Laura Groß verbringt drei Monate in Namibia
Dürre und viel Armut

Laura Groß ist dank der Friedrich-Ebert-Stiftung für drei Monate in Namibia und nimmt am Subsahara-Medienprogramm teil. Bild: hfz
Vermischtes
Schwandorf
12.08.2016
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Laura Groß ist ihr politisches Engagement quasi in die Wiege gelegt worden. "Ich bin durch meine politisch und geschichtlich sehr interessierten Eltern mit einem Interesse an solchen Themen aufgewachsen", sagt die 24-Jährige. Nun verbringt sie drei Monate in Namibia und kämpft für Meinungsfreiheit und Informationszugang.

Schon am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Schwandorf belegte die Haselbacherin Deutsch, Geschichte und Sozialkunde als Leistungskurse. 2011 startete sie mit dem Bachelor-Studium in Staatswissenschaften an der Universität in Passau. Ihr Fokus lag auf der internationalen Politik. Bevor sie mit dem Master beginnt, wollte sie noch weitere Auslandserfahrung sammeln. "Da ich die historische Verbindung zwischen Deutschland und Namibia interessant fand, sehen wollte wie deutsch Namibia noch ist und welche Einflusse noch hier sind, habe ich mich für dieses Land entschieden", erzählt sie.

Groß ist für drei Monate im Subsahara-Medienprogramm der Friedrich-Ebert-Stiftung und arbeitet an einem Migrations-Projekt in Afrika. "Das Büro arbeitet unter anderem zur Verbesserung des Grundrechtes auf Informationszugang und unterstützt diverse Kampagnen im Bereich der Rechte von Journalisten und Meinungsfreiheit", erzählt Groß.

Namibia gelte als eines der stabilsten und friedlichsten Länder in Afrika mit einer hohen Medienfreiheit. Trotzdem gebe es große Unterschiede zu Deutschland. In Namibia herrsche sehr viel Armut, es gebe viele HIV-Infizierte. Die Zustände in den vielen Slums seien wirklich schlimm, es herrsche eine schlimme Dürre, dazu kämpfen die Menschen gegen die Misswirtschaft der Regierung. Auf der anderen Seite sagt die 24-Jährige: "Die Landschaft ist unglaublich vielfältig und sehr beeindruckend."


Die vielen Blechhütten zeugen von den ärmlichen Verhältnissen, die in Hakahana, einem Außenbezirk der Hauptstadt Windhuk, herrschen. Bild: Laura Groß

Verbrechen aufarbeiten: Aktuelle Verhandlungen zur Anerkennung des Genozids


Angestoßen durch die Anerkennung des Armenier-Genozides durch den Bundestag hat sich die Öffentlichkeit erneut mit der Aufarbeitung deutscher Kriegsverbrechen beschäftigt. Denn obwohl die Mehrheit der Historiker sich darüber einig ist, dass die Deutschen den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts verübt haben, hat die Bundesregierung lange keine offizielle Entschuldigung und Anerkennung der Ereignisse ausgesprochen.

Bereits 2004 hatte sich die damalige Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Heidemarie Wieczorek-Zeul für die Taten entschuldigt. 2012 beantragte der damalige SPD-Fraktionschef, Frank-Walter Steinmeier, im Bundestag den Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 als ein Kriegsverbrechen und Völkermord zu bezeichnen. Dieser Sprachgebrauch wurde 2015 auch von Bundestagspräsident Norbert Lammert übernommen. In diesem Sinne wurde der CDU-Politiker Ruprecht Polenz als Unterhändler der Bundesregierung nach Namibia entsendet, um sich dort mit Vertretern der Regierung sowie der verschiedenen Volksgruppen zu treffen.

Mit Regierung verhandeln


Bei seinem Besuch im Juli wurde erneut bekannt, dass einige Herero-Führer direkt mit der Bundesregierung verhandeln möchten. Diese waren auch über die Jahre hinweg immer wieder in Deutschland, die Verhandlungen brachten aber kein Ergebnis. Die beiden Regierungen haben sich aber darauf geeinigt, die Gespräche nur zwischen den Vertretern der souveränen Staaten zu führen.

