Josef Vitzthums Holzgeschöpfe
Fröhlicher Hasenaustrieb

Der Osterhase ist das einzige Fabelwesen mit einer ausschließlich freundlichen Aura. Josef Vitzthum lächelt verschmitzt. In allen gesellschaftlichen Bereichen findet der Schwandorfer freundliche Wesen (Hasen) und setzt ihnen ein Denkmal. Bild: Götz
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Schwandorf
11.03.2016
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Die Gesichter sind gleich, mancher spitzt die Ohren, und mancher lässt einen Löffel hängen. Noch etwas ist allen gemein: Sie schauen freundlich - Feuerwehrler, Kardinal, Köche, Ärzte, Musikanten, Bayern-Spieler und Schweizer Garde. Diejenigen, die noch in Arbeit sind, werden genauso nett lachen.

Das eint die Hasen aller Berufsgruppen und ist von Schöpfer Josef Vitzthum so gewollt. Platz nehmen können seine Holztiere auf einer Tisch- oder Stuhlkante genauso bequem wie auf einer Treppe, einer Hausstufe oder einem Bankerl im Garten. Hinter all der Arbeit steckt nicht etwa die Langeweile eines 63-jährigen Rentners, denn Langeweile hat der Schwandorfer beileibe nicht, dazu ist er viel zu umtriebig. An Hobbys mangelt es ihm nicht. Er schnitzt zum Beispiel Krippen und ist momentan "mit einer großen Auftragsarbeit" beschäftigt.

Aber zwischendrin will er was anderes machen und verfolgt akribisch und langmütig seine Philosophie zu den fröhlichen Kameraden mit den langen Ohren. "Der Osterhase ist ein Wesen, das eine gewisse Liebenswürdigkeit ausstrahlt. Er ist das einzige Fabelwesen, das ausschließlich freundlich dargestellt wird." Also hat sich Vitzthum auf die Suche nach dem Osterhasen gemacht. Das war nicht einfach. Nach zeitintensiven Forschungen und Hinweisen sehr gescheiter und weltgewandter Leute, lässt er die Betrachter einer Präsentation wissen, sei er fündig geworden, und zwar genau da, wo er das Fabelwesen am wenigsten vermutet, geschweige denn gesucht hätte - inmitten der Gesellschaft.

Nach dem ersten Verdacht hat er genauer hingeschaut und festgestellt, in allen Bereichen gibt es Wesen, "die diese liebenswürdigen Eigenschaften von Osterhasen besitzen", selbst beim immerwährenden Bayern-Gegner Borussia Dortmund. Das sollen seine nächsten Geschöpfe werden. Etwa einen halben Tag arbeitet er an einem Exemplar. Die Form wird ausgesägt, dann werden die Kanten geschliffen, mit vier Dübeln versehen erhält der Hase seine Sitzstabilität. Anschließend wird er charakteristisch "angezogen" und bekommt das immergleiche Gesicht. Vitzthum setzt sich nicht unter Druck. "Ich arbeite daran, wenn ich Lust habe. Für feine Pinselarbeit brauche ich Muse." Schließlich legt er beim Lackieren Wert auf Detailgenauigkeit, spart nicht an Knöpfen oder Kragen.

Mal schneidet er nur Rohlinge zu, dann dübelt er wieder mehrere Hasen zusammen. Sein Fundus ist inzwischen unerschöpflich, Zwischen 40 und 50 hat er fertig. "100 sollen es werden." So genau legt er sich nicht fest. "Es können auch 103 sein." Von jeder Art macht er meistens drei. Der Mittlere spitzt beide Ohren. Von den Äußeren lässt jeder das jeweils zur Mitte zeigende Ohr hängen. Bei der Blaskapelle sind's ein paar mehr, sonst ist es kein Klangkörper. Der Kardinal und der Bischof wurden im Vatikan von zwei Schweizergardisten begleitet, und schon waren's vier.

Doch das ist Vitzthums geringstes Problem. Seit er eine Ahnung hat, wo sich die Osterhasen verstecken, findet er immer mehr, in vielen Berufsgruppen, Vereinen oder beim Sport, zum Beispiel in der Handball-Nationalmannschaft. Sie hat die Hasenreife bestanden und drei Spieler werden bald bei Vitzthums einziehen - ob noch vor Ostern, ist fraglich.

Der FilmZu Josef Vitzthums Osterhasenprojekt entsteht ein Film. Darin erklärt er seine Osterhasenphilosophie, lässt so manchen Hasen auftreten oder vom Himmel fallen (Fallschirmspringer). Bekannte Zeitgenossen werden nach der Existenz des Osterhasen befragt. Bei einer Osterausstellung in der Sparkasse sollen 2017 die Hasen aufmarschieren. Der Film wird auch gezeigt. (ihl)
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