Mammut-Prozess um gestohlene Maschinen und Fahrzeuge geht weiter - Gericht addiert die ...
Stichhaltige Beweise herausfinden

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Schwandorf
13.04.2016
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Amberg/Schwandorf. Die Kleinarbeit bleibt der Großen Strafkammer nicht erspart. Sie arbeitet sich mühsam durch einen Prozess, dessen Hürde darin besteht, dass der mutmaßliche Täter schweigt. Ihm werden Einbrüche und Diebstähle in ganz Ostbayern vorgeworfen.

Dutzende von Zeugen, stapelweise Unterlagen, dicke Aktenordner. Alles dreht sich um das kleine Dorf Lisov unweit der tschechischen Kleinstadt Stod. Dort standen auf dem sechs Fußballfelder großen Gelände eines Sägewerks viele Fahrzeuge, Geräte und Werkzeuge, als letztes Jahr im Juni die Kripo mit einer grenzüberschreitenden Aktion tätig wurde (wir berichteten). Zu dieser Zeit saß der 40-jährige Inhaber des Sägewerks bereits in deutscher U-Haft. In der Nacht zum 9. Juni 2015 hatte man den Tschechen zwischen Stadlern und Schönsee festgenommen. Er saß am Steuer eines Unimogs, der 2013 beim Einbruch in eine gemeindeeigene Halle in Geiersthal (Kreis Regen) gestohlen worden war.

Bei den Leuten, die nach Amberg zum Landgericht als Zeugen geladen sind, handelt es sich großteils um Geschädigte. Keiner von ihnen, so hat sich bisher ergeben, ist unmittelbarer Tatzeuge. Die Richter hören, welche finanzielle Schäden bei den einzelnen Diebstählen und Einbrüchen entstanden. Sie sichten Rechnungen und mitunter auch Versicherungsunterlagen. Mühsame Arbeit, die allein dem Zweck dient, eine tatsächlich existierende Gesamtsumme unter den Bilanzstrich zu bekommen. Überschlägig geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift von 220 000 Euro aus.

Wichtig für die Strafkammer ist bei ihren Befragungen, ob die Fahrzeuge bei den Durchsuchungen in Lisov wieder auftauchten. Gewiss ist unterdessen: Nicht nur in Teilen Tschechiens hatte es sich herumgesprochen, dass der bisher beim Prozess in Amberg wortkarge Sägewerksbesitzer offenbar mit Diebesgut handelte und Fahrzeuge ohne Papiere verhökerte. Auch aus der Oberpfalz fuhren Leute in den kleinen Ort, um dort quasi als "Privatermittler" nach dem zu forschen, was ihnen bei nächtlichen Coups abhanden gekommen war.

Unter denen, die sich auf dem Gelände des Sägewerks umsahen, war auch ein Mann aus einem 20 Kilometer von Schönsee entfernten Ort im Kreis Cham. Er vermisste ein in Kanada hergestelltes Amphibienfahrzeug. Er fand es zwar nicht, hörte aber von einem älteren Dorfbewohner sinngemäß, dass der Sägewerksbesitzer in der Zeit davor mit einem solchen Vehikel herum fuhr. Das erregte Aufsehen. Aber was, so stellt sich die Frage, beweist das?

Ein Ende des Prozesses ist bisher nicht in Sicht. Erst wenn die lange Liste der Zeugen abgearbeitet ist, wird die Strafkammer entscheiden müssen, wie sie ihr weiteres Vorgehen plant. Ein schwieriges Unterfangen. Denn dem 40-Jährigen müssten die insgesamt 17 von der Staatsanwaltschaft angeklagten Diebstähle und Einbrüche, vornehmlich im Kreis Schwandorf verübt, stichhaltig nachgewiesen werden.
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