in der Nachtschicht für das Rote Kreuz

Ende einer langen Nachtschicht: Nach zwölf Stunden haben Elmar Kollmer (links) und sein Kollege Johann Grimm Feierabend. Bild: Tietz
Vermischtes
Schwandorf
29.01.2016
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Die Schicht dauert noch keine zehn Minuten, da unterbricht ein schriller Alarmton das Gespräch. "Wir müssen weg": Johann Grimm und Elmar Kollmer eilen ins Auto und zum Einsatz. Die Nachtschicht in der BRK-Rettungswache in Schwandorf ist gleich voll gefordert. Es ist die Ouvertüre für eine lange Nacht.

Die Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes in Schwandorf ist - wie fünf weitere im Landkreis (siehe "Hintergrund) - an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt. Zwölf Stunden Tagschicht, zwölf Stunden Nachtschicht: Jeweils zwei hauptamtliche Mitarbeiter des BRK-Kreisverbands stehen für den Notfall bereit, um schnelle Hilfe zu leisten.

An diesem Tag haben Grimm (61) und Kollmer (35) die Nachtschicht. Ankommen, umziehen - und ab zum ersten Einsatz: Die beiden Helfer sind nur kurz in der Rettungswache, ehe sie ins Auto müssen. Den Notfall bekommen sie von der Integrierten Leitstelle in Amberg direkt auf dem Display im Auto geschildert, die Adresse ist bereits im Navigationssystem gespeichert.

Neun Einsätze


Mit dem ersten Einsatz ist es aber noch lange nicht getan: Grimm und Kollmer kommen erst gegen Mitternacht wieder in die Wache zurück. Zeit, um etwas zur Ruhe zu kommen, bleibt ihnen aber nicht: Kurz darauf werden sie wieder alarmiert. Als sie zum Schichtende noch eine Dialysefahrt erledigt haben und um kurz vor 7 Uhr morgens in die Rettungswache kommen, haben sie insgesamt neun Einsätze in dieser Nacht absolviert. Das Spektrum reicht von Stürzen im Seniorenheim, heftigen Ehestreitigkeiten, einer Verlegungsfahrt oder Hilfe bei Grippe. "Da sagt noch einer, Kreuzberger Nächte wären lang", sagt Grimm schmunzelnd, als er in der Rettungswache ankommt. Für die beiden Helfer allerdings nicht ungewöhnlich: "Ganz normal" beschreiben sie die zwölf Stunden, die bald hinter ihnen liegen. Am Wochenende geht es noch heftiger zu, weiß stellvertretender Rettungsdienstleiter Joachim Seeliger. Wenn andere bei Partys oder in den Discos feiern, haben die Retter Hochbetrieb.

Zusätzliche Aufgaben


Mit den Einsätzen als Notfallhelfer ist für die BRK-Helfer die Arbeit noch lange nicht getan: Es müssen unter anderem die Fahrzeuge kontrolliert, Medikamente zum Beispiel auf das Haltbarkeitsdatum gecheckt, Büroarbeit erledigt oder die Autos nach einer Fahrt wieder hergerichtet werden. Die Rettungswache verfügt neben einem Büro auch über einen kleinen Aufenthaltsraum und über zwei kleine Schlafzimmer mit Betten. Oft benutzt werden sie von der Nachtschicht aber nicht. "Zwischen 2 und 4 Uhr könnte man manchmal eine Chance haben, dass man eine kurze Ruhephase hat", schildert Grimm, der seit 36 Jahren hauptamtlich beim Roten Kreuz beschäftigt ist. Aber dieser Fall tritt nicht allzu oft ein - und am Wochenende gar nicht: "Das kann man vergessen."

Generell, legt stellvertretender Rettungsdienstleiter Seeliger dar, steigt die Zahl der Einsätze von Jahr zu Jahr an: Rund 25 000 waren es im vergangenen Jahr im Kreisverband. Zwei Gründe dafür sieht er in der sinkenden Zahl an Krankenhäusern und der zunehmenden Spezialisierung der Kliniken: "Es gibt mehr Transporte". Das ist auch dem medizinischen Fortschritt geschuldet: So sei es heute durchaus üblich, dass nach einem Verkehrsunfall eine Computertomographie gemacht werde. Dazu müssen die Patienten natürlich in Häuser gebracht werden, die über ein derartiges Gerät verfügen. "Die Anforderungen werden immer höher", bestätigt auch Rettungs-Assistent Dominik Schmid, der in diesen Tagen mit einem Kollegen die Frühschicht hat.

Wenn er nach Hause geht, übernehmen Grimm und Kollmer wieder. Dann liegen weitere zwölf Stunden Nachtschicht in der BRK-Rettungswache vor den beiden - und es dauert wahrscheinlich wieder nur wenige Minuten, bis der Alarm zum ersten Mal losheult.

Die Anforderungen werden immer höher.Rettungs-Assistent Dominik Schmid

Sechs Wachen im LandkreisDas Bayerische Rote Kreuz unterhält im Landkreis insgesamt sechs Rettungswachen. In Schwandorf, Nabburg, Oberviechtach, Burglengenfeld, Bruck und Neunburg vorm Wald sind die Retter dort an 365 Tagen rund um die Uhr erreichbar, um schnelle Hilfe im Notfall leisten zu können. Hinzu kommen noch über 100 ehrenamtliche Helfer, die als sogenannte Unterstützungsgruppen gerufen werden, falls es zum Beispiel bei größeren Ereignissen zu Engpässen kommen sollte. Einen wichtigen Dienst zur Unterstützung leisten auch die Helfer vor Ort, die sich laut BRK-Kreisgeschäftsführer Alfred Braun zum überwiegenden Teil auch aus ehrenamtlichen Mitgliedern der Bereitschaften zusammensetzen.

Wie Braun weiter darlegt, sind im Kreisverband rund 60 Personen hauptamtlich beschäftigt. Die Rettungswachen sind grundsätzlich mit zwei Helfern in zwei Schichten besetzt. Die erste Schicht dauert von 7 bis 19 Uhr, die zweite von 19 bis 7 Uhr. Falls eine Helfermannschaft zu einem Einsatz gerufen wird und gleich darauf ein weiterer Notfall gemeldet wird, müssen laut Braun zunächst die öffentlich-rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden. Sprich: Es würden die Mitarbeiter einer anderen, nahe gelegenen Rettungswache alarmiert, bevor schließlich die Unterstützungskräfte zum Einsatz kämen. Der Hilfsdienst soll in der Regel binnen zwölf Minuten am Unfallgeschehen eintreffen.


Notfall-Sanitäter statt Rettungs-AssistentRettungs-Assistenten wird es künftig nicht mehr geben. Wie Rettungsdienstleiter Hans-Dieter Kopf schildert, trägt das Berufsbild künftig laut Gesetz die Bezeichnung Notfall-Sanitäter. Das Kind hat aber nicht nur einen anderen Namen: Damit verbunden sind weitere Qualifikationen und Kompetenzen der Helfer. Die Ausbildung zum Notfall-Sanitäter - das ist die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst - dauert insgesamt drei Jahre. Im Wechsel besuchen die Kräfte laut Rettungsdienstleiter Kopf Krankenhäuser, Schule oder die Rettungswachen. Bei Einsätzen dürfen sie während der Ausbildung aber nur als sogenannter "dritter Mann" mitfahren und werden von Praxisanleitern unterwiesen. Bisherige Rettungs-Assistenten müssen eine Ergänzungsprüfung bestehen, um sich künftig Notfall-Sanitäter nennen zu können.


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