Marihuana über die Grenze geschmuggelt
Mit dem Rad zum Drogen-Deal

Ein Drogen-Dealer muss sich vor Gericht verantworten. Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
20.04.2017
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Gab es das schon einmal? Der Drogendealer kommt mit dem Fahrrad aus der Tschechischen Republik, bringt etliche Kilogramm Marihuana über die Grenze und verhökert seine Fracht in München. Der Prozess gegen den aus Osteuropa stammenden Mann dauerte vor dem Landgericht Amberg nur drei Stunden.

Amberg/Schwandorf. Dieser Angeklagte machte den Richtern der Ersten Strafkammer die Arbeit leicht. Er setzte sich hin und begann in allen Einzelheiten und Details zu erzählen, was er in den Jahren 2015 und 2016 als Drogenhändler trieb. Der 35-Jährige, viele Jahre in München lebend und deswegen der deutschen Sprache mächtig, hatte sich irgendwann in der Tschechischen Republik niedergelassen und bekam dort Arbeit. Allerdings ein kärgliches Brot, monatlich mit nur 500 Euro entlohnt. Der Mann verschaffte sich einen Nebenverdienst. Und der war einträglich. Von einem Freund kaufte er Marihuana zum Preis von vier Euro pro Gramm; er deponierte jenseits des Übergangs Schafberg bei Furth im Wald ein Fahrrad und setzte auf dem Bike über viele Monate hinweg zu regelmäßigen Touren über die Grenze an. "Nie hat mich jemand kontrolliert", erzählte er jetzt.

Die Transporte summierten sich im Lauf der Zeit. Unter dem Strich standen nun rund zehn Pfund. Allerdings nur rundgerechnet. Tatsächlich war die Menge wohl weit größer. Denn etliche unklar bleibende Touren wurden vom Gericht eingestellt. Der Mann radelte entweder nach Furth im Wald oder gar bis nach Cham. Dann stellte er sein Bike ab und nahm Züge, die ihn nach München brachten. Auch dort blieb er unbehelligt, stieg in der Landeshauptstadt aus, begab sich zielstrebig zu seinen Aufkäufern, die ihm wesentlich mehr als den Grammpreis von vier Euro bezahlten und kehrte sodann nach Tschechien zurück.

Im Zug erwischt


Das Pech für ihn: Am 12. November letzten Jahres fuhren zwei Zollfahnder im Zug mit. Sie überprüften bei Bodenwöhr (Kreis Schwandorf) den 35-Jährigen, stellten zunächst nichts fest, fanden aber gleich darauf 243 Gramm Marihuana, die neben dem Abteil im Müllkorb einer Behindertentoilette "gebunkert" waren. Bei seiner Befragung gab sich der Reisende sofort als Besitzer zu erkennen. Ab dann fand die Deal-Serie ein Ende. Fast schon, wie sich jetzt der Eindruck im Prozess vermittelte, zum Aufatmen des sich meist zwei bis drei Mal im Monat auf sein Fahrrad schwingenden Mannes.

Nur im Winter, so erfuhr man, habe er pausiert. Denn dann lag hoher Schnee auf den schmalen Transitwegen. Das Geständnis war lückenlos. Es ging sogar in einen für den in Tschechien als Farbmischer tätigen Angeklagten in einen gefährlichen Bereich. Vor Vernehmungsbeamten der Polizei und jetzt auch im Prozess nannte er die Namen zweier Aufkäufer und seines Belieferers in Tschechien. Das hat zwischenzeitlich dies- und jenseits der Grenze zu umfangreichen Ermittlungen der Justizbehörden geführt.

Schnell abgehandelt


Zwei Verhandlungstage waren angesetzt. Die Strafkammer brauchte aber nur drei Stunden zur Urteilsfindung. Der Angeklagte bekam dreieinhalb Jahre Haft und ihm wurde gestattet, eine Drogentherapie von 18 Monaten Dauer zu absolvieren. Im Verfahren hatte er seine eigene Abhängigkeit von Marihuana zu Protokoll gegeben. Sie wurde durch eine medizinische Sachverständige bestätigt. Da er die Gerichtsentscheidung sofort akzeptierte, war klar: Er wandert schon in den nächsten Tagen zur geschlossenen Therapie und kann nach erfolgreichem Abschluss mit einer sogenannten Reststrafen-Bewährung rechnen. Dreieinhalb Jahre hatte Staatsanwalt Oliver Wagner beantragt. Er wie auch Verteidiger Michael Schüll (Amberg) sprachen sich aber für die Entzugsmaßnahme in einer Drogenklinik aus.

Von der Strafkammervorsitzenden Roswitha Stöber war zu vernehmen: "Wirklich ein umfassendes Geständnis, dessen Bedeutung das Gericht zu würdigen hatte."

Nie hat mich jemand kontrolliert.Angeklagter Drogen-Dealer
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