Kritik an Schleuderangeboten und niedrigen Fleischpreisen
Bauern-Protest vor Supermarkt

Die Oberpfälzer Bauern befürchten, dass Schleuderpreise in den großen Lebensmittelmärkten ihre Arbeit auf den Höfen zerstören. Bild: hfz
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Schwandorf
29.12.2015
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Führende Mitglieder des Bayerischen Bauernverbandes im Landkreis Schwandorf beteiligten sich an einer Protestaktion in Freystadt (Landkreis Neumarkt). Im Mittelpunkt stand die Kritik an Dumping-Preisen, die auf dem Rücken der bäuerlichen Landwirtschaft angeboten würden.

Vor den Feiertagen seien die Kunden in diesem Jahr nicht nur mit Gänsebraten, Lebkuchen und vielen anderen Festtags-Spezialitäten in die Supermärkte gelockt worden. "In großen Lettern priesen die Handelskonzerne Sonderpreise und Rabattaktionen an", sagte Franz Kustner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes in der Oberpfalz: "Sinkende Erzeugerpreise lassen das Einkommen der Bauernfamilien bereits seit Monaten zusammenschrumpfen. Jetzt setzten die Handelskonzerne ihre skrupellose Preispolitik sogar vor Weihnachten fort. Damit wird der Preiskampf auf die Spitze getrieben."

Ähnlich schwer wiege die fehlende Bereitschaft des Lebensmittelhandels, ausreichend Geld für die "Initiative Tierwohl" bereitzustellen. Gemeinsam hatten die großen Supermarktketten, Bauern und Schlachtwirtschaft 2015 die "Initiative Tierwohl" gestartet. Das Prinzip ist einfach: In den Ställen sorgen die Bauern freiwillig für mehr Licht, mehr Platz oder spezielles Beschäftigungsmaterial. Und der Handel bezahlt den Bauern für diese zusätzlichen Leistungen einen Kostenausgleich aus dem Topf der "Initiative Tierwohl". Die teilnehmenden Handelsunternehmen sammeln dafür seit Januar 2015 vier Cent pro verkauftem Kilogramm Fleisch- und Wurstware ein. Bis Mitte des Jahres hatten sich deutschlandweit über 4 500 Schweinehalter, mehr als 1 000 Hähnchenmäster und rund 350 Putenmäster angemeldet. "Damit haben wir Landwirte bewiesen, dass wir bereit sind, das Tierwohl in unseren Ställen noch weiter zu verbessern, wenn im Gegenzug auch die Kosten dafür getragen werden", betonte Kustner.

Doch das Geld reiche nicht aus. Obwohl viele Betriebe bereits Vorleistungen erbracht haben, landeten sie zum Teil auf einer langen Warteliste: "Wir verhandeln seit sechs Monaten. Doch nach wie vor stimmt der Einzelhandel einer Erhöhung des Finanzierungsbeitrags nicht geschlossen zu. Unsere Anstrengungen für mehr Tierwohl drohen schlichtweg ausgebremst zu werden".
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