Landkreis wird zur Pilotregion für Bereitschaftsdienste
Schwandorf baut Druck ab

Nicht nur zu den normalen Sprechzeiten müssen Ärzte zur Verfügung stehen. Der Bereitschaftsdienst in Bayern wird wohl neu geregelt werden. Erste Modellregionen sollen Zahlen liefern. Archivbild: dpa
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Schwandorf
20.07.2016
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Der Landkreis Schwandorf wird zur Pilotregion - zumindest, was die Gestaltung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes angeht. Im Oktober läuft ein völlig neues Modell an.

Schwandorf/München. Im Moment laufen zwar noch die Verhandlungen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) mit den Kliniken. Doch KVB-Pressereferentin Birgit Grain in München gibt sich zuversichtlich: "In der ersten Oktoberwoche soll das Projekt starten."

Der Landkreis Schwandorf wird dann gemeinsam mit dem Landkreis Cham zur "Pilotregion". Von Ensdorf im Westen bis Lohberg im Osten, von Wernberg-Köblitz im Norden bis Ponholz im Süden reicht das Gebiet des Testlaufs. Der Plan der KVB sieht in dieser Region insgesamt drei neuartige "Behandlungszentren" vor. Sie sollen an den Krankenhäusern in Cham, Schwandorf und Oberviechtach entstehen.

Zentrale Anlaufstelle


Von dort aus werden künftig zum einen die Bereitschaftsärzte zu Hausbesuchen gefahren. Zum anderen sind die zentralen Bereitschaftspraxen Anlaufstelle für alle Patienten, die außerhalb der normalen Sprechstunden akute, aber nicht lebensbedrohliche gesundheitliche Probleme haben.

"Viele Leute fahren inzwischen bei Beschwerden gleich ins Krankenhaus, ohne zuvor den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu verständigen," sagt Grain. Das habe örtlich zu nicht mehr hinnehmbaren Belastungen der Notaufnahmen geführt. Den eigentlichen Ausschlag für eine Neugestaltung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hat jedoch ein anderes Problem gegeben: Gerade in den ländlichen Regionen Bayerns waren immer weniger Ärzte bereit oder in der Lage, die Dienstzeiten abzudecken. Zwar habe der Bereitschaftsdienst nirgendwo Lücken aufgewiesen, trotzdem müsse "im Sinne von Ärzten und Patienten jetzt aber eine Reform erfolgen", betont Grain.

Im extremsten Fall hätten niedergelassene Mediziner zusätzlich zur normalen Arbeit in der Praxis acht Wochen Bereitschaftsdienst pro Jahr zu leisten gehabt. Das habe vor allem junge Ärzte abgeschreckt und häufig sogar die Übernahme von Landarztpraxen verhindert.

Das neue Modell entlaste in mehrfacher Hinsicht. Daran könnten auch sogenannte "Poolärzte" teilnehmen, die bisher ausgeschlossen seien, wie Ärzte mit Privatpraxis, in Elternzeit oder Klinikpersonal. In der seit Oktober 2015 bestehenden Testregion Straubing/Dingolfing habe sich das bereits bewährt, betont Grain. "Poolärzte" stellten dort 20 Prozent der Bereitschaftsdienst Leistenden.

Ärztlicher BereitschaftsdienstDer ärztliche Bereitschaftsdienst ist zu unterscheiden von der notärztlichen Versorgung. Bei schweren Unfällen und lebensbedrohlichen Erkrankungen ist stets der Notarzt unter der Rufnummer 112 zu verständigen.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst hingegen stellt lediglich die ambulante ärztliche Versorgung außerhalb der üblichen Sprechstunden der Praxen sicher. Erreichbar ist er unter der bundesweit einheitlichen kostenfreien Rufnummer 116 117.

Bislang gewährleisten niedergelassene Kassenärzte in Bayern diese Versorgung. Sie empfangen die Patienten dezentral in ihren eigenen oder von Kollegen zur Verfügung gestellten Praxisräumen. Bei Hausbesuchen sind die Bereitschaftsärzte im eigenen Fahrzeug unterwegs.

Das von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns zurzeit erprobte neue Modell sieht hingegen die Einrichtung zentraler Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern vor. Von der Bereitschaftspraxis können die Patienten im Einzelfall direkt an die Notaufnahme weitergeleitet werden. Auch bei Hausbesuchen ändert sich einiges: In den Testregionen gibt es nun einen Fahrdienst. Das Fahrzeug stellt die KVB, der Fahrer muss eine medizinische Grundausbildung haben. Im Allgäu zum Beispiel chauffieren Rettungssanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes den Bereitschaftsarzt.

In den Kreisen Schwandorf und Cham läuft noch die Ausschreibung für den Fahrdienst. Dieser, sagt die KVB-Pressereferentin Birgit Grain, komme bei den Ärzten im Allgemeinen sehr gut an. Die Pilotstudie läuft über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren in ganz Bayern und wird anschließend ausgewertet. (m)
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