Immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt: Junge Frau will die Umkehr schaffen - ...
Mit 19 Jahren schon vor der „letzten Chance“

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Schwandorf
13.08.2016
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Schwandorf/Nabburg. Irgendwie tat einem das schmächtige Mädchen mit dem Rucksack leid. Auf sich allein gestellt seit Jahren, ziellos unterwegs durch ganz Deutschland und mehrfach aufgefallen wegen Eigentumsdelikten. Sie dienten dazu, Hunger und Durst zu stillen.

Ein Jugendschöffengericht ist im Regelfall nicht zur Aburteilung von Ladendiebstählen zuständig. Diesmal schon. Die Angeklagte brachte eine Reihe einschlägiger Vorstrafen mit, ihr musste ein Weg in die Zukunft gewiesen werden. Das tat Richter Hans-Peter Weiß in ebenso umsichtiger Handlungsweise wie klarer Sprache.

Die 19-Jährige mit Wurzeln im nördlichen Kreis Schwandorf hatte heuer im März kurz nacheinander in Nabburger und Schwandorfer Supermärkten Lebensmittel geklaut. Am Ausgang der Läden war Schluss: Käse, Bier und dazu auch eine Flasche Likör hatte sie in ihren Rucksack gepackt. Der Beutewert machte keine 20 Euro aus. "Ich hatte nichts und musste mich ernähren", sagte die Diebin vor dem Jugendschöffengericht. "Likör und Bier aber müssen nicht sein", konterte Richter Weiß.

Mit guten Vorsätzen


Für die Diebstähle gab es ein Geständnis. Der weitaus längere Teil des Prozesses aber drehte sich darum, was die Justiz mit jemandem tun muss, der nahezu permanent mit der Bahn schwarz fährt, in Läden klaut und auch schon gewaltsam in die Wohnung der eigenen Mutter vorgedrungen ist, um dort ein paar Kleingegenstände mitzunehmen. Von daheim vor Jahren rausgeworfen, ist die 19-Jährige nun ins Haus ihrer nicht mehr im Kreis Schwandorf wohnenden Mutter zurückgekehrt. Sie will den Hauptschulabschluss nachholen, strebt die Mittlere Reife an, möchte nach eigenen Angaben ihr bisher unstetes Leben in geordnete Bahnen bringen. Dennoch müsse wirksam eingeschritten werden, befand Staatsanwältin Franziska Wilhelm. Sie hielt es für angebracht, die 19-Jährige acht Monate in eine Jugendstrafanstalt zu schicken. "Ein bereits verbüßter Arrest hat sie nicht beeindruckt", ließ die Anklagevertreterin anklingen.

Das Jugendschöffengericht sah die Dinge anders. Es verhängte sechs Monate mit Bewährung, setzte als Auflage 60 gemeinnützige Arbeitsstunden hinzu und erkannte "erhebliche Reifeverzögerungen". In seiner Urteilsbegründung führte Richter Weiß der jungen Frau vor Augen: "Das ist Ihre letzte Chance. Nutzen Sie diese Möglichkeit zusammen mit dem Bewährungshelfer!"
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