"Marterlandacht" mit über 200 Zuhörern

Der evangelische Pfarrer Joachim Kenzian (rechts) schrieb für die "Marterlandacht" im Taxöldener Forst die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium um. Bild: rid
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Schwandorf
28.12.2015
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Der evangelische Pfarrer Joachim Kenzian (rechts) schrieb für die "Marterlandacht" im Taxöldener Forst die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium um. Bild: rid

Man stelle sich vor, heute würde ein 15-jähriges Mädchen behaupten, vom heiligen Geist schwanger zu sein, sagt Joachim Kenzian. Der evangelische Pfarrer malte sich bei der "Marterlandacht" am Heiligen Abend aus, wie es Maria vor über 2000 Jahren ergangen sein mag.

"Sie hatte kein leichtes Leben", stellte der Geistliche vor 200 Zuhörern im Taxöldener Forst fest. Genauso wenig wie Josef, der annehmen musste, seine Freundin sei "fremd" gegangen. Und dann hatten sie "dieses schwer erziehbare Kind", das seine Mutter mehrmals schroff abgewiesen habe. Die Bibelstellen ließen auch die Anfeindungen der Verwandten erahnen, "die die Eltern aufgefordert haben, diesen Irren doch nach Haus zu holen". Maria sei dennoch bis zum Tod zu ihrem Sohn gestanden. Wie es die meisten anderen Mütter auch tun, so der Geistliche. Für ihn seien sie alle Heilige.

Zum 30. Mal Ausrichter


Die ärmliche Geburt des Kindes im Stall deutete Joachim Kenzian als Zeichen Gottes, dass jeder Mensch Zugang habe zu seinem Sohn. Sogar die Hirten, die damals zur sozialen Unterschicht gehörten. Der Geistliche schrieb die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium um und berichtete von einem Politiker, der jene Menschen, die gegen die Umweltzerstörung seien, aufforderte, sich in Listen einzutragen.

Sie zogen in den Taxöldener Forst und wickelten sich in Decken, weil nirgendwo Platz für sie war. Da kam der Engel und verkündete ihnen: "Haltet aus, es wird Freude kommen über die Region." Aber zunächst kamen Häscher, die das Kreuz brutal entfernten und dem Gekreuzigten die Hände abhackten. Dann aber geschah das Wunder. Der Statthalter hatte plötzlich keine Macht mehr über die Menschen. Diese priesen Gott, dass er das Schicksal zum Guten gewendet habe. "Darum fürchtet euch nicht", rief der Pfarrer den Umstehenden zu.

Zu jenen furchtlosen Menschen von damals gehört auch Wolfgang Nowak, der heuer zum 30. Mal die Marterlandacht am Heiligen Abend ausrichtete. "Wir sind im Denken den politischen Machthabern und Energiekonzernen um 30 Jahre voraus", sagte der WAA-Gegner mit Blick auf die Energiewende. Sein Dank galt der Bläsergruppe der Jugendblaskapelle Schwarzenfeld für die musikalische Gestaltung der Feier. Auch Dekan Hans Amann zog in seiner Weihnachtsbotschaft Parallelen und betonte: "Angesichts von Leid und Krieg, Hunger und Elend sowie der großen Völkerwanderung, die sich derzeit ereignet, klopft Gott in flüchtenden und asylsuchenden Menschen an die Stalltür Europas und auch an unsere eigene."

Viele helfende Hände


Er sei stolz, so der katholische Geistliche, "dass unser Land sich als gastfreundlich erweist und es in unserer Stadt so viele helfende Hände gibt, Menschen, die seit Monaten, oft bis an die Grenze der Erschöpfung, arbeiten, um Flüchtlingen und Vertriebenen zu helfen und Heimatlosen ein Dach über dem Kopf zu geben". Der Pfarrer von St. Jakob erinnerte an das Jesus-Wort: "Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet, ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war obdachlos, und ihr habt mich beherbergt ".
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