Am 10. Juli war in der deutschen Presse zu lesen, dass die Bundesregierung das erste Mal in einem offiziellen Dokument das Wort Völkermord verwendet habe und plane, sich bei der namibischen Regierung zu entschuldigen. Außerdem gab es Berichte, dass die Deutschen die Verhandlungen beschleunigen wollen, um nicht von den Bundestagswahlen 2017 eine Zwangspause auferlegt zu bekommen. Denn es ist zu erwarten, dass in der Konsolidierungsphase der neuen Bundesregierung die Verhandlungen auf Eis gelegt werden. Außerdem hat die Bundesregierung verlauten lassen, dass sie einen "Zukunftsfonds" einrichten will und "die Begriffe Reparationen und Wiedergutmachungen nicht auf den historischen Hintergrund und den Kontext der deutsch-namibischen Gespräche passen."

Kritik vom Präsidenten


Dazu erfolgte der Hinweis der deutschen Botschaft in Windhuk, dass der Tatbestand des Völkermordes, da er erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurde, keine Rechtsfolgen entfalten könne. Gebunden an die Regeln der Rechtsstaatlichkeit dürfe eine Tat, die vor der Ratifizierung eines Gesetzes begangen wurde, nicht rückwirkend verurteilt werden. Auch hier gilt der Grundsatz "nullum crimen, nulla poena sine lege", also kein Verbrechen und keine Strafe ohne Gesetz.

Die Vorwegnahme der Ergebnisse sowie der Zeitdruck wurden von namibischer Seite kritisiert. Die deutschsprachige Zeitung in Namibia "Allgemeine Zeitung" berichtete, dass Präsident Geingob die deutschen Vertreter dafür kritisiert habe, ohne Absprache mit der namibischen Seite Inhalte der Verhandlungen an die Presse gegeben zu haben.

Friedrich-Ebert-StiftungDie Friedrich-Ebert-Stiftung ist die älteste politische Stiftung Deutschlands. Benannt ist sie nach Friedrich Ebert, dem ersten demokratisch gewählten Reichspräsidenten. Als parteinahe Stiftung orientiert sich ihre Arbeit nach eigener Aussage an den Grundwerten der Sozialen Demokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Weitere Informationen: www.fes.de

Hochzeit in herrlicher Landschaft: Quer durch Namibia

Ein Reisebericht von Laura Groß

8000 Kilometer Luftlinie südlich von Schwandorf liegt Windhuk, die Hauptstadt Namibias. Unsere Fahrt aus der Stadt ermöglicht uns den Blick auf Wellblechhütten und die hügelige Landschaft, in die die 325 000 Einwohner Stadt eingebettet ist. Auf dem Weg Richtung Norden sehen wir am Straßenrand immer wieder freilaufende Kühe und Ziegen, Warzenschweine und Affen.


Bei der Herero-Hochzeit tragen die Frauen traditionelle Kleidung. Die bunten Kleider und Hüte sind an das viktorianische Zeitalter angelehnt. Bild: Lisa Rester

Während der dreistündigen Fahrt in den Norden wird das Land flacher mit vereinzelten Bergen und mehr grünen Bäumen. Unser Ziel: der Waterberg. Wir kommen um 19 Uhr dort an, es ist bereits seit eineinhalb Stunden dunkel, denn Juli ist hier tiefster Winter. Bei der Einfahrt in den Nationalpark versperren uns drei Nashörner den Weg. Aber wir haben hier gelernt Ruhe zu bewahren und zu warten. Eine Viertelstunde später beschließen die Dickhäuter, sich wieder ins Gebüsch zurückzuziehen, wir können weiterfahren und bei fünf Grad endlich unser Zelt aufschlagen.

