Lange Haft nach Skype-Sex

Vermischtes
Schwandorf
17.03.2016
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Es bleibt dabei: Der Mann muss fast fünf Jahre hinter Gittern zubringen. Er hatte im Internet Verbindungen zu Mädchen gesucht und sie dann unter Drohungen dazu veranlasst, sexuelle Wünsche über eine Skype-Verbindung zu erfüllen.

Amberg/Schwandorf. Das Vorgehen war von der übelsten Sorte. Bei einem Prozess vor dem Amberger Schöffengericht hatte sich im August letzten Jahres herausgestellt, dass der heute 29-Jährige aus dem Kreis Schwandorf sowohl den Computer in seinem Elternhaus als auch den PC seiner damaligen Freundin dazu nutzte, Kontakte zu Schülerinnen anzubahnen. Als ihm das gelungen war, versprach er seinen minderjährigen Opfern sogenannte "Coins", wenn sie teilweise Kleidungsteile ablegen und sich ihm so über die hergestellte Skype-Verbindung zeigen würden.

Geständnis in Erstinstanz


Irgendwann waren bei den Mädchen Grenzen überschritten. Sie mochten nicht mehr mitmachen und wurden bedroht: "Dann stelle ich die Bilder ins Internet." Oder sie erfuhren: "Dann sperre ich deinen PC." Daraufhin taten sie das, was der Mann verlangte: Die 12- und 13-Jährigen stellten sich - um nur zwei Beispiele zu nennen - nackt unter die Dusche und mussten Gürtel holen, um sich selbst damit zu würgen. Bizarre Sex-Spiele von nahezu unbeschreiblicher Art liefen ab.

In dem Verfahren ging es ferner um rund 50 000 kinderpornografische Dateien, die von Kriminalbeamten bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden waren. Sein in erster Instanz unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgtes Geständnis führte dazu, dass es für den 29-Jährigen vor dem Schöffengericht insgesamt "nur" vier Jahre und neun Monate Haft gab. Auf die Vernehmung der im ganzen Bundesgebiet wohnenden Opfer hatte man wegen der vom Angeklagten gemachten Angaben verzichten können. Das Urteil bestand seinerzeit aus zwei einzelnen Ahndungen.

Berufung ohne Erfolg


Danach gingen sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft in Berufung. Das führte nun zu einer Neuauflage des Prozesses vor der Dritten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Dort hoffte der 29-Jährige darauf, dass man zumindest eine der Ahndungen zur Bewährung aussetzen werde. Doch dieser Wunsch, vorgetragen von Verteidiger Michael Haizmann (Regensburg), ging ins Leere.

Zur Bewährung bestehe kein Anlass, ließ der Kammervorsitzende Gerd Dreßler zum Prozessauftakt wissen und fügte hinzu, man könne durchaus verhandeln, unter Umständen auch die über Internet attackierten Mädchen als Zeuginnen vernehmen. Dann allerdings sei die Möglichkeit einer höheren Strafe als die erstinstanzlich verhängten knapp fünf Jahre nicht auszuschließen.

Kurz danach war der Berufungsprozess beendet. Nach einer Rücksprache mit Anwalt Haizmann nahm der 29-Jährige seinen Einspruch zurück. Das tat auch Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier. Bisher saß der Beschuldigte 14 Monate in U-Haft. Nun schließen sich die Gefängnistore endgültig für längere Zeit hinter ihm.
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