Hohe Bildung, niedriges Niveau

Vermischtes
Schwandorf
01.12.2016
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Seine Anwältin benutzte die Bezeichnung "Jekyll und Hyde". Ein Mensch mit Persönlichkeitsstörung, der sich, ausgestattet mit höherem Bildungsgrad, gerne mal auf niedrigstes Niveau begibt. Dann rastet der 32-Jährige aus, schreibt Mails und SMS der übelsten Art. Eine dieser Nachrichten beschäftigte jetzt das Amtsgericht.

Der Mann lebt nicht mehr in Schwandorf. Er wohnt in einer betreuten Einrichtung und scheint zumindest im Hinblick auf seine Alkoholabhängigkeit auf einem guten Weg. Als die Richterin Petra Froschauer den Lebenslauf erörterte, wurde deutlich: Da saß jemand, der Fremdsprachen beherrscht, sich im Steuerrecht auskennt, einst höhere Schulen besuchte. Dann kam der Absturz: Trunksucht, Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz, Beleidigungen der übelsten Art.

Dutzende SMS-Nachrichten


Im Mittelpunkt stand eine 28-Jährige, die ihre engere Freundschaft mit dem Mann aufkündigte und ab dann zur Zielscheibe von Attacken wurde. Der Angeklagte schrieb Dutzende von SMS-Nachrichten, benutzte Ausdrücke der schlimmsten Art, lauerte der jungen Frau auf und griff sie an. Das Opfer erstattete Anzeige, der Täter wurde vor das Amtsgericht geholt. Dort sagte die 28-Jährige aus. Das führte zu einer Verurteilung ihres Ex-Freundes.

Nicht lange danach bekam die Schwandorfer Polizei eine Mail. In ihr erstattete der Mann Anzeige wegen Falschaussage gegen die Zeugin. Daraufhin kam ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau in Gang. Doch dieser Schuss ging, wenn man so will, buchstäblich nach hinten los. Denn die Staatsanwaltschaft stellte sich auf den Standpunkt: "Das war falsche Verdächtigung."

Deswegen wurde nun verhandelt. Mit einem Geständnis des unterdessen nicht mehr in Schwandorf lebenden Mannes. Allerdings schränkte er ein: "Ich habe sie damals nicht angegriffen und bin juristisch falsch beraten worden." Der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel attestierte dem 32-Jährige volle Schuldfähigkeit. Er habe wohl, so Miedel, mit seiner Anzeige die Frau bewusst in Misskredit bringen wollen.

Dieser Ansicht war auch Staatsanwalt Jan Prokoph. Er beantragte vier Monate Haft mit Bewährung und 80 Arbeitsstunden zum Nutzen der Allgemeinheit. Was Prokoph und auch die Richterin stutzen ließ, war: Heuer im Sommer hatte der Mann erneut begonnen, mit Beleidigungen und Mutmaßungen gegen andere vorzugehen.

Drei Monate mit Bewährung


Verteidigerin Stephanie Bauer sprach sich für eine Geldstrafe aus. Doch diesem Wunsch entsprach die Richterin nicht. Sie verhängte drei Monate mit Bewährung und schickte den 32-Jährigen zu 80 Arbeitsstunden. Ob diese Bewährung hält, wird sich zeigen müssen. Denn irgendwann demnächst wird es einen weiteren Prozess wegen unbeherrscht ausgesprochener Verunglimpfungen geben.

Ich habe sie damals nicht angegriffen und bin juristisch falsch beraten worden.Der Angeklagte vor Gericht
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