Zu Gast bei Hochzeit


Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang beschert uns der Aufstieg auf das Waterberg-Plateau am Morgen einen herrlichen Ausblick auf die roten Sandsteinformationen und die Ausläufer der Kalahari-Wüste. Neben bunten Vögeln, Stachelschweinen und der Landschaft hat der Nationalpark für geschichtlich Interessierte aber noch etwas anderes zu bieten: Das Schlachtfeld, auf dem 1904 die deutsche Schutztruppe gegen die Herero gekämpft hat, ein Stück deutscher Kolonialgeschichte.

Anderer Ort, andere Zeit: Durch eine Kollegin bekommen meine Freundin Lisa Rester - sie ist auch Schwandorferin und wegen eines Schulprojektes in Windhuk - und ich die Möglichkeit, im Osten des Landes an einer Herero-Hochzeit teilzunehmen. Nach fünf Stunden Fahrt auf der Ladefläche eines Pick-Ups mitsamt Gepäck kommen wir an. Vieles ist hier anders, als wir es gewohnt sind: Kein Strom, keine Toiletten. Die Gäste zelten im roten Sand.

Viele Bräuche und Segenswünsche sind mit Kühen verbunden, dem Zentrum der Kultur. Die Hereros essen viel und gerne Fleisch - wenn sie es sich leisten können. Auch wenn Rindfleisch eines der wenigen Dinge ist, die in Namibia billiger sind als in Deutschland. Auch die besondere Kleidung, die an die viktorianische Zeit angelehnt ist, erinnert an die Kuh: die Hüte der Frauen ähneln Hörnern. Vom Schlachten, dem Austausch von Kühen zwischen den Familien des Brautpaares, dem gemeinsamen Vorbereiten des Essens und dem Singen können wir viele neue Eindrücke sammeln. Nicht zu vergessen ist die durchaus lehrreiche Erfahrung als Weiße erstaunte Blicke zu ernten. Wir werden auch darauf hingewiesen, dass die Menschen es doch sehr interessant fänden, dass wir beim Kochen mit anpacken. Dass Weiße arbeiten, finden sie überraschend.

Korruption und Dürre


Zusätzlich zum vorhandenen Rassismus beider Seiten, einem Vermächtnis des südafrikanischen Apartheidssystems, sieht sich die Regierung mit einer Arbeitslosenquote von um die 28 Prozent sowie einer HIV-Infektionsquote von 13 Prozent und einer Analphabetenrate von 15 Prozent der Bevölkerung konfrontiert. Trotz wesentlich geringerem Einkommen sehen sich die Namibianer mit ähnlich hohen Lebenshaltungskosten wie in Deutschland konfrontiert. Durch Korruptions-Skandale, mangelnde Lösungen für die aktuelle Dürre, fehlende demokratische Strukturen und zu geringe Fortschritte in der Bekämpfung extremer Armut, gerät die Regierungspartei SWAPO immer stärker in die Kritik. Trotzdem dominiert die Partei, die 1990 nach jahrelangem Kampf gegen die südafrikanische Besatzung die Unabhängigkeit herbeigeführt hat, die namibische Politik.

Nach wie vor ist das Land nicht nur landschaftlich sehr heterogen, sondern auch immer noch stark von den zwölf sehr unterschiedlichen Volksgruppen geprägt. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ist das Leben in Namibia wesentlich sicherer, die Infrastruktur ist verhältnismäßig gut, es gibt in Windhuk nette Einkaufsmöglichkeiten und das Angebot für Touristen ist sehr gut ausgebaut. Namibia ist wegen seiner Vielfalt als Reiseziel empfehlenswert.

Es gibt viel zu sehen: Ausflüge zu den einheimischen Völkern der Himbas und San, die Atlantikküste mit ihren großen Robbenkolonien, Delfinen und Walen. Die Städte Swakopmund und Lüderitz zeigen noch ihre koloniale Geschichte, die Namib im Westen gilt als älteste Wüste der Welt. Dort kann man bestaunen wie die Wüste direkt am Meer endet. Von den Dünen aus bieten sich atemberaubende Ausblicke.
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