Immer wieder Übergriffe: 39-Jährigem droht eine Haftstrafe
Gewalt kann Justiz nicht dulden

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Schwandorf
22.08.2016
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Amberg/Schwandorf. Wenn jemand glaubt, er müsse permanent andere schlagen, dann schlägt die Justiz irgendwann zurück. Die Frage lautet dann meist: Bewährungsstrafe oder hinter Gitter? Darum geht es nun für einen 39-Jährigen. Er muss einen längeren Haftaufenthalt befürchten.

Er will unter keinen Umständen ins Gefängnis. Doch führt daran beim Berufungsprozess vor dem Landgericht Amberg ein Weg vorbei? Der 39-Jährige bringt Vorstrafen mit, und er stand unter Bewährung, als sich im südlichen Landkreis massive gewalttätige Übergriffe ereigneten.

Was diskutiert werden muss, war bereits vom Schwandorfer Schöffengericht im März ausführlich erörtert worden. Es verurteilte den bereits knasterfahrenen Arbeiter zu einem Jahr und neun Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre verlangt. Das sprach nun in der Verhandlungs-Neuauflage der Kammervorsitzende Gerd Dreßler an und legte dem 39-Jährigen nahe, seinen Einspruch zurückzuziehen. Der Angeklagte aber mochte nicht. Und so begann eine stundenlange Beweisaufnahme.

Es ging neben einer Sachbeschädigung primär um zwei Vorfälle, die von Brutalität gekennzeichnet waren. Im November 2014 wartete der Mann kurz vor Mitternacht in einem dunklen Hauseingang auf einen 25-Jährigen und schlug mit einer Eisenstange auf ihn ein. Das Opfer flüchtete in ein benachbartes Lokal, wurde verfolgt und barsch aufgefordert: "Gib mir mein Geld." Daraufhin bekam der Täter 30 Euro. "Mehr habe ich nicht", erfuhr der Täter. Zusammen mit dem 25-Jährigen ging er dann in dessen nicht weit entfernte Wohnung und soll dort, gleichsam als Pfand für seine noch offenstehende finanzielle Restforderung, mehrere Gegenstände mitgenommen haben. Außerdem demolierte er Einrichtungsgegenstände mit seiner Eisenstange.

Röhrchen oder Stange?


Im April letzten Jahres bekam eine Frau Besuch von dem ihr bekannten 39-Jährigen. In der Wohnung begann er aus nichtigem Anlass zu toben, stieß Drohungen aus, demolierte Sachen. Die Frau (48) rief ihren Sohn an. Als er kam, hatte der Täter gerade das Haus verlassen, fuhr mit dem Rad davon und stieg ab, als der 20-Jährige neben ihm auftauchte. Dann soll es Fausthiebe gesetzt haben. Oder Ohrfeigen. Seltsamerweise konnte sich das Opfer kaum noch an den Übergriff erinnern. Obwohl es bei ihm anfangs zu Sehstörungen gekommen war und später ein gebrochener Weisheitszahn entfernt werden musste.

Das schlechte Gedächtnis von Zeugen war bereits in erster Instanz aufgefallen. Vor dem Landgericht wurde es jetzt abermals deutlich. Argument: "Es ist alles schon so lange her." Doch Richter Dreßler bohrte nach, verlas die Inhalte polizeilicher Vernehmungsprotokolle und bekam zur Antwort: "Wenn es da drin steht, kann es so gewesen sein." Interessant war auch, dass die misshandelten und bedrohten Leute sagten: "Aus heutiger Sicht würde ich keinen Strafantrag mehr stellen."

Auf dem Richtertisch lag ein Metallröhrchen, das der 39-Jährige zum Prozess mitgebracht hatte. Bei dem Stab sollte es sich angeblich um die Eisenstange handeln, mit der seinerzeit bei der Forderung nach Geld zugeschlagen worden war. Eine Zeugin entkräftete das: "Nein. Das war schon eine richtige Stange. Viel länger und dicker."

Nach ganztägigem Prozess musste die Verhandlung vertagt werden. Ein dringend benötigter Zeuge war nicht erschienen. Zur Fortsetzung muss er nun kommen. Dann fällt auch die Entscheidung, ob der Mann möglicherweise seinen 40. Geburtstag hinter Gefängnismauern zubringen muss.
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