Mit Eisenstangen in den Bankvorraum - 37-Jähriger muss jetzt ein Jahr hinter Gitter
Brachiale Gewalt am Geldautomaten

(Foto: dpa)
Vermischtes
Schwandorf
16.09.2016
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Amberg/Schwandorf. Der rabiate Mann kam fünf Mal in einer Nacht zu einem Schwandorfer Geldautomaten und drosch mit wechselnd großen Eisenstangen auf das Gerät ein. Als man ihn Tage später festnahm, wurden zwei Kriminalbeamte krankenhausreif verletzt. Jetzt saß er in Amberg vor Gericht.

Rüsten sich Schlafwandler mit Einbruchswerkzeug aus? Im Vorfeld des Prozesses war diese Frage aufgetaucht. Denn vor Kripofahndern hatte der jetzt angeklagte 37-Jährige behauptet, er leide seit einem Unfall an Gedächtnisstörungen, neige auch zu nächtlich unkontrollierten "Ausflügen". In der Verhandlung wurde diese kühne Darlegung nun zwar nicht wiederholt. Gleichwohl aber ließ der Hilfsarbeiter vor der Amberger Amtsrichterin Julia Taubmann anklingen, er habe eigentlich am frühen Karfreitagmorgen dieses Jahres nur Geld abheben wollen. Doch aus dem Automaten sei nichts raus gekommen. Nur Geld abheben? Die Richterin wunderte sich und staunte darüber, "dass Sie dazu mit Eisenstangen, Handschuhen und einem Band zum Abkleben der Videokamera erschienen sind." Die Kamera aber versagte ihren Dienst nicht. So ließ sich anhand des aufgezeichneten Films sehen, dass der 37-Jährige in jener Nacht fünf Mal im Vorraum einer Bank an der Breite Straße in Schwandorf aufkreuzte. Um 1.35 Uhr und um 3.33 Uhr peilte er die Lage, dann kamen um 3.46 Uhr und um 3.51 Uhr wechselweise eine größere und eine kleinere Eisenstange zum Einsatz.

Nichts erwischt


Damit wurde ein Geldautomat durch Schläge erheblich beschädigt. Allerdings: An die erwünschten Scheine gelangte der Täter nicht. Um 4.04 Uhr zog er erfolglos von dannen. Bei ihm, so gab der Mann zu verstehen, habe seinerzeit eine gewisse "wirtschaftliche Not" geherrscht. Die Polizei ermittelte damals intensiv. Mit dem Ergebnis, dass zwei von einem Dolmetscher begleitete Kriminalbeamte aus Amberg den 37-Jährigen wenige Tage nach der Automaten-Attacke an seinem Schwandorfer Arbeitsplatz festnahmen. Die folgende Fahrt führte zur Wohnung des Täters in Marktplatznähe. Vor dem Haus spielte sich dann ein furioses Intermezzo ab. Der Mann ("Ich hatte große Angst") ging beim Aussteigen massiv gegen die zwei Polizisten vor. Beide brauchten später ärztliche Hilfe. Einer von ihnen war in den Unterarm und in den Oberschenkel gebissen worden. Eine der Wunden musste genäht werden. Auch der Dolmetscher kam nicht ungeschoren davon. Er klagte über Abschürfungen.

Seit dem Prozess weiß man, dass die Eisenstangen von einer nahen Baustelle stammten und die Handschuhe beim Arbeitgeber mitgenommen wurden. Es tue ihm alles "schrecklich leid", unterstrich der Beschuldigte, dessen Familie in Rumänien lebt. Eine kummervolle Situation, wie er übersetzen ließ. Zu verkraften nur durch Alkohol. Auch in der Nacht zum fraglichen Karfreitag habe er sich betrunken und mit Barem aus dem Automaten noch ein paar weitere Drinks zahlen wollen. In welchen Lokalen er war, wollte dem 37-Jährigen nicht mehr einfallen.

Bewährung nicht drin


Der Arbeiter, seit längerer Zeit in Deutschland, hatte noch nie eine Vorstrafe. Doch zur Bewährung reichte es nach ganztägigem Verfahren trotzdem nicht. Richterin Taubmann schickte den 37-Jährigen für ein Jahr hinter Gitter. Staatsanwältin Jennifer Jäger hatte zuvor 15 Monate Haft beantragt. Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg) hielt in seinem Plädoyer eine achtmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend. Doch dem mochte die Vorsitzende nicht entsprechen. Er sei schon ziemlich heftig erst gegen den Geldautomaten und dann gegen Polizisten vorgegangen, sagte sie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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