Manche mögen's analog
"Movie-Rent": Die einzige Videothek im Landkreis

Die Videothek "Movie-Rent" gibt es schon sei 34 Jahren. Heinz Stephan (rechts) hat sie damals gegründet. Mittlerweile führt sie sein Sohn Markus. Bild: doz
Vermischtes
Schwandorf
15.01.2016
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Wie es sich für eine Videothek gehört, waren die Anfänge von "Movie-Rent" filmreif. Alles begann damit, dass Heinz Stephan (72) sein Auto mit rund 50 Filmen vollpackte. Die Zeche von 13 000 Mark konnte der Schwandorfer zwar nicht sofort zahlen, die Videokassetten bekam er trotzdem.

Aber ganz von vorne: Bevor Stephan die Videothek eröffnete, war er bei einer Bank angestellt. In seiner Freizeit las er Filmzeitschriften und guckte Blockbuster. 1982 fuhr er nach Pforzheim und Unna zu Großhändlern. "Völlig unbedarft, ich wollte mich nur erkundigen", verrät er heute. Weil die Auswahl aber so gut war, machte er seinen Wagen mit Filmen von Bud Spencer und Charles Bronson voll. Auch "Auf dem Highway ist die Hölle los" war dabei. Eine Videokassette kostete 200 Mark, ohne Mehrwertsteuer. Stephan hatte zwar kein Geld und keine Scheckkarte dabei, dafür die Idee eine Videothek in Schwandorf zu öffnen. Deshalb klappte letztlich auch der Deal mit dem Großhändler.

Als er heimkam, erzählte er seiner Frau davon. Sie arbeitete damals in einem Bekleidungsgeschäft. Ihr Chef wollte sie nicht als Verkäuferin verlieren. Deshalb bot er den Stephans an, dass sie einen 13 Quadratmeter großen Nebenraum nutzen dürfen. Also ließ sich der heute 72-Jährige auf die Schnelle Möbel schreinern. Schon nach einem halben Jahr herrschte aber Platzmangel und die Videotheks-Betreiber zogen um. In den nächsten Jahren mehrmals. Seit 28 Jahren sind sie in der Pesserlstraße. Der Laden hat heute eine Fläche von 220 Quadratmetern. Zu Spitzenzeiten waren es sogar dreimal so viel.

Rekordverdächtige Konstanz


Heinz Stephan und seine Frau arbeiten immer noch im Geschäft. Vor zwölf Jahren hat es Sohn Markus übernommen. Trotz der Digitalisierung und immer weniger Videotheken sagt er: "Ich sehe keinen Grund aufzuhören." Dass es bei "Movie-Rent" gut läuft, begründet der 46-Jährige damit, dass es das Geschäft bereits 34 Jahre gibt. Die Videothek hat viele Stammkunden. Alle fünf Angestellten arbeiten schon länger als 20 Jahre für die Stephans. Diese Konstanz ist rekordverdächtig. Markus Stephan schätzt, dass die Videothek die älteste in Bayern sein könnte. Was ihn zu dieser Mutmaßung bringt? Heute.de porträtierte die laut "Guinness-Buch der Rekorde" älteste Videothek Deutschlands: Den "Video-Film-Shop" in Kassel, den es seit 1977 gibt - und somit nur fünf Jahre länger als "Movie-Rent".

Es gibt bei uns unglaublich viele Leute, die nicht im Internet unterwegs sind.Markus Stephan über den Vorteil einer analogen Videothek

Den Großteil des Umsatzes macht die Videothek mit dem Verkauf von DVDs und Blu-Rays sowie Suchlisten. Markus Stephan zeigt die handschriftlich verfassten Listen. Darauf stehen Filme, die Cineasten suchen, aber nicht finden. Der 46-Jährige hilft ihnen weiter, was viele schätzen. Der Chef spricht von einer "unglaublich breiten Kundenschicht". Jugendliche kämen genauso wie 85-Jährige. Im Verleih sind laut Markus Stephan vor allem Neuheiten gefragt. "Ich habe die Streifen meistens vier bis sechs Wochen im Sortiment, dann beginnt schon der Abverkauf." Ein Film der vor einem Jahr herausgekommen sei, sei schon alt. Das Angebot ist gut: Markus Stephan spricht von 5200 DVDs und Blu-Rays, die im Laden sind.

Netflix und Co. sieht er nur bedingt als Konkurrenz. Zum einen sagt er: "Es gibt bei uns unglaublich viele Leute, die nicht im Internet unterwegs sind." Zum anderen führt er nachvollziehbare Gründe an, warum der Gang zur Videothek sinnvoll ist. Vielen fehlt das technische Equipment und das Know-how zum Streamen (online Filme gucken). Außerdem rechnet der 46-Jährige vor, dass es meist teuerer ist, einen Streifen online zu leihen, als bei ihm. Vor allem, wenn es um aktuelle Filme geht.

Rolle rückwärts?


Das heißt aber nicht, dass sich Markus Stephan den neuen Medien verwehren will. Er überlegt gerade, ob und wie er eventuell Bestellungen über Whatsapp (ein Nachrichtendienst für Smartphones) entgegennehmen kann. Allerdings sagt er auch: "Ich kann mir vorstellen, dass es eine Rolle rückwärts gibt." Oder um es in Anlehnung an einen großen Billy-Wilder-Film zu sagen: Manche mögen's analog.

Hintergrund
Das guckt der Videothekar
Markus Stephan sagt, dass er sich selbst nicht als Cineast bezeichnen würde. "Ich bin früher schon gerne ins Kino gegangen." Weil er aber mittlerweile von 10 bis 19 oder 20 Uhr im Laden stehe, sei das zeitlich meist nicht möglich. Dafür gucke er die Streifen meist auf DVD.

Stephan ist ein großer Fan des deutschen Films: "'Honig im Kopf' war brillant." Außerdem ist er begeistert von der "Truman Show" und "The Wolf of Wall Street". Nichts anfangen könne er dagegen mit Fantasy und Science Fiction.

Die Konkurrenz aus dem Netz
Im Internet gibt es einige Anbieter, die Streifen online anbieten. Gegen eine meist monatliche Gebühr können Interessierte von Blockbuster und Arthouse die Filme auf dem PC, Laptop oder Fernseher angucken. Die bekanntesten Online-Videotheken sind Watchever, Netflix, Amazon Video und Maxdome.

Zahlen rückläufig
Der Trend ist eindeutig: Es gibt immer weniger analoge Videotheken. Laut Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) gab 2014 bundesweit 1544 und bayernweit 224. Vor zehn Jahren waren es noch über 4000 in Deutschland.

Es gibt neben den sogenannten herkömmlichen Videotheken auch Automatenvideotheken. Dort ist es auch nach Ladenschluss möglich, Filme zu leihen. Markus Stephan erklärte, dass Letztere vor etwa zehn Jahren einen Hype erlebten, allerdings floppten.
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