Lange Haft für Dealer-Duo
Mit Marihuana und Crystal im großen Stil gehandelt

Große Mengen Marihuana und Crystal (Bild) verkauften zwei Männer aus Schwandorf im gesamten Bundesgebiet. Sie wurden nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (Foto: Gerhard Götz)
Vermischtes
Schwandorf
06.01.2016
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50 Gramm Crystal Speed holten Amberger Zivilfahnder aus einem Kofferraum. Kein allzu großer Fall scheinbar. Was daraus wurde, geriet zur Lawine. In den Akten der Ermittler standen ganz zum Schluss 14,5 Kilo Drogen, die von Schwandorf aus drei Monate lang im ganzen Bundesgebiet verhökert wurden.

Amberg/Schwandorf. Der Mann auf der Anklagebank packte aus. Er hatte jede Kleinigkeit im Gedächtnis und schilderte eine Stunde lang, wie das zwischen Dezember 2014 und März 2015 zuging, als nahezu ständig neue Lieferungen aus der Tschechischen Republik in Schwandorf eintrafen. Sehr zum Unwillen seines neben ihm vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg sitzenden Freundes. Denn der hätte lieber geschwiegen zu einem Rauschgifthandel, der nach Einschätzungen des Staatsanwalts Tobias Kinzler mit neun bis zehn Jahren Haft hätte ausgehen können.

Die beiden Männer, 28 und 29 Jahre alt, hatten in Schwandorf eine gemeinsame Wohnung. Von dort aus starteten sie zu Fahrten ins Nachbarland Tschechien. Nicht weit von Selb entfernt wurde ein gewisser Miroslav aufgesucht, der Drogen beschaffen und liefern konnte. Miroslav wurde bar bezahlt, zwei Tage später kam er mit seiner heißen Ware nach Schwandorf. Pünktlich, zuverlässig, immer mit einem Kleinkind im Auto und mit Rauschgift im Reservereifen. Als später Amberger Kripofahnder einen Strich unter ihre Nachforschungen zogen, standen da 2,8 Kilo Crystal Speed und 23 Pfund Marihuana.

Wie ein Bestell-Service


Das "Auslieferungslager" befand sich im Schwandorfer Hochrainviertel. Von dort aus entwickelte sich über drei Monate hinweg eine Art Bestell-Service für Kunden bis hinauf ins Saarland. Sehr einträglich für die beiden "Großhändler". Sie hatten Crystal Speed für 15 Euro pro Gramm von dem Tschechen Miroslav angekauft und verhökerten es für 50 bis 70 Euro pro Gramm. Marihuana wurde für 3,30 Euro aus Tschechien angefordert und brachte im Verkauf das Doppelte. Rund 150 000 Euro seien dabei eingenommen worden, bilanzierte der Staatsanwalt. Die Gelder flossen später offenbar weitgehend in Spielautomaten.

Die Geschäfte liefen gut, unentdeckt und gewinnbringend. Bis Amberger Zivilfahnder am 17. März letzten Jahres in Schwandorf einen Leihwagen mit Münchener Kennzeichen kontrollierten. Sie fanden 50 Gramm Crystal Speed im Kofferraum und nahmen den am Steuer sitzenden 28-Jährigen fest. Danach ereignete sich etwas, das so noch nie passierte. Während der 29-jährige Beifahrer flüchtete, legte sein am Steuer sitzender Kumpel ein Geständnis ab, das völlig ungewöhnlich war: Der Mann schilderte spontan, wie die Deals mit dem tschechischen Partner abliefen, nannte Käufer und formte so einen Fall, der keinesfalls als Bagatelle in die Akten geriet. Er kam in U-Haft. Vier Wochen später war auch sein Freund hinter Gittern.

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber hatte fünf Verhandlungstage eingeplant. Doch der Prozess war nach acht Stunden beendet. Der 28-Jährige wiederholte sein Geständnis, auch sein Komplize brach das Schweigen und ließ erkennen: "So war es." Für diese Zugeständnisse hatte es vorher Zusicherungen der Kammer gegeben: Vier bis fünf Jahre für den 28-Jährigen, sechseinhalb bis sieben Jahre für seinen Mittäter.

Noch am Abend des ersten Verhandlungstages wurde das Urteil gesprochen. Der 28-Jährige muss vier Jahre hinter Gitter, sein Freund bekam sechseinhalb Jahre. Beiden wurde von der Strafkammer eine längerfristige Drogentherapie zugestanden. Sie hatten, wie sich herausstellte, regelmäßig Crystal Speed konsumiert. Mit dieser Entscheidung entsprachen die Richter weitgehend den Anträgen von Staatsanwalt Tobias Kinzler sowie der beiden Anwälten Emre Hizli (Nürnberg) und Dr. Gunter Haberl (Schwandorf). In ihrer Urteilsbegründung sagte Richterin Stöber: "Der gesamte Fall wäre ohne die Angaben des 28-Jährigen nie in seinem gesamten Umfang aktenkundig geworden." (Hintergrund)
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