Kinderbuch zum Thema „Flucht und Heimat“
Amanis Weg nach Deutschland

In interkulturellen Kleingruppen entwickeln die Schüler die einzelnen Szenen für das Kinderbuch. Bild: Hinterberger
Vermischtes
Schwandorf
20.03.2016
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Ein erster Entwurf für das Kinderbuch. Grafik: Laura Pierquin

Es ist ein warmer Frühlingstag. Die Sonne scheint. Amani läuft durch die Straßen ihres Dorfes in Syrien. Sie lacht, ist glücklich und möchte ihren Drachen steigen lassen. So oder so ähnlich könnte das Kinderbuch zum Thema "Flucht und Heimat" beginnen, das die Schüler der FOS/BOS Schwandorf entwickeln.

"Beschreibt die Situation mit allen euren Sinnen", erklärt Katrin Holle vom Regensburger Verlag "neuDenken Media" den 25 Schülern. Der Verlag unterstützt die Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Buchidee. "Wie fühlen sich die Straßen an? Sind sie geteert oder sandig? Stehen vielleicht sogar Leute am Rand und winken dem Mädchen zu?", gibt sie einige Anregungen. In Kleingruppen sind die Jugendlichen gerade dabei, die erste Szene des Kinderbuches zu entwickeln. Jedes Team besteht aus deutschen Schülern sowie Flüchtlingen aus den Übergangsklassen der Berufsschule.

"Das Buch wird von einem Mädchen namens Amani handeln, das seine Heimat verlassen muss und nach Deutschland flüchtet", erzählt Andreas Hollender von "neuDenken Media" die Handlung. Es sei der Gruppe wichtig, zu zeigen, dass das Mädchen vor seiner Flucht ein ganz normales Leben geführt habe - mit Schule, Freunden, Eltern oder auch einem Smartphone.

Grundsätzlich soll das Kinderbuch Amanis Weg aus ihrer Heimat - vermutlich wird sie aus Syrien kommen - bis nach Deutschland zeigen. "Wo hat Amani mit ihrer Familie nachts geschlafen? Welche Route haben sie genommen? Wie schwer war es, ein Boot zu finden, das sie über das Meer bringt?", beschreibt Hollender nur einige der Aspekte, die die Jugendlichen beleuchten wollen. Das soll helfen, Vorurteile bei deutschen Kindern abzubauen.

"Unser Team hat Mitglieder aus Afghanistan, Eritrea oder von der Elfenbeinküste. Wir versuchen, möglichst all diese Kulturen in unserem Buch wiederzugeben", erzählt Schüler Tobias Schanderl. Durch die interkulturelle Zusammenarbeit in den Kleingruppen habe er zum Beispiel gelernt, dass die Kinder in Eritrea auch ihre Freizeit in der Schule verbringen. "Sie gehen nach dem Unterricht heim, essen, und kehren dann zum Spielen zurück in die Schule."

Viele Unterstützer


Finanzieren wollten Schule und Verlag das Projekt ursprünglich über Crowdfunding. "Es haben sich aber unabhängig davon zahlreiche Unternehmen gemeldet, die uns helfen wollen", berichtet Hollender - darunter seien unter anderem ein Lektor und ein Grafiker, die das Team mit ihrem Wissen unterstützen wollen. Dadurch habe sich die ursprünglich benötigte Summe von 15 000 auf 10 000 Euro reduziert.

Mit den 10 000 Euro sollen aber nicht nur für die Produktion sowie die Logistik des Buches finanziert werden. "Wir planen unter anderem einen Ausflug in die Druckerei, damit die Jugendlichen die dortigen Abläufe kennenlernen", sagt Hollender. Schließlich gehe es auch darum, den Schülern verschiedene Berufsperspektiven aufzuzeigen. Zudem fördere ein solcher Ausflug das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe.

Klappt alles wie geplant, wird das Buch - einen endgültigen Titel gibt es übrigens noch nicht - deutschlandweit in einer Auflage von 1000 Stück erscheinen und kostenlos verteilt werden. Ab Sommer 2016 sollen Grundschüler in ganz Deutschland darin lesen können - und zwar in mindestens zwei Sprachen. "Das Kinderbuch soll erst einmal auf Deutsch und Syrisch erscheinen", betont Hollender. Es gebe aber auch die Überlegung, einen Teil der Auflage Deutsch-Arabisch zu drucken.

Geplant sei, dass beide Texte nebeneinander stehen, sodass Kinder beider Nationalitäten das Buch gemeinsam lesen können - um sich so näher kennen- und auch verstehen zu lernen, erklärt Hollender. Dass sie genau das mit ihrer Geschichte erreichen wollen, zeigen die Schwandorfer Jugendlichen übrigens auch in der letzten Szene des Buches: In Deutschland angekommen, sitzt Amani neben einem blonden Mädchen auf einer Bank. Gemeinsam blättern die beiden durch das Kinderbuch aus Schwandorf und erfahren so mehr über die jeweils andere.

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Weitere Informationen:

www.startnext.com/kinderintegrationsbuch
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