Kurioser Fall für die Amtsrichterin - Vor weiterer Verhandlung: Landgerichtsarzt muss sich ...
Ein ganzer Straßenzug auf der Zeugenliste

Vermischtes
Schwandorf
19.12.2015
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Die Bewohnerschaft eines ganzen Straßenzuges musste sich auf den Weg nach Schwandorf machen. Verärgert, zürnend und erbost darüber, dass eine Nachbarin sie "nahezu ständig übelsten Beleidigungen aussetzt." Nun sollten die Attacken beim Amtsgericht geklärt werden.

Die Angeklagte, 63 Jahre alt und mit ihrer betagten Mutter in einem Haus im südöstlichen Landkreis lebend, musste von der Polizei geholt und vorgeführt werden. Als sie dann Platz genommen hatte, brach über die Amtsrichterin Petra Froschauer ein verbales Stakkato herein, das die Juristin nur dann und wann fragend unterbrechen konnte. Es ging um serienweise begangene Beleidigungen, auch sogenannte Nachstellungen durch nächtlichen Telefonterror befanden sich unter den Anklagepunkten.

Draußen vor dem Sitzungssaal warteten unterdessen die Anwohner eines Straßenzuges. Gerne hätten die Leute an diesem Tag als Zeugen ausgesagt. "Denn jetzt", ließ eine ältere Frau genervt anklingen, "muaß endlich a Rouh sein!" Doch ausdiskutiert wurde die Sache nicht. Nach einer knappen Stunde konnten die Leute ungehört wieder gehen. Denn nun wird die auf der Anklagebank sitzende 63-Jährige erst einmal durch den Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel untersucht. Der Mediziner ist auch psychiatrisch gebildet und soll bei einem neuen Prozesstermin im Frühjahr sagen, welche Eindrücke er von der Beschuldigten hat.

Bis zur toten Maus


Beleidigungen übelster Art als Dauerzustand? Telefonterror und -attacken bis weit nach Mitternacht? "Niemals", ließ die Frau auch gleich im Namen ihrer hoch betagten Mutter erkennen. Schimpfworte bis weit unter der Gürtellinie gegenüber sämtlichen Nachbarn? Die Frau, sofort beim Dialog mit der Richterin in Rage geraten, sprach von "Zusammenrottung" all derer, die um sie herum ihre Häuser haben. Die Leute hätten sich, weiß Gott weshalb, gegen sie "verschworen", würden quasi einen verbalen Dauerkrieg führen. Ohne Anlass. Mitten drin sie und ihre Mutter. Unschuldig ins Visier genommen. Ständig mit der Abwehr von Widrigkeiten beschäftigt.

Nur mühsam gelang es der Richterin Erkundigungen darüber einzuziehen, ob denn auch aus dem Mund der 63-Jährigen Schimpfworte gefallen seien. Gelegentlich schon, räumte die Angeklagte ein. Doch das sei gewissermaßen in einer Art Notwehrlage geschehen. Zum Beispiel dann, "als man uns eine tote Maus in den Briefkasten gelegt hat." Die Palette der benutzten Schmährufe war vielfältig und ging überwiegend in oberpfälzischer Mundart vonstatten. Darunter war aber angeblich auch sehr leicht Verständliches zu vernehmen.

"Was die mich nennen, gib ich z'ruck", erfuhr die Vorsitzende und hörte ferner, dass die gesamte Nachbarschaft so tue, "als wenn sie die Engerl wär'n". Doch das, ließ die 63-Jährige erkennen, habe sie längst durchschaut. Und von daher den Leuten angekündigt: "Ich treib' euch noch zum Meineid." An diesem Punkt brach die Richterin ab und entschied, dass nun erst einmal ärztlich begutachtet werden müsse. Indessen herrschte unter unbeteiligten Beobachtern des Prozesses Einigkeit: "Dort zu wohnen, muss eine schwere Strafe sein."

Kontakt kaum vermeidbar


Als die Zeugen unvernommen gingen, wurde der Richterin klagend vorgetragen: "Jetzt haben wir nichts zu lachen." Ihr guter Rat: "Gehen Sie sich aus dem Weg." Doch das dürfte schwierig werden. Wo doch bisweilen über den Zaun hinweg der Gartenschlauch zum Einsatz kommt.
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