Mädchenrealschule St. Josef
Nach 100 Jahren jünger denn je

"In den hundert Jahren wurde etwas Wertvolles geschaffen", versicherte Schulleiterin Marlies Hoffmann (am Pult) beim Festakt zum Jubiläum der Mädchenrealschule St. Josef. Bilder: Götz (6)
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Schwandorf
16.10.2016
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Festakt 100 Jahre Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf. Bild: Gerhard Götz

"Sie ist die Perle unter den katholischen Schulen Bayerns", urteilte Dr. Andreas Hatzung. Gemeint war die Mädchenrealschule St. Josef. Und Hatzung muss es wissen. Immerhin ist er der Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern. Aber auch die anderen Redner hatten jede Menge Lob zum "100-Jährigen" der Bildungseinrichtung parat.

Gegründet 1916 in den schweren Zeiten des Ersten Weltkriegs, hatte die Schule im Laufe ihrer Geschichte einige Tiefschläge zu verkraften, aus denen sie jedes Mal wie der Phoenix aus der Asche aufgestiegen ist. Dass Schule, Kirche und zugehöriges Nonnenkloster damals überhaupt nach Schwandorf kamen, hatte mit der ablehnenden Haltung der Städte Weiden und Amberg zu tun. Die wollten die Neuansiedlung nicht, aber Schwandorf empfing die Dominikanerinnen mit offenen Armen. Ein Glücksgriff, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Gefeiert wurde das Jubiläum "100 Jahre Mädchenrealschule" den ganzen Samstag über. Begonnen hat der Tag mit einer Pontifikalmesse mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der schuleigenen Kirche St. Josef, anschließend fand ein Festakt in der Sporthalle statt - gefolgt von einem Büfett für die Ehrengäste und einem gut besuchten Tag der offenen Tür, bei dem sich die Schule unter der Leitung von Realschuldirektorin Marlies Hoffmann als moderne und einladende Einrichtung präsentierte.

Bemerkenswert am Festakt waren nicht nur die künstlerischen Beiträge der Schülerinnen als Musikerinnen, Tänzerinnen und Akrobaten, sondern vor allem der multimediale, historische Rückblick. Er warf mit den Mitteln des Theaters, der Projektion, des Schattenspiels, der Musik und anderer Formen Schlaglichter auf die vergangenen 100 Jahre der Schule, die zwei Mal vor dem Ende stand. Zuerst 1945, als im April der verheerende Bombenangriff auf Schwandorf 70 Prozent von Schule, Kirche und Kloster vernichtete. Der Aufbauwille manifestierte sich zwei Jahre später, als mit 70 Mädchen erneut der Unterricht begann. "Jetzt sind es über 440 Schülerinnen und 33 Lehrkräfte", informierte Ministerialdirektor Herbert Püls, der die Festansprache hielt.

"Schule darf nicht sterben"


Der zweite Tiefschlag, von dem sich die Schule erholen musste, erfolgte 2002. Schulwerkdirektor Dr. Andreas Hatzung erinnerte in seinem Beitrag an den November jenes Jahres, als die Dominikanerinnen planten, die Schulträgerschaft aufzugeben. "Ich war damals wie vom Donner gerührt", gestand er und benannte die darauf folgende Devise: "Diese Schule darf nicht sterben."

Wie man weiß, dauerte es ein Jahr, bis die Krise überwunden war. Die Schulstiftung der Diözese Regensburg sprang schließlich als neuer Träger ein und mit finanzieller Hilfe des Landkreises Schwandorf wurde aus der Mädchenrealschule der Dominikanerinnen die moderne Mädchenrealschule St. Josef der Schulstiftung der Diözese Regensburg.

"Schwandorf darf sich glücklich schätzen, in seiner bunten Schullandschaft diese Schule zu haben", versicherte der katholische Stadtdekan Hans Amann, "denn diese Schule besitzt nach wie vor eine hohe Anziehungskraft". Amann wies auch darauf hin, dass dort nicht nur katholische, sondern auch zahlreiche evangelische und muslimische Mädchen unterrichtet werden. In ein ähnliches Horn stieß Domkapitular Johannes Neumüller, der Direktor der Schulstiftung, der zu dem Festakt eingeladen hatte. Ein Ziel der Schule sei, "die Pluralität der Welt mit dem Glauben zu verbinden".

Nach Beiträgen von Oberbürgermeister Andreas Feller und dem stellvertretenden Landrat Joachim Hanisch schloss Schulleiterin Marlies Hoffmann den Reigen der Ansprachen und betonte, die Mädchenrealschule sei ein "Haus mit offenen Türen, das Einheit in Vielfalt ermöglicht". (Hintergrund)

Die Schule steuert seit 100 Jahren einen wertvollen Beitrag zur Mädchenbildung in der Region bei und sie hat es immer verstanden, mit der Zeit zu gehen und sich weiter zu entwickeln. Sie ist eine moderne Schule, die überaus geschätzt wird.Herbert Püls, Ministerialdirektor im Staatsministerium für Unterricht und Kultus


HintergrundEin besonderes Kompliment galt den Schülerinnen Franziska Ziegler (10a), Inara Özkalayci (9c) und Lorena Helm (8c), die humorvoll und gekonnt durch das Mammut-Programm führten, sowie Marlies Hoffmann, Thomas Tezzele, Birgit Weigert, Irmgard Bink und Janett Vetter, die den kurzweiligen und informativen Rückblick erarbeitet haben.

Irmgard Bink hat überdies eine lesenswerte Festschrift verfasst, die es beim Tag der offenen Tür zu kaufen gab. Solistische Beiträge lieferten Annika Weigl, Simone Zinnbauer, Stefanie und Marina Dotzler; Schülerinnen der Klasse 8c tanzten und die Gesangsformation Voiced sang moderne geistliche Lieder. Ihre guten Wünsche für die Zukunft formulierte Andrea Schindler für die ehemaligen Schüler, Daniela Amrein als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Schülersprecherin Elenor Korb, Elternbeirat Sebastian Gehmacher, Juliane Ried vom Förderverein, sowie die jüngste Schülerin, Melissa Ligini. (td)
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