Integration gemeinsam angehen

Die Integration jugendlicher Flüchtlinge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie wollen Schule, Arbeitsagentur und Unternehmen nun gemeinsam angehen. Bilder: rid(2)
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Schwandorf
24.02.2016
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Der Diplom-Theologe und Sozialpädagoge Alois Nock spürt in der deutschen Bevölkerung "eine gefährliche Stimmung". Der Leiter der Jugendbildungsstätte Waldmünchen fordert deshalb zur Integration der Flüchtlinge eine konzertierte Aktion, "damit das nicht in die Hose geht".

Um diese Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen, holten die Kammern (IHK und HWK) die Handelnden an einen Tisch: Bildungsträger, Arbeitsagentur und Ausbildungsbetriebe. Politiker hatte man bewusst nicht geladen. Treffpunkt war am Montag die Halle der Firma Horsch. Dort saßen Unternehmer, Pädagogen und Arbeitsvermittler vier Stunden lang zusammen und überlegten sich: "Wie können wir die jugendlichen Flüchtlinge beruflich und gesellschaftlich integrieren". Gastgeber Michael Horsch zeigte gleich zu Beginn seinen guten Willen: "Ich werde im September zehn Jugendliche nehmen". Sind die jungen Leute aber auch ausbildungsfähig?

Neues Modell


Berufsschullehrer Werner Nagler hat da seine Zweifel und richtet den Appell an die Politik: "Wir brauchen in der Schule viel mehr Instrumente". Es reiche nicht, ihnen nur die Sprache beizubringen. Die Jugendlichen müssen sich auch in ihrer sozialen Umgebung zurechtfinden.

187 Schüler besuchen momentan die Übergangsklassen, 78 in der Grundschule, 109 an der Mittelschule. Davon seien 43 "auf dem Sprung in eine Berufsausbildung", so Schulamtsdirektorin Renate Vettori. Sie stellte das neue Modell "Praktikum nach 1" vor, das in Teublitz erprobt werde. Oberstudiendirektor Ralf Bormann wies auf die heterogenen Gruppen an der Berufsschule hin. Das Leistungsspektrum reiche vom Analphabeten bis zum Hochschulstudenten. 160 Millionen Euro werde Bayern in die Flüchtlingsbeschulung investieren und dazu 1079 neue Planstellen schaffen. Modellversuche mit jugendlichen Asylbewerbern kündigte Bormann auch für die Realschulen, Gymnasien und Beruflichen Oberschulen an. Der Schulleiter ist sich darüber im Klaren: "Wenn unsere Gesellschaft stabil bleiben will, müssen wir das Problem in den Griff bekommen". Wolfgang Zwicknagel, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur, informierte über die rechtliche Seite und appellierte an die 35 anwesenden Unternehmer aus dem Landkreis, Flüchtlinge mit einem Praktikum an den Betrieb und an die Region zu binden. Werner Damböck vom Kolping-Bildungswerk hat bislang 32 Jugendliche in 74 Praktika vermitteln können, aufgeteilt auf 41 Betriebe.

IHK-Servicestellenleiter Manuel Lischka kündigte für den 6. April eine "Jobbörse" im CMT-Charlottenhof an. Dort bekommen jugendliche Flüchtlinge Gelegenheit, mit Ausbildungsbetrieben in Kontakt zu treten. (Hintergrund)
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